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Protestschreiben der Präsidentin der Paläontologischen Gesellschaft

Paläontologische Gesellschaft

Präsidentin

Prof. Dr. Bettina Reichenbacher

Department für Geo- und Umweltwissenschaften

Sektion Paläontologie

Richard-Wagner-Str. 10 D-80333 München

Tel. 089-21806603

Fax. 089-21806601

b.reichenbacher@lrz.uni-muenchen.de


13. August 2004

An den

Rektor der Universität zu Köln

Herrn Univ.Prof. Dr. rer. nat. Tassilo Küpper

Albertus-Magnus-Platz

50923 Köln




Sehr geehrter Herr Rektor,


Vergangene Woche wurde uns bekannt, dass wegen des erhöhten Lehrdeputats für Professoren bzw. der längeren Arbeitszeit der Beamten vier Stellen im Bereich Geologie-Paläontologie-Mineralogie an der Universität Köln gestrichen werden sollen. Mit diesem Schreiben möchte ich Sie als Vertreterin der deutschsprachigen Paläo-Community bitten, diese Entscheidung noch einmal zu überdenken und zu revidieren. Dabei möchte ich ausdrücklich über den Tellerrand "meines" Faches Paläontologie hinausblicken, denn Geologie, Paläontologie und Mineralogie sind wissenschaftlich eng miteinander verbunden. Ich plädiere deshalb für den Erhalt der Stellen sowohl in der Paläontologie wie auch in der Geologie und Mineralogie.

Betrachtet man die Leistungsfähigkeit der Kölner Geowissenschaften, so sind sie im NRW-Vergleich in Bezug auf die angewendeten Kriterien (Drittmittel, Studentenzahlen) hervorragend. Dies wurde noch im vergangen Winter im Rahmen des "Hochschul-konzeptes NRW 2010" von Fakultät und Universitätsleitung hervorgehoben. Ich möchte auch daran erinnern, dass die Mineralogie bereits im vergangenen Sommer eine Professur einbüßte und eine weitere aus strukturellen Gründen in eine C1-Stelle umgewandelt wurde.

Natürlich sind mir die landesweiten Sparzwänge und die geforderten "Profilbildungen" bewusst. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass der Bildungs- und Forschungsauftrag der Geologie, Paläontologie und Mineralogie vor allem die Kenntnis und Erforschung der langfristigen Entwicklungen zum Inhalt und zum Ziel hat, und damit über die ökonomischen Inhalte (z.B. Geo-Ressourcen, Klimaforschung, Geomaterialien) weit hinausgeht. Die in den englischsprachigen Geowissenschaften gebräuchliche Formulierung "learning from the past - planning for the future" drückt dies sehr gut aus. Deshalb können nur Geowissenschaftler den Menschen ihre besondere Verantwortung im und für das System Erde-Leben vermitteln und lehren; und dieser besonderen Verantwortung dürfen wir uns nicht entziehen. Die internationale Geo-Community trägt dem auch Rechnung und hat für den Zeitraum 2005-2007 durch die UNESCO das International Year of Planet Earth proklamiert, welches das deutsche "Jahr der Geowissenschaften" (2002) zum Vorbild hat.

In Kenntnis aller Sparzwänge bin ich davon überzeugt, dass die Geowissenschaften am Standort Köln eher gefördert werden sollten, aber keinesfalls noch mehr Stelleneinbußen erleiden dürfen. Die Geowissenschaften an der Universität zu Köln müssen auch weiterhin die Chance haben, durch Spitzenforschung geowissenschaftliches Profil zu bilden und zu zeigen, was ja auch der gesamten Universität zu Köln zugute kommt. Jedenfalls dürfen die Geowissenschaften nicht zu einem "Lehrbetrieb" degradiert werden, wie es durch die Stellenkürzungen geschähe. Abschließend sei mir erlaubt darauf hinzuweisen, dass der Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität in München die auch in Bayern eingeführte Lehrdeputatserhöhung ausdrücklich NICHT in Stellenkürzungen "umrechnen" wird, sondern dass die zusätzliche Dienstzeit der Stärkung der Forschungsleistung dienen soll.

In diesem Sinne bitte ich Sie noch einmal, die Geowissenschaften an der Universität zu Köln nicht mit den geplanten Stellenkürzungen zu belasten.

Mit freundlichen Grüßen

(Prof. Dr. Bettina Reichenbacher)

Präsidentin der Paläontologischen Gesellschaft
und stellvertretend für Vorstand und Beirat der Gesellschaft


bitte hier klicken, um den Protestbrief als pdf File anzusehen


Paläontologische Gesellschaft

Präsidentin

Prof. Dr. Bettina Reichenbacher

Department für Geo- und Umweltwissenschaften

Sektion Paläontologie

Richard-Wagner-Str. 10 D-80333 München

Tel. 089-21806603

Fax. 089-21806601

b.reichenbacher@lrz.uni-muenchen.de


12. Mai 2004

An den

Präsidenten der Universität Würzburg

Herrn Prof. Dr. A. Haase

Sanderring 2

97070 Würzburg




Sehr geehrter Herr Präsident,


gestern wurde durch die Würzburger Kollegen bekannt, dass die Universität Würzburg eine Schließung der Geowissenschaften (Geologie, Paläontologie, Mineralogie) in Betracht zieht. Die Geo-Kommunity in Deutschland und mit ihr die Paläontologische Gesellschaft ist darüber entsetzt. Wir möchten Ihnen unseren Protest mit diesem Schreiben mitteilen und auch begründen, denn natürlich sind uns die Sparzwänge der bayerischen Landesregierung und die geforderten 'Profilbildungen' bewusst.

Der Bildungs- und Forschungsauftrag der Geowissenschaften ist für die gesellschaftliche Entwicklung in jeder Hinsicht ein ganz bedeutender und in keiner Weise durch andere Wissenschaften ersetzbar. Geowissenschaftliche Forschung umfasst einerseits ökonomische Ziele wie 'Nutzung von Ressourcen', 'Klimaforschung' und 'Nachhaltigkeit'. Geowissenschaftliche Forschung geht aber weit darüber hinaus, denn Geologie, Paläontologie und Mineralogie haben ihre Stärken in der Kenntnis und Erforschung der langfristigen Entwicklungen. Die in den englischsprachigen Geowissenschaften gebräuchliche Formulierung 'learning from the past - planning for the future' drückt dies wohl am trefflichsten aus. Geowissenschaften, und nur die Geowissenschaften, besitzen diese besondere Kompetenz für die zeitlichen Aspekte. Deshalb kann auch nur geowissenschaftliche Forschung den Menschen ihre adäquate Stellung im System Erde-Leben vermitteln; und die Menschen zu ihrer ganz besonderen Verantwortung im und für das System Erde-Leben hinführen.

In Kenntnis dieser besonderen Verantwortung hat die Ministerin Bulmahn im Jahr 2002 das Jahr der Geowissenschaften ausgerufen. Es ist Ihnen sicher bekannt, welch riesiger Erfolg dieses Jahr war. Es hat mit Abstand die größte Resonanz in der Bevölkerung im Vergleich mit den vorangegangenen Wissenschaftsjahren hervorgerufen. 2002 hat ja auch die gemeinsame Tagung von 13 geowissenschaftlichen Gesellschaften am Standort Würzburg stattgefunden (Geo 2002)! Das drückt ja schon sehr deutlich die Wertschätzung aus, die der Geo-Standort Würzburg national und international genießt. Vielleicht ist es für Sie auch von Interesse zu wissen, dass die internationale Gemeinschaft der Geowissenschaftler IUGS dem deutschen Beispiel folgen wird und für den Zeitraum 2005-2007 von der UNESCO das International Year of Planet Earth proklamiert werden wird.

In Kenntnis aller Sparzwänge sind wir davon überzeugt, dass es eine Fehlentscheidung von unermesslicher Tragweite ist, die Geowissenschaften am Standort Würzburg zu schließen. Bei allen Vorteilen von Profilbildungen - diese bergen auch sehr große Gefahren: Forschung muss divers sein, nur so kann Kreativität und Innovation bewahrt werden. Forschung muss weitsichtig sein und in die Zukunft blicken: wer weiß denn heute schon alle Bedürfnisse der Gesellschaft in 50 Jahren? Schließlich muss sich Forschung auch Flexibilität bewahren. All dies ist durch die so hoch gelobte Profilbildung (die ja nichts anderes als 'Forschung in Programmen' bedeutet) höchst gefährdet!

Als Präsident der Universität Würzburg haben Sie es in der Hand, sich für die Geowissenschaften am Standort Würzburg einzusetzen. Die derzeitige Entwicklung/Einführung neuer Bachelor-Master Studiengänge trägt dazu bei, die bisherigen Einzelfächer Geologie, Paläontologie und Mineralogie noch stärker zu vernetzen. Doch der Forschungs- und Bildungsauftrag der Geowissenschaften setzt unabdingbar voraus, dass in Deutschland die Geowissenschaften ihre Diversität und Kreativität durch die Sicherung verschiedener Standorte bewahren. In Bayern herrscht mit den Geologie-Paläontologie-Mineralogie Standorten München, Erlangen und Würzburg bestimmt kein Überangebot! Wir appelieren deshalb an Sie: erhalten Sie den Standort Würzburg und sichern Sie das Potential der Geowissenschaften für sich, für uns, und für die kommenden Generationen.

Mit freundlichen Grüßen

(Prof. Dr. Bettina Reichenbacher)

Präsidentin der Paläontologischen Gesellschaft und stellvertretend für Vorstand und Beirat der Gesellschaft

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© Paläontologische Gesellschaft,
Inhalt dieser Seite: B. Reichenbacher
letzte Änderung 13.08.2004 durch August Ilg