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Zrzavý, J., Storch, D. & Mihulka, S.: Evolution. Ein Lese-Lehrbuch. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Burda, H. & Begall, S. IX + 493 S.; Heidelberg (Spektrum) 2009. ISBN 978-3-8274-1975-0 . Preis: 39,95 €.

Gerade im Darwin-Jahr 2009 dreht sich alles um die Evolution. Das Thema bewegt Biologen, Paläontologen und natürlich auch Kritiker. Das vorliegende Werk stammt aus der Feder von Evolutionsbiologen, die ihre Lehrerfahrung mit Studenten eingebracht haben. Sie beleuchten die verschiedensten Aspekte des Themas aus biologischer Sicht, ohne einseitig Stellung zu beziehen. Der Inhalt des Buchs analysiert die historischen Grundlagen und Forschungstrends, die Selektionsmechanismen, stammesgeschichtliche Aspekte, wichtige evolutionäre Neuheiten, Adaptationen, Diversität und zu guter Letzt die Rolle des Menschen. Paläontologen hätten gewiss etwas andere Schwerpunkte gesetzt und den Fossilien mehr Gewicht gegeben, die als steinerne Zeugen der Evolution gelten. Aber die Evolution hat eben auch auf molekularer Ebene im Erbgut eines jeden Lebewesens ihre deutbaren Spuren hinterlassen. Die Lückenhaftigkeit der Überlieferung insgesamt und der Informationsverlust beim Fossilisationsprozess setzen Grenzen. Trotzdem wird den Fossilien eine wichtige Rolle für die Rekonstruktion des tatsächlichen historischen Ablaufs der Evolution und bei der Rekonstruktion von Verwandtschaftsverhältnissen auch heutiger Organismengruppen bescheinigt. Jedes Kapitel wird mit einem Fragenkatalog eingeleitet, der dann nach Lektüre des entsprechenden Abschnitts klar werden soll. Am Ende des Kapitels werden dann sehr anspruchsvolle „Kontrollfragen“ gestellt, die der Leser sich selbst beantworten kann. Fachbegriffe und wichtige Sachverhalte – und davon gibt es sehr viele – werden in extra Blöcken abgehandelt. Dazwischen befinden sich längere Textabschnitte mit spannend erzählten Fallbeispielen (z.B. Entwicklung der Augen), die sich insgesamt zu einem roten (Lese- und Verständnis-)Faden zusammenfügen. Auch auf die Wissenschaftsgeschichte, die beteiligten Persönlichkeiten und ihre wichtigsten Leistungen (jeweils mit stilisiertem Porträt) oder fundamentalen Irrtümer im Zusammenhang mit Evolution wird eingegangen. Gegnern der Evolutionstheorie aus den Reihen der Kreationisten wird immer wieder elegant der Wind aus den Segeln genommen. Tatsächlich geht das Buch weit über ein „trockenes“ Lehrbuch hinaus, weil die Texte nicht nur die verschiedensten Aspekte beleuchten, sondern vieles auch kritisch und gelegentlich sogar etwas provokant (z.B. zur Frage, ob es gegenwärtig ein Massenaussterben gibt), aber stets höchst sachlich hinterfragt wird. Die Autoren berücksichtigen dabei allerneueste Forschungsergebnisse, was sich in einem thematisch gegliederten Literaturverzeichnis niederschlägt. Ein umfangreiches Glossar erleichtert das Begriffsverständnis. Die Illustrationen sind einfach aber dennoch anschaulich und prägen den Stil des Gesamtwerks.
Als Fazit bleibt festzuhalten, dass es den Autoren und insbesondere den Herausgebern der deutschen Auflage bestens gelungen ist, das Thema Evolution spannend, anspruchsvoll und in erfrischender Sprache zu vermitteln. Auch bei knappem Zeitplan und Geldbeutel von Studierenden lohnt sich die Anschaffung und Lektüre. Über das eigentliche Thema hinaus wird immer wieder vor Augen geführt, dass man Erkenntnisse stets kritisch hinterfragen muss und sich nicht darauf beschränken sollte, alte Lehrbuchweisheiten gebetsmühlenartig zu wiederholen. Für die vorbildliche Vermittlung der Forschung in die Lehre ist das Buch geradezu preisverdächtig!

Günter Schweigert, Stuttgart


Klostermann, J. (2009): Das Klima im Eiszeitalter, 2., völlig neubearbeitete Auflage. XII + 260 S., 98 Abb., 7 Tab., 21 x 15 cm, broschiert, ISBN 978-3-510-65248-8, Preis: 29,90 €

Klima und Klimawandel sind hochbrisante, aktuelle Themen in Politik und Wissenschaft. Um hier kompetent mitreden zu können, ist es wichtig, die äußerst komplexen Vorgänge, die das Weltklima steuern, einigermaßen zu verstehen. Der Autor hat versucht, die verschiedensten Aspekte im Zusammenhang mit Klima, speziell Klima mit Eiszeiten, verständlich darzustellen. So werden nicht nur die verschiedenen endo- und exogenen Ursachen klimatischer Prozesse beleuchtet, sondern auch deren Folgen und – speziell am Beispiel der quartären Vereisungen – die Indizien, die es für den Wissenschaftler als Klimazeugnisse zu deuten gilt. Dies können Pollenuntersuchungen oder charakteristische Faunenelemente sein, aber auch der geomorphologische Formenschatz im Gefolge von Gletschern und Wüsten. Neben den quartären Vereisungen werden auch frühere Vereisungen in der Erdgeschichte kurz berührt und hinsichtlich ihrer Ursachen zu erklären versucht. Wer das Inhaltsverzeichnis durchliest und einzelne Kapitel nachschlägt, erhält rasch Zugang zum jeweiligen Teilthema. Die Gliederung mit bis zu 6-facher (!) Hierarchie könnte man sich jedoch komplizierter kaum vorstellen. Das Buch ungeachtet solcher Hemmschwellen einfach von vorne nach hinten zu lesen und einem roten Faden folgend Kenntnisse aufzubauen, dürfte dem Leser kaum gelingen. Zu oft schweift der Autor ganz ohne Not weit vom eigentlichen Thema ab, etwa von der Huronischen Vereisung im Präkambrium unmittelbar zur Entstehung des Universums und der Sonne. Die genaue systematische Zuordnung eiszeitlicher Säugetiere (einschließlich der Hominiden) ist in diesem Zusammenhang ebenso überflüssig wie die allgemeine Einführung in Grundprinzipien der Stratigrafie. Die aktuelle, international abgesegnete Neu-Definition des Quartärs wird leider nicht behandelt. Zahlreiche Abbildungen werden häufig unverändert aus Fachliteratur übernommen, ohne zum Bespiel englischsprachige Beschriftungen zu übersetzen. Das Werk insgesamt ist aber recht gut recherchiert und eignet sich daher sicher als Nachschlagewerk für einen interessierten, aber noch wenig vorgebildeten Leserkreis. Intimere Kenner der Materie – der Rezensent zählt sich nicht hierzu – dürften die Ausführungen wohl teilweise als zu oberflächlich empfinden.

Günter Schweigert, Stuttgart


Rönnfeld, W.: Foraminiferen – Ein Katalog typischer Formen
(3. u. neubearb. Aufl.), 146 S., Tübingen 2008, Preis: 15,- €
(Bezug: wilfried.roennfeld@uni-tuebingen.de)

Bereits in 3. Auflage liegt nun der 1987 erstmals erschienene Foraminiferen-Katalog von Wilfried Rönnfeld (geb. Kamleiter) vor. Was damals als eine "Kurzbeschreibung und Abbildung typischer Formen" auf gerade einmal 40 Seiten begann, hat sich in der vorliegenden Neubearbeitung zu einem reich illustrierten Werk von insgesamt 146 Seiten gemausert. Die Seitenzahlen reichen übrigens nur bis S. 100, was durch mehrere nur einfach gezählte Doppelseiten bedingt ist, auf denen die Taxa links aufgelistet und rechts abgebildet werden. Dadurch wird vermieden, dass die zu den Beschreibungen gehörigen Abbildungen erst mehr oder weniger mühsam gesucht werden müssen, wie man das aus den (freilich sehr viel umfangreicheren) Bestimmungswerken von Loeblich & Tappan kennt. Bezüglich der Auflistung der Taxa hält sich der Autor an die gängige Systematik von Loeblich & Tappan (1988). Darüber hinaus wird bei der Einteilung in größere Abschnitte praktischerweise so vorgegangen, wie es in mikropaläontologischen Kursen üblich ist: 1) Benthische Kleinforaminiferen, 2) Großforaminiferen, 3) Planktische Foraminiferen. Zu jeder der zahlreichen Gattungen, die in diesem Katalog aufgeführt sind, findet man Autor, Jahr, Typusart, Kurzbeschreibung der wichtigsten taxonomischen Merkmale, zeitliches Auftreten und wenigstens eine, in den allermeisten Fällen jedoch mehrere Abbildungen. In vielen Fällen gibt es auch die schon aus den früheren Auflagen bekannten Schemazeichnungen der Kammeranordnung, die eine Spezialität und besondere Stärke dieses Foraminiferenkatalogs sind. Bei den Abbildungen hat sich der Autor soweit als möglich auf instruktive Zeichnungen gestützt und Halbtonabbildungen weitgehend vermieden. Insgesamt konnte die ohnehin schon gute Qualität der Abbildungen der 2. Auflage (1999) noch einmal merklich gesteigert werden. So ist in diesem Zusammenhang auch besonders positiv hervorzuheben, dass trotz der erhöhten Seitenanzahl nicht etwa die Zahl der Taxa merklich vergrößert wurde, was der Übersichtlichkeit und der Zielrichtung dieses Katalogs Abbruch getan hätte, sondern vielmehr die Zahl der Abbildungen, gerade auch in den Einführungen zu den jeweiligen Gruppen. Auch das für das Verständnis der Foraminiferen und der Bestimmungsliteratur essentielle Sachregister mit dem speziellen taxonomischen Begriffsinventar wurde noch einmal ausgebaut und mit sehr vielen instruktiven Abbildungen versehen. Alles in allem kann man sich kaum eine bessere Einführung in das Studium der Foraminiferen wünschen als diesen "Katalog", der über einen bloßen Katalog weit hinausgeht. So finden sich am Ende des Werkes noch ein längerer Abschnitt zur Geschichte der Foraminiferenforschung, ein Verzeichnis sämtlicher Abbildungsquellen, ein Inhaltsverzeichnis aller Gattungen und Familien und auf der hinteren Umschlagseite sogar noch eine kurze Einführung in das wichtigste Werkzeug, welches man für das Studium der Foraminiferen benötigt. Die neubearbeitete Auflage wurde von Dr. Petra Heinz und Prof. Michal Kucera (Mikropaläontologie am Institut für Geowissenschaften der Universität Tübingen) einer kritischen Durchsicht unterzogen, was zusätzlich für die hohe inhaltliche Qualität bürgt. Der Verkaufspreis von 15,00 € (im Inland incl. Porto) ist angesichts der Fülle von Informationen und der hervorragenden Aufarbeitung geradezu sagenhaft günstig und macht den vorliegenden Katalog zu einem Pflichtkauf für jeden Wissenschaftler und Studenten, der sich für Foraminiferen interessiert.

Dieter Schmid, München


Jean-Baptiste de Panafieu & Patrick Gries: Evolution

Erschienen 2007 bei Frederking & Thaler
288 Seiten
ISBN-13 978-3894056940
58,00 Euro

Nur wenige Bücher haben es bisher vermocht, die Ästhetik von organismischen Hartteilen bildlich gelungen darzustellen. Neben den Zeichnungen von Haeckel sind hier die Bücher von McNeill Alexander hervorzuhebende Ausnahmen. In einer ähnlichen Qualität präsentiert nun der Photograph Patrick Gries zahlreiche großformatige Schwarzweiß-Photographien, überwiegend von Wirbeltierskeletten. Die Aufnahmen sind durchgehend brillant und kontrastreich; nur in einigen Fällen gehen dunklere Skelettpartien in den stets schwarzen Hintergrund etwas unter. Dieses bewirkt jedoch gleichfalls eine starke Plastizität und dokumentiert damit die deutlich zu spürende künstlerische Ausrichtung des Photographen. Die Skelette selber sind überwiegend in Lebensstellung montiert, zum Teil auch in einer bisher nur von den Körperwelten-Ausstellungen gewohnten Dynamik. So sitzt ein jockeyartig montiertes menschliches Skelett auf dem eines galoppierenden Pferdes und ein Leopard ist auf dem Sprung, eine Antilope zu erlegen. Diese Bilder erlauben sicherlich für viele einen sehr ungewohnten aber zugleich auch faszinierenden Blick, dem aber nichts von einem von Hagen'schen Gruselfaktor anhaftet. Gelungenerweise sind die Skelette zumeist als Ganzes auf einer Seite abgebildet und erstrecken sich nur in wenigen Fällen über eine Doppelseite, was ja oftmals ein Ärgernis in Bildbänden ist.

Fast vergisst man ob der gelungenen Photographien, dass es sich bei dem Buch ja um ein Werk handelt, dass sich eigentlich um Evolution dreht. Hier wiederum kommen die Texte von Jean-Baptiste de Panafieu ins Spiel, eines promovierten Ozeanologens, der bereits einige populärwissenschaftliche Bücher verfasst hat sowie Regisseur und Drehbuchautor von Dokumentarfilmen ist. In sechs Kapiteln werden zumeist exemplarisch die Historie und Grundprinzipien der Evolution und der Evolutionstheorie dargestellt ohne dass das Buch hier einen Lehrbuchanspruch erheben würde. Erst im Kontext zu den stringent aufgebauten Texten erkennt der Leser dann auch den Sinn der Anordnung der Photographien. Beim Durchlesen des Textes, der im ersten Eindruck zunächst zwangsläufig gegenüber den Photographien verblassen muss, lässt sich eine Vielzahl von behandelten Details entdecken. Diese verleihen dem Buch eine große fachliche Tiefe und Aktualität. Gleichzeitig bleibt der Text auf einem hohen, aber jedoch allgemein verständlichen sprachlichen Niveau. Erwähnenswert sind auch kleine, aber wichtige Details wie die Tatsache, dass bereits im Inhaltsverzeichnis erklärt wird, wie die Körpermaße der abgebildeten Skelette definiert sind oder eine Verzeichnis der abgebildeten Skelette mit den jeweiligen Institutionen aus denen diese stammen Ein kurzes Anhangskapitel erläutert den Werdegang der Systematik und stellt als eine von zwei Grafiken in dem gesamten Buch eine aktuelle Phylogenetische Systematik vor, jedoch auch hier mit deutlichem Schwerpunkt auf den Wirbeltieren. Ein knappes Glossar und eine Bibliografie ergänzen dies. Besonders letztere ist sicherlich diskutierenswert, finden sich hier doch gerade einmal 21 Verweise auf z.T. auch eher populärwissenschaftliche Werke. Allerdings stellt sich auch die Frage ob eine wirklich umfassendere, fachspezifischere Liste in diesem Buch Sinn machen würde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch eine äußerst gelungene Mischung aus Text und Photographien ist, obwohl es zunächst im ersten Moment nur als ein "Bilderbuch" erscheint. Dabei liegt der Schwerpunkt jedoch eindeutig auf den Wirbeltieren. Layout und Gestaltung sind äußerst ansprechend gelungen (wenngleich dem bibliophilen Leser der Gebrauch von Stoffhandschuhen empfohlen ist, um unschöne Fettfingerabdrücke auf den Bildern zu vermeiden). Das Buch wird in seinem künstlerischen Zugang zu diesem komplexen Thema, verbunden mit dem hohen Niveau des Textes sicherlich gleichermaßen Fachleute und interessierte Laien faszinieren.

Michael Fastnacht, Frankfurt


Paläontologie der Wirbeltiere

Benton, Michael J.: Paläontologie der Wirbeltiere. - Verlag Dr. Friedrich Pfeil (München), 472 S., 312 Abb. (Übersetzung: Hans-Ulrich Pfretzschner), 2007; ISBN 978-3-89937-072-0; Preis: 48,00 Euro

Erneut geht ein Verlag das Wagnis ein, ein englischsprachiges Lehrbuch aus dem Bereich der Geowissenschaften für den deutschen Markt zu übersetzen. Die Idee stammt vom Übersetzer Hans-Ulrich Pfretzschner, der Professor für Wirbeltierpaläontologie an der Universität Tübingen ist. Er konnte den Verlag Dr. Friedrich Pfeil dafür gewinnen, das renommierte Lehrbuch "Vertebrate Palaeontology" von Michael Benton, das mittlerweile in der englischen Version in der dritten Auflage erschienen ist, in Deutsch zu verlegen. Dieses war auch die Grundlage für die deutsche Übersetzung, bei welcher der Text bis auf wenige Ergänzungen (so z.B. die Erwähnung des zehnten Archaeopteryx-Exemplares) und Korrekturen von Fehlern in der Originalausgabe (z.B. falsche Namen von Taxa, vertauschte Zweige in den Kladogrammen) inhaltlich unverändert blieb. Dankenswerte Änderungen betreffen aber zum einen die Aktualisierung der zahlreich aufgeführten Internet-Links sowie die wesentlich bessere Qualität der Fotos, die an Kontrast und Brillanz der Original-Ausgabe weit überlegen sind. Auch wurden einige Grafiken sinnvoll vergrößert, resp. in einigen wenigen Fällen verkleinert und Tabellen grafisch vereinfacht. Insgesamt wirkt das Layout dadurch wesentlich aufgeräumter und lesbarer als im Original.
Der Inhalt des Buches besteht aus einer mittlerweile bewährten Zusammenfassung des Wissenstandes der Wirbeltierpaläontologie, der sich im Aufbau zeitlich orientiert. Natürlich kann in einer derart gerafften Darstellung nicht jede Tiergruppe eine ausführliche Darstellung erfahren, wie dies z.B. in dem mittlerweile vergriffenen "Paläontologie und Evolution der Wirbeltiere" von Robert Carroll der Fall war. Jedoch ist der Text wesentlich fokussierter, was aktuelle Forschung und Fragestellungen der Wirbeltierpaläontologie anbelangt. Immer wieder wird er ergänzt durch "Kästen", in denen hierzu ausführlicher nachgegangen wird, wie z.B. den Kladogrammen der einzelnen Gruppen, Darstellung einzelner Fundstätten, der Rolle von HOX-Genen in der Evolution oder der Paläobiologie ausgestorbener Wirbeltiere. Hier zeigt sich die hervorragende Eignung dieses Werkes als Lehrbuch für Studenten und sogar Schüler, das bereits selbst im englisch sprachigen Raum seinesgleichen sucht (vom deutschen Markt ganz zu schweigen). Kleine Ungereimtheiten fallen da nur bei genauem Hinschauen auf. So betont der Text auch in seiner Übersetzung dankenswerterweise die oft gemachte Verwechslung von Kladogrammen und Stammbäumen. Jedoch wird im Inhaltsverzeichnis die Darstellung der phylogenetischen Systematik in Form von Kladogrammen dann mit "Diskussion von Stammbäumen" angegeben, eine Ungereimtheit, die sich aber schon im englischen Original auffindet.
Wesentlich unübersichtlicher als im Original ist allerdings die Darstellung der Klassifikation der Wirbeltiere im Anhang. Während in der englischen Ausgabe einer konservativen Darstellung mit einer klassischen, linnéschen Einteilung Vorzug gegeben wurde, wählten Übersetzer und Verlag eine Kladogramm-Variante, die jedoch in ihrer grafischen Umsetzung und notgedrungen erforderlichen Zerstückelung nur schwer verständlich ist, geschweige denn, dass Studenten ohne große Vorbildung sich hier zurecht finden könnten. Etwas unverständlich bleibt hier ebenfalls, wie die gleichen Quellen einmal für eine klassische (im Original) als auch kladistische (in der Übersetzung) Einteilung herangezogen werden können.
Interessanterweise befinden sich wohl in der dritten englischen Auflage als auch in der deutschen Übersetzung Fossilien aus Deutschland auf der Titelseite. Während Benton für sein Buch das "Tambacher Liebespaar" mit zwei Seymouria-Exemplare wählte, entschied sich der Pfeil-Verlag für Juravenator aus Schamhaupten. Dieser als auch das Objekt auf der Rückseite (Details aus der Schwanzwirbelsäule von Pleurosaurus) werden durch die ausführlichste Darstellung im Innenteil erklärt, die der Rezensent je bei einer Umschlagseite vorgefunden hat.
In seinem z.T. sehr persönlichen Vorwort beschreibt Hans-Ulrich Pfretzschner die Hoffnung mit diesem Buch zur Wirbeltierpaläontologie im deutschsprachigen Raum neue Impulse zu verleihen. Zwar wird dies sicherlich nicht unmittelbar die Forschung an sich betreffen, jedoch füllt dieses Buch eine schmerzliche Lücke geeigneter deutschsprachiger Lehrbücher im Bereich Wirbeltierpaläontologie aus. Nicht nur für Universitäten sondern auch für den Einsatz in Schulen, in denen die Evolution der Wirbeltiere behandelt wird, ist dieses Buch dringend zu empfehlen. Der Preis von 48,00 Euro ist für die Hardcover-Bindung, den hochwertigen Druck und das aufgeräumte Layout als äußerst günstig für ein Buch einer derartigen Qualität zu bezeichnen und liegt dankenswerterweise durchaus im erschwinglichen Rahmen für Studenten der Geo- und Biowissenschaften. Diesem Buch ist deshalb ein großer Erfolg auf dem deutschsprachigen Markt zu wünschen.


Die Urpferde der Morgenröte

Franzen, J. L.: Die Urpferde der Morgenröte. Ursprung und Evolution der Pferde. - 221 S., 172 Abb. (116 in Farbe), Elsevier, Spektrum - Akademischer Verlag, 1. Auflage; 2006, Preis: 42 Euro.

Die Fossilgeschichte der Pferde ist in Deutschland eng verbunden mit dem Namen Jens Lorenz Franzen. Wer sonst könnte also ein derartiges deutschsprachiges Buch schreiben wie der ehemalige Leiter der Abteilung Paläoanthropologie und Quartärpaläontologie des Forschungsinstituts Senckenberg? Das dies gleichzeitig auch für Wissenschaftler und interessierten Laien derart spannend und informativ gelingt wie in dem vorliegenden Buch, ist sicherlich eine Seltenheit in der Wissenschaftsliteratur.
Beim Aufschlagen fällt das Layout mit seinem ansprechenden Satzspiegel und reicher Bebilderung auf. Bereits die ersten Seiten überraschen den Leser, den eines der beiden Vorworte stammt von dem bekannten Sportjournalisten und Pferdekenner Arnim Basche - ein Hinweis darauf, dass dieses Buch sicherlich auch eine interessante Lektüre für alle rezent hippologisch interessierten Leser und natürlich Leserinnen ist. Dass dieses Buch auch ein sehr persönliches Werk ist, zeigt der Prolog des Autors, der seine ganz persönliche ontogenetische Evolution hin zum Pferd erläutert und dem Buch so eine ganz eigene autobiografische Note gibt.
Dass Mensch und Pferd eine uralte Beziehung haben, zeigt das einleitende Kapitel, das nicht nur die Geschichte sondern auch die heute und mögliche zukünftige Bedeutung der Pferde aufzeigt. Eine weitere Überraschung des Buches ist die Tatsache, dass der Autor auf die zu erwartenden standardmäßigen Kapitel à la "Was ist ein Fossil?", "Was ist Evolution" etc. verzichtet hat - Kapitel die den interessierten Lesern eh meist schon vertraut sind und die oftmals eigentlich nur Füllmaterial darstellen. Doch halt - diese Kapitel gibt es ja doch! Aber sie sind verteilt in dem Buch und haben jeweils einen engen Bezug zum Thema - nämlich der Entwicklung der Pferde. Und so erzählt Franzen quasi ganz nebenbei und doch verständlich die Prinzipien der Stratigraphie, Hebelgesetze, Methoden der Klimarekonstruktion und die Grundprinzipien der Evolution. An eine derartige Darstellung können sich andere Autoren sicherlich ein Beispiel nehmen.
Natürlich stellen ein Schwerpunkt des Buches die Urpferde des Eozäns der Fundstellen in Deutschland dar. Diese sind eingebettet in eine Rekonstruktion der Umwelt zu dieser Zeit, basierend auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Methoden. Die Biologie der Pferde wird dargestellt in dem Kapitel "Konstruktion und Umwelt", im dem der Autor die Funktionsmorphologie und Ökologie der Pferde beleuchtet und dabei auch seine senckenberger Wurzeln deutlich anmerken lässt. Erst hierauf folgt das Kapitel über die Geschichte der Erforschung der Pferde und die Ausbreitung und Entwicklung der Pferde in der Erdgeschichte. Auch die Pferdeverwandten und Pseudopferde mit ihrer überraschenden Parallelevolution in Südamerika werden eingehend beleuchtet. Schließlich geht ein eigenes Kapitel auf das Eiszeitalter und die Wurzeln der heutigen Pferde ein, gefolgt von einem Resumée über Erfolge und Probleme der Erforschung der Evolution der Pferde. Im Anhang finden sich sowohl eine ausführliche Liste weiterführender Literatur als auch eine vorbildliche Darstellung der Ausstellungen zur Evolution der Pferde in deutschen Museen.
Insgesamt lässt sich sagen, dass dieses Buch im deutschsprachigen Raum Maßstäbe setzt, die man sonst oft nur von englischsprachiger Literatur kannte. Es handelt sich um ein rundum gelungenes Buch, dem man die sorgfältige Herstellung anmerkt - beispielsweise wenn sich immer wieder in den einzelnen Kapiteln deutlich gemachte Querverweise zu anderen Kapitel finden. Einzig kleines Manko ist die fehlende Größenangabe bei vielen der abgebildeten Stücke. Mit Sicherheit ist dieses Buch aber eines der Highlights der letzten Jahre im Übergangsbereich zwischen populärwissenschaftlichem Werk und Fachbuch.

Michael Fastnacht, Mainz


Knochen! Was uns aufrecht hält

McNeill Alexander, R.: Knochen! Was uns aufrecht hält - das Buch zum menschlichen Skelett. - 208 S., 145 farb. Abb., Fotos von Aaron Diskin, Spektrum Akademischer Verlag, Elsevier Gmbh (München), 2006, ISBN: 3-8274-1727-9; Preis: 48,00 Euro

Das menschliche Skelett ist die am intensivsten untersuchte und deshalb bekannteste Hartteilkomponente aller Wirbeltiere. Aus diesem Grund ist auch für Wirbeltierpaläontologen die Kenntnis hiervon unerlässlich und natürlich insbesondere in der Hominidenforschung eine wichtige Grundlage. Deshalb ist ein neues Buch über menschliche Knochen immer einen Griff in das Regal wert, zumal wenn es von McNeill Alexander stammt, einem "Urgestein" der Erforschung der Biomechanik von fossilen und rezenten Wirbeltieren und eben auch des Menschen. In seinem neuen Werk, das nun in der deutschen Übersetzung vorliegt, setzt er das Erfolgsprinzip seines Buches "Bones: The Unity of Form and Function" fort, aber konzentriert sich dabei im Wesentlichen auf menschliche Knochen. Wie schon im vorherigen Band wird der Text begleitet von Fotografien, die nicht nur illustrieren, sondern Knochen fast schon als Kunstwerke portraitieren - eine Ästhetik, die sicherlich nicht jedermanns Sache ist, die aber besonders Wirbeltierpaläontologen faszinieren wird.
Der Text umfasst nicht nur die Darstellung der verschiedenen Knochen und Knochenpartien des menschlichen Körpers, sondern auch biomechanische, ontogenetische und evolutive Aspekte sowie die innerartliche Variabilität - ein Aspekt der sicherlich manchen Wirbeltierpaläontologen am rein morphologischen Artkonzept zu Recht zweifeln lässt. Dabei merkt man dem Autor die mittlerweile jahrzehntelange Routine an, mit der er auch kompliziertere morphologische und biomechanische Zusammenhänge auf verständliche Weise erklären kann. Dabei verzichtet Alexander weitestgehend auf Fachtermini, die sicherlich für Laien das Lesen des Buches unnötig verkomplizieren würden. Und richtig spannend wird es sogar, wenn es darum geht, an Verletzungen von Knochen etwa bei archäologischen Funden die Todesursache heraus zu finden.
Ein eigenes Kapitel ist dem Unterschied zwischen unserem Skelett und dem Skelett anderer Säugetiere gewidmet. Dabei werden die wichtigsten Spezialisierungen dargestellt, die der Mensch im Verlauf der Evolution erworben hat. Konsequenterweise folgt hierauf eine Abhandlung ausgewählter Vertreter des menschlichen Stammbaums. Abschließend findet sich eine Liste der 213 verschiedenen Knochen des menschlichen Skeletts - auch eine interessante Übung, ob der Leser selber alle Knochen aufzählen könnte.
Sicherlich ist das neue Buch von R. McNeill Alexander im strengen Sinne kein Fachbuch, aber ein gelungenes Beispiel für die sprachliche Übermittlung zwischen Wissenschaftler und interessierten Laien. Und zugleich vermitteln die Fotografien dass spröde Knochen eine hohe Ästhetik besitzen, die den Wirbeltierpaläontologen natürlich schon immer fasziniert aber auch jeden anderen Leser dieses Buches in den Bann ziehen werden. Und nicht zuletzt spricht das Portraits des Autors in der hinteren Umschlagklappe dafür, dass dieses Thema alles andere als knochentrocken ist.

Michael Fastnacht, Mainz


Saurier aus den Keupersümpfen

Schoch, Rainer: Kupferzell: Saurier aus den Keupersümpfen. - Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde, Serie C - Wissen für alle, Heft 61, 80 Seiten, 81 farb. Abb.; 2006, ISSN: 0341-0161, Preis: 7,00 Euro

Die Serie C der Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde haben sich der populärwissenschaftlichen Vermittlung naturkundlicher Erkenntnisse verschrieben. Dabei hat seit einiger Zeit der Wechsel hin zu einem modernen, ansprechenderen Layout zu einer deutlichen Qualitätssteigerung geführt. Das neueste Heft stammt aus der Feder von Rainer Schoch, Kustos für mesozoische Amphibien und Reptilien am Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart. Der Titel lautet Kupferzell. Dies überrascht scheinbar, denn Baden-Württemberg - das ist doch Holzmaden, der Weiße Jura der Schwäbischen Alb, und dann vielleicht noch Nusplingen und der Muschelkalk von Hohenlohe, dank der umtriebigen Aktivitäten von Günter Schweigert und Gerd Dietl, respektive Hans Hagdorn. Doch Kupferzell - das lässt außerhalb von Baden-Württemberg nur Experten aufhorchen (diese dafür umso mehr). Dieses große Manko zu beseitigen gelingt dem neuesten Heft aus Stuttgart auf vortreffliche Weise. Denn Kupferzell steht stellvertretend für den Lettenkeuper oder - um der stratigraphischen political correctness Genüge zu tun - der Erfurt-Formation. Und der Lettenkeuper ist ob seines Faziesreichtums eine der faszinierendsten Gesteinsformationen Süddeutschlands.
Zwar sind Fossilfunde aus dem Lettenkeuper schon lange bekannt, doch als "Push-Up" muss der Bau der A6 im Jahre 1977 gelten, bei dem vom Stuttgarter Museum über 30.000 Wirbeltierknochen geborgen wurden. Und seitdem haben weitere Grabungen die Schränke der Museen und Privatsammler mit zahlreichen faszinierenden Funden von ungewöhnlichen Amphibien und Reptilien aus dem Zeitalter vor den Dinosauriern gefüllt. Auf der Darstellung dieser Funde liegt auch der Schwerpunkt des Heftes. Dem Autor gelingt dabei eine ansprechende Mixtur aus Fossilfunden, Skelett- und Lebendrekonstrukionen. Dabei tragen die Abbildungen die persönliche Schoch'sche Handschrift, die bereits in dem Buch "Trias - eine ganz andere Welt" zu erkennen war (Randbemerkung am Rande: letztere ist übrigens als CD-Version bei Verlag Dr. Friedrich Pfeil wieder erhältlich). Leider fehlt bei einigen Abbildungen die Größenangabe, resp. Maßstab.
Der Text ist allgemeinverständlich geschrieben, wie es für die Serie C der Stuttgarter Beiträge üblich ist. Dies erklärt auch die zuweilen etwas erzählerisch wirkende Syntax, die aber als Reminiszenz an die Leserschaft gesehen werden muss.
Das abschließende Kapitel stellt die Funde des süddeutschen Lettenkeupers in einen überregionalen historischen Kontext und stellt den Ablagerungsraum "Keuperglades" faziell, klimatisch und paläographisch dar. Dieses Kapitel mit seinen Abbildungen eignet sich sicherlich auch hervorragend für eine Aufbereitung für Exkursionsskripte.
Das vorliegende Heft setzt somit die hohe Qualität der letzten Hefte der Serie C fort. Es ist deshalb zu hoffen, dass in Zukunft der Name Kupferzell nicht nur als Autobahnausfahrt sondern auch mit einer der bedeutendsten Fossilfundstellen Baden-Württembergs assoziiert wird. Und wer einige der abgebildeten Fossilien, Skelett- und Lebendrekonstruktionen Auge in Auge begegnen möchte, der kann dies in der Landesausstellung im Jahre 2007 im Stuttgarter Museum am Löwentor tun.

Michael Fastnacht, Mainz


Mittelmiozäne Ostracoden aus dem Wiener Becken

Gross, Martin & Piller, Werner (Hrsg.): Mittelmiozäne Ostracoden aus dem Wiener Becken (Badenium/Sarmatium, Österreich). - Schriftenreihe der Erdwissenschaftlichen Kommission, Sonderband 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien. 109 Seiten und 55 Tafeln. ISBN 3-7001-3650-1, Preis: 79 Euro.

Mit der Untersuchung zu mittelmiozänen Ostracoden aus dem Wiener Becken legt die Österreichische Akademie der Wissenschaften den ersten Sonderband der Schriftenreihe der Erdwissenschaftlichen Kommissionen vor. Laut Einleitung stellt diese taxonomische Monographie nur einen Teil der 2002 vom Autor Martin Groß verfaßten Dissertation dar, repräsentiert also 'nur' den taxonomischen Teil einer umfassenden, auch paläoökologischen und biostratigraphischen Untersuchung von Ostracodenmaterial aus 44 Bohrkernen, die zwischen 1981 und 1984 im Bereich Bad Deutsch Altenburg-Hainburg/Donau abgeteuft wurden. Sollte dieser Sonderband dann hier überhaupt alleine betrachtet und besprochen werden ?
Schauen wir zunächst noch mal in die Einleitung: hier erhalten wir Informationen über die regionalpolitischen Hintergründe der großangelegten Bohrkampagne im Raum Bad Deutsch Altenburg sowie über die bisher an den Bohrkernen durchgeführten paläontologischen Untersuchungen. Im ersten Kapitel, das der regionalen Geologie gewidmet ist, werden wir in das Thema 'Wiener Becken als Teil des Pannonischen Beckensystems' eingeführt, wobei der Autor Daten aus zahlreichen Publikationen (die älteste von 1990) in einen außergewöhnlich lesbaren (!) chronologischen, paläogeographischen und biostratigraphischen Überblick über die Entwicklung dieser Region verwandelt. Hilfreich sind hier natürlich auch die Abbildungen, insbesondere die sehr gelungene graphische Darstellung des Untergrunds im Bohrfeld.
Dem Hauptteil des Werkes, dem systematischen Teil, ist eine graphische Einführung in die Terminologie der wichtigsten schalenmorphologischen Merkmale vorangestellt. Selbst geübte Ostracodologen werden dies erleichtert bemerken, da in der Literatur nach wie vor beschreibende Termini unterschiedlich eingesetzt werden, häufig bedingt durch variierende Übersetzungen aus der englischen Literatur.
Mit diesem Rüstzeug wird der Leser nun in das Kapitel Systematik entlassen, und dieses überzeugt schon allein durch seine heutzutage leider selten gewordene Präzision und Ausführlichkeit. Jede der 64 behandelten Arten erhält eine lange Synonymieliste, eine detailgenaue morphologische Beschreibung, einen ausgiebigen Vergleich mit morphologisch ähnlichen Arten (der auf lange Mikroskopiernächte des Autors schließen läßt), eine genaue Auflistung weiterer Vorkommen und schließlich eine fundierte ökologische Einstufung. Das absolute 'Highlight' des systematischen Teil sind jedoch die Photographien: 55 (!) Din A4-Tafeln mit rasterelektronenmikroskopischen Abbildungen der besprochenen Arten in bester Aufnahme- und Druckqualität sind nicht nur wissenschaftlich höchst wertvoll sondern auch hochästhetisch. Die ungewohnt große Anzahl von Tafeln erlaubt dem Autor sogar die Abbildung von (geschlechts-)spezifischen Variationsbreiten sowie von verschieden alten Juvenilstadien zahlreicher Arten - ein wichtiger taxonomischer Aspekt, der bei den meisten paläontologischen Ostracodenstudien völlig vernachlässigt wird. Hervorragend gute Detailaufnahmen von morphologischen Besonderheiten wie Muskelabdrücken, Siebporen oder Schloßstrukturen runden den positiven Eindruck ab.
Zurück zur Frage, ob man diesen taxonomischen Sonderband hier nun alleine betrachten und besprechen sollte - meine Antwort ist ein klares 'Ja', einfach weil er einen so ungemein positiven Eindruck hinterläßt. Betrachtet man ihn dann schließlich zusammen mit den leider bislang nur in der Dissertation des Autors nachzulesenden biostratigraphischen und paläoökologischen Bewertungen der Ostracodentaxa, fachgerecht eingebettet in die Ergebnisse früherer Arbeiten über Foraminiferen, so ergibt sich das Bild einer sehr ausgereiften, wissenschaftlich hochqualitativen Untersuchung.
Fazit: in dem ersten Sonderband der Schriftenreihe der Erdwissenschaftlichen Kommission hat eine außergewöhnlich professionelle taxonomische Analyse ihre optimale drucktechnische Plazierung gefunden. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: viele nicht-deutschsprachige Kollegen werden den Text wohl übersetzen (lassen) müssen; die ausgezeichneten Abbildungen werden aber auch sie zu würdigen wissen! Es bleibt zu wünschen, daß diesem Sonderband weitere in gleicher Qualität folgen werden - gerne aus dem Bereich der Taxonomie und am liebsten natürlich über Ostracoden!

Renate Matzke-Karasz, München


Paläontologie und Umwelt

Müller-Merz, E., Berger, J.-P., Furrer, H., Meyer, Christian A. 2005. - Schweizerische Paläontologische Gesellschaft. Zürich, vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich. 92 S., 38 SW-Abb., 4 Taf. Preis: 23,80 Euro

Die mangelnde Verankerung der Bedeutung der Paläontologie im Bewusstsein der Bevölkerung ist kein deutsches Problem. So ist es logisch, wenn die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft diese Gesamtproblematik durch die Herausgabe des schmalen Bändchens "Paläontologie und Umwelt" aufgreift. Als moderne Wissenschaft liefert die Paläontologie einen ganz zentralen Baustein zur Erforschung der erdgeschichtlichen Vergangenheit, in der breiten Öffentlichkeit ist dieses jedoch auch in der Schweiz kaum bekannt. Paläontologen sollten in der Debatte über globale Umweltveränderungen, den Kreislauf der Biosphäre auf die globalen Stoffkreisläufe und Dynamik des Umweltsystems Flagge zeigen. Schliesslich dient ihre Wissenschaft dazu das System Erde besser zu verstehen. Der Band strebt danach diese Informationen für das breite Publikum umzusetzen und bildet dazu zunächst einmal eine allgemeinverständliche Grundlagen. Auf etwas mehr als 40 der insgesamt 92 Seiten werden Inhalte wie Diversität, verschiedene stratigraphische Konzepte, Evolution, Taxonomie, Fossilentstehung und Paläökologie (inklusive Spurenfossilien) ausgeführt. Die sprachliche Darstellung ist vorbildlich, dem Rezensenten kam ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry in den Sinn: "Ein Text ist nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen kann, sondern dann, wenn man nichts mehr weglassen kann."

Im zweiten Teil des Heftes werden dann anhand von Fallbeispielen einzelner schweizer Lokalitäten die allgemeineren Inhalte des ersten Teiles in einer stark selektiven Erdgeschichte der Schweiz vertieft. Dieser Abschnitt ist auch eine eindrucksvolle Darstellung der Forschung der letzten Jahre, ebenso wie der erste Teil des Bändchens glänzt auch diese Hälfte durch Beschränkung und reduzierte Darstellung. Es wird die Trias vom Monte San Giorgio, die jurassischen Schildkrötenkalke von Solothurn und die Kohlenmolasse von Rochette vorgestellt. Dabei gelingt auch die Darstellung des Monte San Giorgio, dem "Klassiker" unter den Fossillagerstätten der Schweiz, auch da interessante Vergleiche mit benachbarten zeitgleichen Ablagerungen angestellt werden. Hervorragend gefiel dem Rezensenten weiterhin die zeichnerische Darstellung Nahrungskette der Meride-Formation (Mitteltrias) sowie die schematische Entwicklung des Lebensraumes durch die Mitteltrias. Auch für die Abbildungen gilt das für den Text gesagte: in der Beschränkung liegt die Kunst.

Am Schluss des Werkes folgt ein straffes Literaturverzeichnis, eine gelungene Kurzdarstellung wichtiger Fossilgruppen in Listenform mit anschaulichen Strichzeichnungen und ein Glossar, dass wiederum durch knappe präzise Formulierungen besticht. Die Zeichnungen wurden allesamt extra für dieses Heft erstellt, bzw. umgezeichnet, d.h. sie sind optisch aus einem Guss und von sehr guter Qualität. Da kein Hochglanzpapier verwendet wurde sind die Fotos nicht brillant reproduziert. Insgesamt enthält das Heft aber nur etwa mehr als vier Seiten Fotos und die Vorlagen sind von sehr guter Qualität. Aus diesem Grund sind die Objekte gut zu erkennen und die geringerere Druckquaität stellt keinen Mangel dar. Das rundum gelungene Heft wurde auch in einer französischen Version auf den Markt gebracht.

Jens Lehmann, Bremen


Biosystematik

Lecointre, G. & Le Guyader H.: Biosystematik. - 696 S., Springer Verlag (Berlin) 2006 ISBN: 3540240373, Preis: 39,95 Euro

Wieder einmal gab die Buchmesse in Frankfurt Gelegenheit, ein neues Lehrbuch zu inspizieren, das nicht von deutschsprachigen Autoren stammt, sondern eine Übersetzung darstellt. Hier hat sich dankenswerter in den letzten Jahren besonders der Springer-Verlag ausgezeichnet, da es oft immer noch an Bereitschaft deutschsprachiger Autoren mangelt, adäquate Lehrbücher zu schreiben. Auf dem Buchcover fällt der provozierende Untertitel "Alle Organismen im Überblick" und "Die neue Ordnung im Leben" auf. So vorbereitet öffnet der Leser das Buch und widmet sich zunächst dem Vorwort in dem auch deutlich auf die Verwendung dieses Buches eingegangen wird, nämlich den Einsatz der phylogenetischen Systematik im Unterricht an der Schule und Hochschule. Die 39seitige Einleitung beschreibt knapp die Geschichte der Systematik und führt über zur Darstellung der heute gültigen. Diese reduziert sich bei Lecointre & Le Guyader recht schnell auf die phylogenetische Systematik, deren Methodik kurz, aber ausreichend erklärt wird. Unangenehm fällt der achtlose Umgang mit dem Wort "Stammbaum" auf, der in den meisten Fällen falsch benutzt wird. Hier wäre eine achtsamere, methodologisch-korrekte Wortwahl sehr anzuraten gewesen, zumal es sich ja um ein Lehrbuch handeln soll. Und ob die phylogenetische Systematik eine wahrlich neue Methode ist, lässt sich - 25 Jahre nach dem Hennig's Buch über die Phylogenetische Systematik erschienen ist - streiten. In den nachfolgenden Kapiteln erwarten den Leser also nun alle Organismen. Alle Organismen? Ja, zumindest was deren Großgruppeneinstufung anbelangt. Aus dem deutschsprachigen Raum ist mir kein Buch bekannt, das derart umfassend alle Organismengruppen darstellt. Dies geht natürlich zu Lasten der Darstellung einzelner Gruppen. So wird sicherlich ein Student, der sich über Brachiopoden bilden will, zu einer Zusatzlektüre greifen müssen. Unverständlich ist jedoch der Umfang der Abhandlung der Euarthropoden mit gerade einmal 29 Seiten. Auch die Vögel umfassen nur 3 Seiten, während die Mammalier auf 141 Seiten behandelt werden, davon die Primaten alleine mit 34 Seiten. Diese Ungleichbehandlung macht dieses Lehrbuch sicherlich hauptsächlich für Kurse über Säugetiere nutzbar, weniger allerdings für andere Gruppen.

In den einzelnen Kapiteln werden äußerst knapp die Stichpunkte Allgemeines, Ökologie, spezielle Merkmale, Beispiele, Artenzahl, ältestes bekanntes Fossil, heutiges Vorkommen abgehandelt. Hier ist insbesondere der Punkt Ökologie bei vielen Gruppen aufgrund der Kürze der Darstellung nur sehr oberflächlich behandelt. Als positiv ist die Erwähnung von Fossilien zu werten, allerdings werden z.B. Conodonten und Pterosaurier gar nicht oder nur sehr untergeordnet erwähnt. Auch die Hartteilmorphologie insbesondere der Invertebraten ist nur ungenügend berücksichtigt und dargestellt. Leider fehlen in den einzelnen Kapiteln Angaben, auf welche publizierten Analysen der Phylogenetischen Systematik sich die Autoren beziehen. Da sich gerade in diesem Bereich sehr viel verändert, wäre dies wünschenswert gewesen. So fehlt beispielsweise eine Berücksichtigung der so genannten "New Animal Phylogeny", der Großphylogenie der Metazoa ebenso wie die Diskussion um eine mögliche Stellung der Schildkröten innerhalb der Diapsida

Der Anhang wartet mit einigen Kladogrammen auf, die an dieser Stelle doch etwas unmotiviert erscheinen. So findet sich beispielsweise hier ein Kladogramm der Vögel, das im entsprechenden Kapitel fehlt. Und die Kladogramme unter "Wo stehen sie?" hätte sich der geneigte Lesen sicherlich am Anfang gewünscht.

An den Anhang schließt sich ein Allgemeines Literaturverzeichnis an, das glücklicherweise auch deutsche und aktuelle Lehrbücher umfasst. Im Text selber wurden keine Autoren zitiert, sodass die hier angegebenen Bücher der (notwendigen) weiteren Lektüre dienen. Allerdings fehlen Bücher wie Carroll: Vertebrate Paleontology and Evolution oder der Treatise.

Das nachfolgende Lexikon ist stark systematisch/kladistisch orientiert, erklärt aber die wichtigsten Begrifflichkeiten. Leider fehlt hier die Angabe, was die Autoren unter einem Stammbaum verstehen.
Die Grafiken sind fast durchweg einheitlich gestaltet, zuweilen etwas schlicht geraten aber oftmals mit ausreichendem Erklärinhalt. Bei einzelnen Grafiken wurde grüne Farbe zur Verdeutlichung eingesetzt, was das Anfertigen von SW-Kopien ohne Informationsverlust erlaubt.

Insgesamt ist das Buch von Lecointre und Le Guyader ein lobenswerter Ansatz, alle Organismen im Überblick darzustellen. Dass dieser Ansatz nur skizzenhaft sein kann, ist von vorne herein verständlich. So ist der Leser gezwungen, weitere Bücher wie etwa die beiden Bänder der "Speziellen Zoologie" von Westheide und Rieger zu bemühen um tiefer gehende Information zu erhalten. Unangenehm fallen allerdings die fehlende Quellenangabe für die Phylogenetische Systematik und der doch recht drastische unterschiedliche Proporz der Darstellung der einzelnen Gruppen auf. Deshalb sollte jeder Dozierende für sich selber entscheiden, ob dieses Lehrbuch für den entsprechenden Kurs Sinn macht.

Michael Fastnacht, Mainz


Fossilienlagerstätte Grube Messel

Vernissage: UNESCO-Welterbe Fossilienlagerstätte Grube Messel - Momentaufnahmen aus dem Eozän. - Reihe UNESCO-Welterbe, Nr. 21/05, 13. Jhg., 66 S., 83 Abb.; Heidelberg (Vernissageverlag) 2005. ISSN 1434-5986 Preis: 6,00 Euro

Vor 10 Jahren, am 9.12.1995, wurde der Tagebau Grube Messel nach einer ereignisreichen Geschichte als "Messel Pit Fossil Site" in die "World Heritage List" der UNESCO aufgenommen. Anlässlich des Jubiläums haben Messel-Forscher in acht populärwissenschaftlichen Artikeln beeindruckende Momentaufnahmen aus dem unteren Mittel-Eozän von Messel beschrieben. Auf 65 bebilderten Seiten lassen sie den paratropischen Lebensraum einer europäischen Inselwelt vor 47 Mio. Jahren vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen. Themen sind die Geophysik und Geologie, das Alter der Messel-Formation, die Flora und das Klima, die Entomologie und natürlich auch die Vertebraten von Messel. Die einzigartige Erhaltung der Fossilien, allen voran die der Säugetiere, haben letzten Endes die Fundstätte weltberühmt gemacht. Eine kurze Chronik des Tagebaus und Hinweise auf drei hessische Museen, welche Messel-Fossilien umfänglich in ihrer Dauerausstellung zeigen, runden das Bild ab.
Das Vernissage-Heft ist ab sofort im Zeitschriftenhandel, im Naturmuseum Senckenberg, im Hessischen Landesmuseum Darmstadt und im Fossilien- und Heimatmuseum in Messel erhältlich. Mit Beginn der Führungen im Jahr 2006 wird es auch im provisorischen Besucherzentrum, eine kleine "Container-Burg" am Rand der Grube Messel, erhältlich sein.

Beteiligte Autoren: H. Buness, M. Felder, J.L. Franzen, G. Gabriel, G. Gruber, J. Habersetzer, F.-J. Harms, M. Höllwarth, T. Martin, G. Mayr, D.F. Mertz, N. Micklich, M. Morlo, S. Schaal, F.F. Steininger, G. Storch, S. Wedmann, V. Wilde; Redaktionelle Koordination: S. Schaal.

Stephan Schaal, Frankfurt a.M.


Saurier, Ammoniten, Riesenfarne - Deutschland in der Kreidezeit

Polenz H. & Spaeth C. (2004): Saurier, Ammoniten, Riesenfarne - Deutschland in der Kreidezeit. - 159 S., 120 Abb.; Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), ISBN 3-8062-1887-0. Preis: 36.- Euro

Schon seit geraumer Zeit widmet sich der eigentlich auf Archäologie spezialisierte Konrad Theiss Verlag auch anderen Themen, darunter dankenswerterweise jüngst auch der Paläontologie. Dem erstklassigen Werk "Lebendige Eiszeit" von Wighart von Koenigswald ist nun ein weiteres Buch gefolgt, das sich der Kreidezeit in Deutschland widmet. Unter dem Titel "Saurier, Ammoniten, Riesenfarne - Deutschland in der Kreidezeit" hat sich das Autorenduo Harald Polenz und Christian Spaeth einem Zeitabschnitt gewidmet, der in Deutschland oftmals eher ein Schattendasein führt.

Beim ersten Durchblättern des Buches fallen die reiche Bilderausstattung und das moderne Layout auf, das den Text angenehm strukturiert und gut lesbar macht. Bei genauerem Betrachten lassen sich jedoch einige ärgerliche Ausrutscher ausmachen, insbesondere bezüglich der Abbildungen. Neben erstklassigen Bildern einzelner Fossilien, finden sich Aufnahmen wie beispielsweise die Abbildung des Ankylosauriers auf Seite 61 oder die des Flugsauriers auf S. 63, die eher Schnappschusscharakter haben. Diese wirken neben den restlichen professionellen Fotografien deplaziert. Bei der Beschriftung der einzelnen Fossilfotos hingegen wurde leider durchgehend versäumt, ein Maßstab anzugeben und auch die Fundorte bleiben in vielen Fällen unerwähnt. Auffällig ist auch, dass die meisten der abgebildeten Fossilien aus dem münsterländer/nordhrein-westfälischen Raum stammen.

Deutliche qualitative Unterschiede gibt es ebenfalls bei den Grafiken. Während die paläogeographischen Rekonstruktionen sehr gut gelungen sind (allerdings als Vorlagen für SW-Skripte nicht brauchbar sind), wirkt die Karte mit den Kreidevorkommen grob und unscharf. Auch die Abbildungen der Schreibkreide-Fossilien sind eher qualitativ mäßig. Als indiskutabel müssen allerdings die Lebensraumrekonstruktionen bezeichnet werden, deren Charakter eher Entwurfsskizzen gleicht.

Der Schwerpunkt des Buches auf das Münsterland/Nordrhein-Westfalen bestätigt sich beim Lesen des Textes. Die Vorkommen auf Rügen, der Sächsischen Schweiz, der Regensburger und alpinen Kreide sowie die Kreide von Niedersachsen werden daneben eher knapp behandelt. Dies ist umso mehr bedauernswert, da insbesondere die Wirbeltierfossilien aus dem Wealden von Niedersachsen (beispielsweise Langenberg bei Oker) in jüngster Zeit international weite Beachtung gefunden haben. Das Thema Dinosaurier hätte man hiermit sehr gut abdecken können und es hätten nicht Funde aus der Mongolei bemüht werden müssen. Letztere sind sicherlich in einem Buch über Deutschland in der Kreidezeit vernachlässigbar, auch wenn diese im Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt sind.

Der Text selber weist keine größeren Fehler auf und ist gut lesbar für ein Publikum, das bereits an Fossilien und der Thematik interessiert ist. Vorkommende Fachbegriffe werden in einem speziellen Glossar näher erläutert. Lobenswert ist die Darstellung der Pflanzenwelt in der Kreidezeit, ein Kapitel das sonst gerne in derartigen Büchern als vermeintlich unattraktiv untergeht. Wie sinnvoll ein eigenes Kapitel über den Untergang der Dinosaurier ist, mag dahin gestellt sein, zumal sich der Inhalt auch auf andere Organismen bezieht. Überschriften, wie "Bis zu 90 Prozent aller marinen Arten ausgelöscht", sind hier allerdings irreführend, da sie sich auf das Aussterben an der Perm/Trias-Grenze beziehen. Beachtenswert ist jedoch die Aktualität dieses Kapitels, das bereits die jüngste Diskussion über das Alter des Chicxulub-Kraters beinhaltet. Was allerdings die Abbildungen von den jurassischen Dinosauriern Allosaurus und Stegosaurus an dieser Stelle zu suchen haben, erschließt sich dem Rezensenten leider nicht.

Erfreulicherweise hat das Autorenduo dem Buch ein Kapitel über Museen, in denen Kreidefossilien zu sehen sind, beigefügt. Allerdings wäre die Nennung der Internetadresse der Museumshomepage wesentlich sinnvoller gewesen als die Angabe von Eintrittspreisen, die sicherlich in kürzester Zeit nicht mehr aktuell sind.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Buch "Saurier, Ammoniten, Riesenfarne - Deutschland in der Kreidezeit" ein guter Ansatz ist, interessierten Lesern diesen Abschnitt der Erdgeschichte näher zu bringen. Allerdings vermisst man die gestalterische Sorgfalt und Tiefe, welche die "Lebendige Eiszeit" auszeichnet. Hier ist es insbesondere der grafische Teil, der qualitativ leider recht inkonsistent ist. Auch die wesentliche Ausrichtung des Buches auf die Münsterländer Kreide ist zu bedauern, da das Buch den Anspruch erhebt, die gesamte Kreide von Deutschland darzustellen. Nichtsdestotrotz bietet es einen guten Einstieg in die Thematik in einer Art, wie es leider zu wenige Bücher in Deutschland gibt. Es ist zu hoffen, dass der Konrad Theiss-Verlag auch weiterhin der Paläontologie zugeneigt ist, hoffentlich dann auch wieder in der gewohnten Qualität.

Michael Fastnacht, Mainz


Abenteuer Evolution - Die Ursprünge des Lebens

Walter Kleesattel (2005): Abenteuer Evolution - Die Ursprünge des Lebens. - 144 S., 120 Abb.; Stuttgart (Konrad Theiss Verlag), ISBN 3-8062-1847-1. Preis: 36.- Euro

Seit ihrer Formulierung durch Charles Darwin Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Evolutionstheorie eines der spannendsten und facettenreichsten Kapitel der biologischen Naturwissenschaften. Von wissenschaftlicher Seite ständig mit neuen Fakten untermauert und ausgebaut, wird sie von Kreationisten heftig bekämpft, die theologische Glaubensaussagen, historisch-kritische Ergebnisse der Bibelforschung und wissenschaftliche Erkenntnisse miteinander vermengen und dabei gleichermaßen biologische wie paläontologische Tatsachen zu widerlegen suchen.

Die komplexe Thematik ausgewogen und verständlich zu gestalten, ist sicherlich nicht einfach. Dem Autor, bereits bekannt durch ein Buch über Lebende Fossilien und Mitarbeiter von Ernst Waldemar Bauer, dem Schöpfer der populärwissenschaftlichen Fernseh-Sendereihe "Wunder der Erde", kann man ohne weiteres bescheinigen, von der Thematik Evolution begeistert zu sein. Jedem seiner neun Kapitel stellt er nun ausgerechnet ein Bibel-Zitat provokant voran. Dies irritiert zunächst etwas und lässt wirres kreationistisches Gedankengut vermuten. Doch weit gefehlt. Auf den zweiten Blick entpuppt sich der Inhalt nämlich geradezu als ein Gegenstück hierzu, indem die Bibelstellen als die Antworten der Priester in Palästina zu biblischer Zeit auf die brennenden Seinsfragen der Menschheit dargestellt werden. Heute, im Gefolge interdisziplinären wissenschaftlichen Fortschritts auf vielen Gebieten der Naturwissenschaften, können wir viel präzisere und weiterreichende Antworten geben als die Menschen damals. Trotzdem weist der Autor zu Recht immer wieder darauf hin, dass noch manches einfach ungeklärt ist und noch erheblicher Forschungsbedarf besteht.

Ein buntes Mosaik an kleinen, meist sehr gut recherchierten und aktuellen Fallstudien erläutert die evolutionistischen Teilthemen. Diese sind, um nur eine Auswahl zu nennen: Arten-Diversität, Biogeographie, Besiedlung neu entstandener Lebensräume, historische Entwicklung des Evolutionsgedankens, Konvergenzen, phylogenetische Verwandtschaft, Fossilien als Zeugnisse der Evolution, Lebende Fossilien, die ältesten Lebensformen, Erdgeschichte, Einschnitte in die Evolution durch Katastrophen, Eroberung des Festlands und des Luftraums und schließlich die Suche nach den Wurzeln der Menschheitsgeschichte und der menschlichen Kultur.

Die Farbabbildungen sind größtenteils von sehr guter Qualität und stammen sämtlich aus dem Fundus des Autors selbst. Manche geplante Abbildung scheint bei der abschließenden Bildauswahl herausgefallen zu sein. Deshalb muss die spannende Geschichte vom jurazeitlichen Mesolimulus aus dem Solnhofener Plattenkalk am Ende seiner Todesspur ohne erläuternde Illustration dem Leser ziemlich abstrakt erscheinen. Leider finden sich unter den zahlreichen Abbildungen insgesamt überraschend wenige Fossilien, und diese sind teilweise eher etwas enttäuschend. Das eine oder andere Bild ist seltsamerweise unvollständig reproduziert, wie etwa dasjenige des Berliner Exemplars des Urvogels Archaeopteryx mit abgestutzten Flügeln, eine unsinnige grafische Marotte. Auch die Erdgeschichte wird nur äußerst knapp "Im Zeitraffer" abgehandelt. Für den berühmten kambrischen Burgess Shale mit seinen bizarren Lebewesen steht stellvertretend eine Lebendrekonstruktion des doch recht unspektakulären Arthropoden Marella. Die mit Worten trefflich beschriebene Szene einer Ichthyosaurier-Totgeburt im Posidonienschiefer von Holzmaden hätte sich mit Objekten aus dem Stuttgarter Naturkundemuseum bildlich wesentlich anschaulicher darstellen lassen. Einer der frühesten wissenschaftshistorischen Meilensteine in der Evolutionsforschung, die Entwicklung der Gyraulus-Schnecken im miozänen Steinheimer Becken bei Heidenheim, wird völlig unterschlagen, obwohl der Steinheimer Meteorkrater als Beispiel für kosmische Katastrophen genannt wird - für letztere bereits etwas hoch gegriffen (aber eben im Blickfeld eines deutschen Leserkreises), zumal die Abbildung nicht einmal den Krater selbst, sondern nur zerrüttetes Weißjuragestein am Kraterrand zeigt. Grafiken zur Veranschaulichung des Textes fehlen leider vollständig, wie der fast unverzichtbare Hominiden-Stammbaum. Solche finden sich allerdings in der empfohlenen weiterführenden Literaturauswahl am Schluss des Buchs. Einem naturkundlich interessierten Leserkreis, insbesondere Biologielehrern, ist dieses Buch trotz dieser kleinen Unzulänglichkeiten ohne Vorbehalt zu empfehlen. Manch ein Leser wird die ihm vertraute und doch so geheimnisvolle Natur mit anderen Augen ansehen und zu verstehen versuchen. Diese Sichtweise zwanglos zu vermitteln, dafür ist dem Autor ein großes Kompliment zu machen.

Günter Schweigert, Stuttgart


Steitpunkt Evolution. Darwinismus und Intelligentes Design

Kutschera, Ulrich (2004): Steitpunkt Evolution. Darwinismus und Intelligentes Design. - 312 S., 53 Abb.; Münster; ISBN 3-8258-7286-6 19.90 Euro

In den letzten Ausgaben von GmiT wurden Publikationen von Autoren rezensiert, die eher als Evolutionsgegner bekannt sind. Das hier vorgestellte Buch des Kasseler Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera stellt einen Kontrapunkt zu diesen Werken dar. Beginnend mit den Gründen, warum die Evolution eine Tatsache und die Evolutionsbiologie eine harte Naturwissenschaft ist, gibt der Autor einen historischen Überblick über die Entwicklung der Evolutionstheorie und dem Verhältnis der christlichen Kirchen dazu. Kutschera beschreibt auch, fast noch wichtiger, die theoretischen Grundlagen des christlich-religiösen Anti-Evolutionismus. Dabei schöpft der Autor aus seinem reichen persönlichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Kreationisten jeglicher Couleur. Das macht dieses Buch in weiten Strecken zu einer kurzweiligen Lektüre. Unter den anekdotenhaften Berichten über Diskussionen mit Kreationisten und ID-Anhängern stecken jedoch besorgniserregende Fakten. Nach einer 2002 durchgeführten Umfrage sollen ein Fünftel der Bevölkerung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz an eine Schöpfung des Universums, der Erde und des Lebens durch einen Gott innerhalb der vergangenen 10.000 Jahre glauben. Das Buch enthält kein Patentrezept für den Umgang mit diesem Phänomen, eine wichtige und kritische Ergänzung für den Bücherschrank ist es trotzdem.

Frank Scholz, Alfter


Fossilien sammeln im Salzburger Land

Moosleitner, G. (2004): Fossilien sammeln im Salzburger Land. - gebunden; 223 S., ca. 1200 Abb. in Farbe, 107 Farbtafeln, Format 16,5 x 24,5 cm; Edition Goldschneck im Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim; ISBN: 3-494-01374-8; 34,90 Euro

Von Südfrankreich nach Salzburg - aus dem Urlaub zurück nach Hause! So könnte man den bisherigen Weg von Gero Moosleitner als Buchautor überschreiben. Nach seinem Erstlingswerk "Fossilien sammeln in Südfrankreich" hat er sich mit seinem neuen Buch durchaus gesteigert. Moosleitners Zielgruppe sind die "Otto-Normal-Fossilsammler", die aus Freude und Begeisterung an der Natur Fossilien entdecken und sammeln wollen. Die beschriebenen Fundgebiete liegen nicht in Steinbrüchen und Straßenbaustellen, sondern entlang von Steilhängen, Wegrändern und Bachufern inmitten der Natur. Für die Bergung ist kleines Werkzeug ausreichend. Ziel ist nicht die museumsreife Großstufe, sondern Stücke, die bequem in Tasche und Rucksack Platz finden. Ohnehin sind besondere Funde im Bundesland Salzburg meldepflichtig. Die aktuelle Gesetzeslage wird im Buch dargelegt. Der Autor hat sich diesmal aber nicht damit begnügt, ausschließlich Sammeltipps zu geben. Neben einem geologischen Überblick über das Gebiet und einer kurzen Charakterisierung der fossilträchtigen Gesteinseinheiten stellt er regionale Museen und Naturlehrpfade vor, die Wissenswertes zum Thema beitragen. So lässt sich aus der Lektüre dieses Buches auch das komplette Rahmenprogramm für einen gelungenen Familienausflug zusammenstellen.

Neben der bewährten Kombination von detaillierten Fundortbeschreibungen und entsprechenden Lageskizzen, sowie ausführlichen Informationen zu Fundmöglichkeiten und Fossilpräparation finden sich in Moosleitners neuem Werk auch wieder zahlreiche Geländefotos. Diese veranschaulichen einerseits die Beschreibungen und gewähren andererseits einen Blick auf die Schönheit der alpinen Landschaft.

Rund die Hälfte des Buches machen allein schon die 107 Fossiltafeln aus. Neben den mit bloßem Auge bereits im Gelände zu erkennenden Stücken liegen dem Verfasser dabei auch Klein- und Mikrofossilien am Herzen. Ihre oft filigrane Schönheit wird dem Betrachter erst durch rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen offenbar. Eine weitere Leidenschaft des Autors sind polierte Anschliffe von Fossilien und Gesteinen, deren ästhetischer Reiz in zahlreichen Abbildungen Ausdruck findet.

Behandelt werden Fundstellen und Fossilien aus dem Paläogen des Helvetikums, sowie aus Trias, Jura, Kreide und Eozän der Nördlichen Kalkalpen. Mit allein 36 Tafeln stellt die Gosau dabei den umfangreichsten Komplex. Leider entsprechen die Gattungs- und Artnamen der dort vorgestellten Muscheln und Schnecken teilweise nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft (u.a. Taf. 92, Abb. 3-4: keine Barbatia, eher Anadara oder Cucculaea, ohne Schloss-Ansicht aber nicht bestimmbar; Taf. 96, Abb. 7: nicht Lithophaga sondern Gastrochaena). Abschließend wurde eine Auswahl weiterführender Literatur zur Geologie und Paläontologie des Salzburger Landes und der einzelnen Gesteinsformationen angefügt.

Alles in Allem wird das Buch dem Anspruch, Freude an der Natur und Lust auf das Sammeln von Fossilien zu wecken, ohne Zweifel gerecht. Auch für bereits versierte Sammler und Profis bietet es zahlreiche wertvolle Anregungen und wird somit nicht nur den im Grußwort verewigten Salzburger Landeshauptmann überzeugen!

Simon Schneider, München


Der Urvogel Archaeopteryx: Ein paläontologischer Krimi

Chambers, P. 2003: Die Archaeopteryx-Saga - Das Rätsel des Urvogels.
304 S., 40 Abb.
Robner und Bernhard bei Zweitausendeins
ISBN 3-8077-0139-7, Preis 19.90 Euro

Hier gibts die Buchbesprechung von Reinhold Leinfelder als PDF zum download
(abgedruckt in GMIT Nr.16 Juni 2004, S.104-105)


 © Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung 20.01.2010 durch August Ilg