Forschungsprojekte in der Paläontologie:Die Wirbeltier-Fauna des LettenkeupersVon Rainer Schoch, Stuttgart Der Lettenkeuper ist ein etwa 20 m mächtiges Schichtpaket aus Karbonaten, Tonsteinen, Mergeln und Sandsteinen, die im rhythmischen Wechsel aufeinander folgen. Die Formation ist vor etwa 234 Millionen Jahren im küstennahen Bereich eines sehr flachen Meeresbeckens abgelagert worden, das stellenweise trockenfiel oder aussüßte. Der Fossilinhalt ist reich an Wirbeltieren: neben meist zerfallenen Fischen (Haie, Actinopterygier, Dipnoi, Coelacanthiden) dominieren große räuberische Amphibien (z. B. Mastodonsaurus) und es finden sich regelmäßig Reste von landlebenden Reptilien (Rauisuchier) sowie eingeschwemmte Skelette von Meeres-Echsen (Nothosaurier).
Im Jahre 1977 wurde beim Bau der Bundesautobahn A 6 (Heilbronn-Nürnberg) in der Nähe der Stadt Kupferzell ein fossilreiches Profil des Lettenkeupers angeschnitten. Johann Wegele, ein Privatsammler aus der Gegend, entdeckte Reste des riesigen Amphibs Mastodonsaurus darin. Dr. Rupert Wild vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart führte daraufhin eine mehrmonatige Grabung in der Autobahntrasse durch, die viele Tausend Einzelknochen und wunderschöne Schädelfunde verschiedener Wirbeltiere lieferte.
Die paläontologische Erforschung der Wirbeltiere des Lettenkeupers wird seit 2000 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert (Projekt "Lettenkeuper-Tetrapoden"). Die Bearbeitung erfolgt im wesentlichen in den Stuttgarter und Berliner Naturkundemuseen. Es wurden mehrere kleinere Grabungen durchgeführt, die Neues zur Entstehung der Wirbeltier-Lagerstätten erbracht haben. Die wissenschaftliche Bearbeitung der Amphibien und Reptilien ist im Gang. Mehrere neue Arten sind dabei zum Vorschein gekommen (z. B. der neue Trematosaurier, im Bild). Langfristig verfolgt das Projekt "Lettenkeuper" zwei Ziele: einerseits soll die Entstehungsgeschichte der reichen Wirbeltierlagerstätten rekonstruiert werden, und andererseits die Palökologie der Lettenkeuper-Lebewelt. Als Zeitschnitt oberhalb des gut erforschten Oberen Muschelkalks bietet der Lettenkeuper darüber hinaus die Chance, die geografischen und biotischen Veränderungen anhand sehr detaillierter Profile nachzuzeichnen.
Literatur Schoch, R. R. (1999): Comparative osteology of Mastodonsaurus giganteus (Jaeger, 1828) from the Middle Triassic (Lettenkeuper: Longobardian) of Germany (Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen). Stuttgarter Beitr. Naturkunde, B 278: 1-49; Stuttgart.
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