Forschungsprojekte in der Paläontologie:Epikontinentale Meeresverbindungen im Unteroligozän von MitteleuropaEin Beitrag von Dr. Kirsten Grimm, Institut für Geowissenschaften, LE Paläontologie, MainzVor 29,5 bis 31 Mill. Jahren, während des Rupeliums (im Sinne der internationalen chronostratigraphischen Stufengliederung), gab es in Europa zahlreiche epikontinentale Meeresbecken. Zwischen dem paleogenen Nordmeer als Vorläufer der heutigen Nord- und Ostsee und dem Tethyskomplex als Vorläufer des heutigen Mittelmeeres und den östlich davon gelegenen Binnenmeeren lagen das Pariser Becken, das Rheingrabensystem, das Bresse-Rhônegrabensystem, das Molassebecken und die polnisch-pannonisch Meeresstraße. Diese Meeresbecken oder -straßen wurden teils von Norden, teils von Süden beeinflusst. Zur Aufdecken der Meeresverbindungen vor 29-31 Millionen Jahren wurden aus folgenden Gebieten Bohrungen, Profile und Aufschlüsse untersucht:
(Hinweis: weitere Infos zu den Arbeitsgebieten Mainzer Becken sowie Oberrheingraben durch Klick auf obige Regionen). Die Paläogeographie von Mitteleuropa wird seit dem 19. Jahrhundert untersucht und eine Verbindung vom Nordmeer über das Mainzer Becken und den Oberrheingraben bis in ein Südmeer (Tethys) mehrfach postuliert. Als möglicher Weg für die Südverbindung vom Oberrheingraben zur Tethys wurden Verbindungen über den Bresse- und Rhônegraben, über die raurachische Pforte sowie das Molassebecken diskutiert. Aufgrund des Auftretens von "nordischen und "südlichen Fischarten sowie der Verbreitung von kalkigem Nannoplankton wurde eine durchgehende Verbindung vom Nordmeer zur Tethys auch für den untersuchten Zeitabschnitt angenommen worden, konnten aber bisher nicht eindeutig belegt werden. Dagegen wurde eine Fortsetzung vom Oberrheingraben über die Hessische Senke bis ins Nordmeer durch zahlreiche Untersuchungen belegt und heute allgemein akzeptiert. Eine weitere Verbindung vom Oberrheingraben über das Mainzer Becken und das heutige Rheinische Schiefergebirge wird vermutet. Eine mögliche Meeresverbindung des südlichen Oberrheingrabens mit dem Molassebecken wurde von einigen Bearbeitern auf Grund von paläobiogeographischen Untersuchungen abgelehnt. Andere Bearbeiter nahmen dagegen während des Rupeliums eine Verbindung zwischen dem Oberrheingraben und der Paratethys über den schmalen Molasse-Meeresarm längs der sich hebenden Alpen an. Weiterhin wurde auch ein zentralalpiner Meeresweg von der Molassesenke über das Inntaltertiär bis ins Vicentin diskutiert. Mit Hilfe von benthonischen Foraminiferen werden die oben genannten Meere paläobiogeographisch untersucht und Rückschlüsse auf mögliche Meeresverbindungen gezogen. Dazu werden in ausgesuchten Regionen mikropaläontologische und biostratigraphische Bearbeitungen durchgeführt. Als Kerngebiet für die Untersuchungen wurde das Mainzer Becken gewählt, da dieses von allen Untersuchungsgebieten die größte Datendichte und die höchste stratigraphische Auflösung aufweist. Es liegt zudem paläogeographisch in einer vermittelnden Position zwischen Nordmeer und Tethys. @ Text und Abbildungen Kirsten Grimm, Mainz; © Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung |
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