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Paläontologische Forschung

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Ein Wal-Baby und Darwin

Pünktlich zum Darwinjahr wurde ein wichtiger Fund zur Evolution der Wale publiziert. Darwin hatte Schwierigkeiten, sich die Herkunft der Wale plausibel zu machen. Bei den rezenten Säugetieren gibt es keine Formen, die als Modell für den Übergang von landlebenden Säugetieren zu den marinen Walen dienen können.

Neben vielen anderen Spezialanpassungen an ein Leben im offenen Ozean, erfolgt auch die Geburt der Wal-Kälber auf eine besondere Weise. Im Gegensatz zu der Geburt von Landsäugetieren, wo der Kopf des Fötus zuerst durch das Becken tritt, kommt bei Walen der Schwanz zuerst. Damit kann sich der Schwanz durch Bewegung stärken, bevor der Rest des Fötus geboren wird. Ein neuer Fund aus dem Eozän aus Pakistan, den Gingerich et al. 2009 veröffentlicht haben, gibt Einblick in den Geburtsvorgang bei den ganz frühen Walverwandten. Die Arbeit ist im Online Journale PLoS ONE zugänglich: http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0004366

Diese Walverwandten stammen aus rein marinen Ablagerungen. Sie geben sich durch die gestreckten Schädel und die spezielle Zahnform einerseits als Fischräuber zu erkennen und haben andererseits noch gut ausgebildete Beine. Wurden deren Kälber bereits im Meer geboren oder noch an Land? Einen wichtigen Hinweis zur Antwort auf diese Frage gibt das Skelett eines Muttertieres, deren Fötus schon sehr weit entwickelt ist. Der Kopf des Fötus liegt zur Geburtsöffnung des Muttertieres. Damit dürften die Kälber dieses Walverwandten noch wie die landlebenden Vorfahren auf dem Land geboren worden sein. Das zeigt, wie sich in der Evolution die Anpassungen schrittweise einstellen.

Muttertier des eozänen Walverwandten Maiacetus inuus mit einem Fötus in Geburtslage. Aus Gingerich PD, ul-Haq M, von Koenigswald W, Sanders WJ, Smith BH, et al. 2009 New Protocetid Whale from the Middle Eocene of Pakistan: Birth on Land, Precocial Development, and Sexual Dimorphism. PLoS ONE 4(2): e4366. doi:10.1371/journal.pone.0004366


Gloria Arratia erhält den Memorial R. Gibbs Award

Die American Society of Ichthyology and Herpetology (ASIH) vergibt seit 1988 den Memorial Robert H. Gibbs Jr Preis für exzellente Forschung in systematischer Ichthyologie. Der Preis gilt als höchste Auszeichnung für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Ichthyologie. Er ist nach Robert Gibbs (1929-1988) benannt, der für die ASIH u.a. im Editorial Board von Copeia aktiv war und dessen Ehefrau die jährlich erfolgende Verleihung des Preises (Medaille & Geldpreis) mit einer großzügigen Stiftung ermöglichte.

In 2007 wurde der Preis an Prof. Dr. Gloria Arratia vergeben, eine international führende Paläontologin, die sich der vergleichenden Morphologie, Evolution und Phylogenie der Actinopterygier verschrieben hat. Ihre Forschungsergebnisse zum Ursprung der basalen Teleostei sind für das Verständnis der Evolution dieser heute erfolgreichsten und größten Gruppe aller Wirbeltiere als fundamental anerkannt. Gloria Arratia hat über 100 peer-reviewte Publikationen aufzuweisen und 6 Fachbücher herausgegeben. Gloria Arratia ist jedoch nicht nur eine erstklassige Wissenschaftlerin, sie ist auch eine herausragende Persönlichkeit; sie hat viel Sinn für Humor und ist, bei aller Liebenswürdigkeit, dafür bekannt, ihre Meinung klar und deutlich zu formulieren. Bemerkenswert finde ich, dass der seit 19 Jahren vergebene Preis nunmehr das erste Mal an eine WissenschaftlerIN verliehen wurde! Gloria schrieb mir dazu: I want to share with you this recognition because in a field like Ichthyology, dominated by male colleagues worldwide, it is almost monumental to compete with them. This recognition of my contribution to science opens a door to other female ichthyologists in the future. Let us hope that we will not have to wait other 19 years to have a second one.

Die Paläontologische Gesellschaft ist sehr stolz auf die Verleihung des renommierten Preises an Gloria Arratia, die seit 1995 Mitglied der Gesellschaft ist. Herzlichen Glückwunsch von uns allen, liebe Gloria.

Bettina Reichenbacher, München


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© Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung 28.02.2009 durch August Ilg