Paläontologie aktuell 42
Mitteilungsblatt
der Paläontologischen Gesellschaft
Beigabe zur Paläontologischen Zeitschrift
Inhalt:
Mitteilungen der
Paläontologischen Gesellschaft 1
"Aus den
Universitäten hinaus in die Regionen" Die 70. Jahrestagung der
Paläontologischen Gesellschaft vom 24.-30.9.2000 in Coburg 1
Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung am 27.9.2000 in Coburg 3
Eröffnung der 70. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft 9
Gemeinsame Jahrestagung der Paläontologischen
Gesellschaft und der Gesellschaft für
Biologische Systematik 11
Wechsel in der Schriftleitung von Paläontologie
aktuell 13
Ehrungen 15
Ehrendoktorwürde
für Prof. Dr. K.-H. Heitfeld 15
Pressemitteilung durch den Stifter Hildegard und Karl-Heinrich
Heitfeld-Stiftung 16
Hildegard und Karl-Heinrich Heitfeld Stiftung für die Geologie und
Paläontologie in Münster 17
Friedrich von Alberti-Preis 2000 17
Aus den
Hochschulen und Instituten 18
Aus der Alfred-Wegener-Stiftung 20
Ausstellungen, Sammlungen und Museen 21
Im Reich der
Meerengel... 21
Sonderausstellung über Flugsaurier im Jura-Museum 22
Tagungen 23
5th
International Meeting of the Society of Avian Paleontology and Evolution (SAPE) 23
Treffen der deutschsprachigen Ostracodologen in Tübingen 24
Bericht über das erste internationale Treffen über Paläoarthropodologie 25
Vermischtes 27
Kaerlein-Bibliographie
der Geschiebekunde PC-Version 27
Buchbesprechungen 28
Tagungskalender 34
Impressum 35
Erscheinungsdatum der gedruckten Fassung: 1. November 2000
Mitteilungen der Paläontologischen Gesellschaft
Mit über 300 Teilnehmer/-innen verzeichnete die unter der
Schirmherrschaft des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft, Forschung
und Kunst Hans Zehetmair stehende 70. Jahrestagung der
Paläontologischen Gesellschaft vom 24.-30.9.2000 in Coburg den bislang besten
Zuspruch aller bisherigen Tagungen; gegenüber Zürich 1999 steigerte sich die
Teilnehmerzahl nochmals um knapp 30 Prozent! Dabei waren im Kongresshaus
Rosengarten und dem Naturkunde-Museum eine erfreulich große Zahl von
Nachwuchswissenschaftlern und Studierenden unter den Tagungsteilnehmer/-innen
vertreten.
Die sehr gelungene Organisation unter dem Motto "Aus den Universitäten
hinaus in die Regionen" in schöner, entspannten Atmosphäre und zudem sehr
gutem Wetter war Dr. Eckhard Mönnig zu verdanken. Gemeinsam mit
seinem Team vom Naturkunde-Museum Coburg und der Coburger Landesstiftung sorgte
er für einen einwandfreien Ablauf der Veranstaltungen - und betätigte sich
dabei auch selbst als Dia-Schieber! Und das, obwohl er neben den
wissenschaftlichen Sitzungen ein umfangreiches Programm organisiert hatte:
Insbesondere hatte er es mit organisatorischer Unterstützung von Andreas Clausing und Ralf Breyer ermöglicht, dass im
Naturkunde-Museum die Posterausstellung der Kommission für
Öffentlichkeitsarbeit erstmals als öffentliche Ausstellung mit dem Titel
"Paläontologie für alle Zeiten des Lebens" präsentiert werden
konnte. Die Ausstellungseröffnung hatte bereits im August stattgefunden; Prof. Jörg Schneider, Stellvertretender
Vorsitzender, hatte dabei die Einführung für die Gesellschaft übernommen.
Seither hatte die Ausstellung bei den Museumsbesuchern großen Anklang gefunden.
Anläßlich der Ausstellungseröffnung zweier neuen Teile der größtenteils von ihm
selbst gestalteten ständigen Ausstellung im Naturkunde-Museum Aufbau der
Erde und Sedimentgesteine und Zeit - konnten sich auch die fachkundigen
Kollegen von der gelungenen Darstellung der Paläontologischen Gesellschaft
überzeugen, die auch in diesem Kreis sehr viel Lob und Anerkennung fand. Der
günstige Termin am ersten Tagungsabend schuf eine weitere gute Gelegenheit,
Öffentlichkeit und Wissenschaftler nicht nur zusammen, sondern auch ins
Gespräch zu bringen.
Am Sonntag nach Tagungsende wurde von Eckard
Mönnig ein zusätzlicher Tag der
offenen Tür im Naturkunde-Museum angeboten, an dem neben einer Fossilien- und
Mineralienbörse mit Georium und Mammutmalen weitere Aktionen der Kommission für
Öffentlichkeitsarbeit der Paläontologischen Gesellschaft stattfanden.
Gemeinsam mit der Landesbibliothek Coburg konnte eine weitere Sonderausstellung
Reinecke ein Vorgänger Darwins in Coburg in den Bibliotheksräumlichkeiten
in Schloß Ehrenburg verwirklicht werden.
Am Vormittag des 26. September waren die drei Vortragstage mit einer
musikalisch umrahmten Begrüßungsveranstaltung eröffnet worden, an die sich die
Ehrungen durch den Vorsitzenden der Gesellschaft, Prof. Dr. Hans-Georg Herbig anschlossen. Herrn
Prof. Dr. Erik Flügel wurden in
Anerkennung seiner vielfältigen und herausragenden wissenschaftlichen und
wissenschaftspolitischen Leistungen die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Mit der
an Laien-Paläontologen verliehenen Karl-Alfred-von-Zittel-Medaille wurde Herr Manfred Kutscher aus Saßnitz für seine langjährigen Verdienste um die
Suche, Bergung und wissenschaftliche Bearbeitung von Fossilien, insbesondere
von Echinodermen, aus der Rügener Schreibkreide und anderer Regionen
Nordost-Deutschlands ausgezeichnet.
Nach den fesselnden Festvorträgen von Prof. Dr. Helmut Hölder ("Reineckes
Ammonitenbuch und seine Zeit"), PD Dr. Immo
Schülke ("Evolutionsfaktor
Zeit und ihre Auflösbarkeit bei der Betrachtung historischer
Evolutionsprozesse") und Frau Prof. Dr. Dianne
Edwards ("What's new on
early land plants? Further relevations on the green revolution")
begannen die wissenschaftlichen Parallelsitzungen.
In rund 115 Vorträgen wurden Themen aus den verschiedensten Teilbereichen der
Paläontologie vorgestellt und regten zu zahlreichen Diskussionen an. Der
Arbeitskreis für Paläobotanik und Palynologie richtete zum zweiten Mal sein
jährliches Treffen mit Vorträgen im Rahmen der Jahrestagung aus. Ein
erfreuliches Signal für den Willen zum gemeinsamen Handeln in der Paläontologie
und ihrem Umfeld - und für manchen "fachfremden" Kollegen
überdies eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Hineinschnuppern in ein spannendes
und vielfältiges Forschungsfeld! Auch der stets auf den Jahrestagungen präsente
Arbeitskreis für Wirbeltierpaläontologie war mit mehreren Vortragsblöcken und
Postern eindrucksvoll vertreten.
Die Posterausstellung war mit rund 100 Postern hervorragend bestückt!
Vielleicht nicht unbedingt ein Wunder, denn wie schon im letzten Jahr, lockte
auch diesmal eine Prämierung für die drei besten Poster. Dafür waren durch den
Förderverein der Coburger Landesstiftung großzügige Geldpreise in Höhe von
insgesamt 1.000 Mark ausgesetzt. Eine spezielle Postersession und die
großzügigen Kaffeepausen boten einige Gelegenheiten, die Poster zu betrachten - und seine Wahl zu
treffen.
Den ersten Preis erhielt das Poster von Bettina
Schenk & Bernd Fischer (München)
mit dem Titel "Mikrohabitate und Ökologie der Benthos-Foraminiferen der
Tasman-See", den zweiten Preis das Poster von Christian Klug (Tübingen) über "Ammonoideen aus der
frühen Ems-Stufe (Devon) des östlichen Anti-Atlas (Marokko)" und den
dritten Preis Manuela Nowotny (Berlin)
mit "Morphologische und biometrische Analyse der Bezahnung von Haldanodon exspectatus (Docodonta,
Mammalia) aus dem Oberen Jura von Portugal".
Die Prämierung erfolgte vor dem traditionellen öffentlichen Vortrag durch den
Ehrenvorsitzenden des Fördervereins der Coburger Landesstiftung, Herrn Dr. Harald Bachmann. Zuvor wurde Herr Prof. Dr. Jean-Claude Gall,
Université Louis Pasteur Strasbourg, wegen seiner wissenschaftlichen Verdienste
um die Erforschung der terrestrischen Lebensräume in der Germanischen Trias,
der Förderung der Paläoökologie und seiner Verdienste um die Gründung und
Vertretung der European Paleontological Association (EPA) mit der
Korrespondierenden Mitgliedschaft geehrt.
Den öffentlichen Vortrag hatte dankenswerterweise Prof. Dr. Friedemann Schrenk übernommen. Mit dem Vortragstitel "Wie Afrikaner
Franken wurden - Neuigkeiten aus der Menschheitsgeschichte"
lockte er nicht nur eine große Zahl von Tagungsteilnehmern an, sondern fand
auch aus der Bevölkerung großen Zulauf. In seinem Vortrag verstand er es in
vorbildlicher Weise, sein wissenschaftlich anspruchsvolles und faszinierendes
Thema allgemeinverständlich zu präsentieren. Der Beifall war entsprechend groß - und verdient! Vortrag
und vorangegangene Ehrungen ermöglichten der Coburger Öffentlichkeit so einen
umfassenden Einblick in das wissenschaftliche Leben der Paläontologischen
Gesellschaft.
Mit drei Workshops - "Arbeitskreis für Paläobotanik und
Palynologie (APP)", "Datenbanken in der Paläontologie"
(organisiert von Hannes Löser &
Jürgen Kullmann) sowie "Öffentlichkeitsarbeit"
(organisiert von RALF Breyer) - endeten die
Vortragstage.
Am ersten und an den beiden letzten Tagungstagen (bei sommerlichem Wetter!)
wurden insgesamt acht regionalgeologische Exkursionen durchgeführt, deren
thematische Schwerpunkte einerseits das Paläozoikum und andererseits das ältere
Mesozoikum (Trias, Jura) waren. Die Exkursionen fanden unter den Teilnehmern
großen Anklang, waren hervorragend geführt und mit einem umfangreichen
Exkursionsleitfaden ausgestattet.
Besonders erfreulich war die starke Beachtung der Tagung vor allem in der
regionalen und lokalen Öffentlichkeit, die sich in Zeitungsberichten und der
Präsenz des regionalen Fernsehens widerspiegelte. Dies war sicher nicht nur der
Anziehungskraft des öffentlichen Vortrags und den verschiedenen
Sonderausstellungen und -aktionen verdanken, sondern auch das Verdienst der im
Vorfeld geleisteten Pressearbeit durch Eckhard
Mönnig und Ralf Breyer.
So war erstmals anlässlich einer Jahrestagung eine Pressemappe an die
wichtigsten regionalen und überregionalen Medien verschickt worden.
Die durch die Coburger Landesstiftung, die Niederfüllbacher Stiftung, die HUK
Coburg und den Tourismus & Congress Service finanziell großzügig
unterstützte Tagung war hervorragend organisiert und der Ablauf dementsprechend
reibungslos. Die großzügigen Räumlichkeiten des Kongresshauses Rosengarten und
die schöne Stadt Coburg mit ihrer imposanten Veste und den zahlreichen anderen
kunstgeschichtlich interessanten und überaus sehenswerten Bauten trugen zu der
höchst anregenden, aber entspannten Atmosphäre bei. Zahlreiche
wissenschaftliche und private Kontakte wurden in diesem Klima gepflegt,
erneuert und neu geknüpft.
Ganz herzlichen Dank nach Coburg und an Eckhard
Mönnig und sein Team für die
anregenden und ausgefüllten Tage in Coburg und einen gelungenen Tagungsstart
ins neue Jahrtausend! Auf Wiedersehen 2001 in Oldenburg!
Tagungs-Literatur:
Mönnig, E. (Ed.): 70.
Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft. Vorträge und Poster. Terra
Nostra, 2000/3, 184 S.
Mönnig, E. (Ed.): 70.
Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft. Exkursionsführer. Terra
Nostra, 2000/4, 158 S.
B. Reichenbacher, München,
R. Breyer, Langen & H.-G. Herbig, Köln
Beginn: 16.10 Uhr
Nach den Grußworten gratuliert Herr Herbig der Gesellschaft zur erstmaligen Überschreitung der 1000-Mitglieder-Marke. Die im Internet verfügbare Adressdatei 1004 Einträge am 23. 9. 2000 ist aus Datenschutzgründen nur für Mitglieder abrufbar. Zugangsinformationen sind über den Webmaster der Gesellschaft, Herrn Clausing (Halle) abrufbar (clausing@geologie.uni-halle.de).
TOP 1 (Feststellung der endgültigen Tagesordnung)
TOP 10 wird auf Vorschlag von Herrn Herbig ergänzt durch "und Finanzierungsfragen". Die Tagesordnung wird angenommen.
TOP 2 (Genehmigung des Protokolls der ordentlichen Mitgliederversammlung anläßlich der 69. Jahrestagung in Zürich am 23.9.99 (Paläontologie aktuell, 40: 2-6))
Das Protokoll wird einstimmig genehmigt.
TOP 3 (Bericht des Vorsitzenden)
Rahmenordnung Studiengang Geowissenschaften: Der Entwurf der Rahmenordnung für den neuen Studiengang Geowissenschaften war im vergangenen Winter von der GEMKO (Geschäftsstelle für die Koordinierung der Ordnung von Studium und Prüfungen im Sekretariat der Kultusministerkonferenz) an die Hochschulen und zuständigen Länderministerien zwecks Einholung von Stellungnahmen verschickt worden. Die zahlreichen Rückläufe wurden im Lauf dieses Frühjahres in den Entwurf eingearbeitet, dessen Endfassung nun direkt an die zuständigen Länderministerien weitergeleitet wurde. Wie schon im ersten Entwurf vorgesehen, werden die Institute einen breiten Gestaltungsraum innerhalb der neuen Rahmenordnung haben, welche die bisherigen Diplomstudiengänge Geologie-Paläontologie, Geophysik und Mineralogie vereinen soll. Nach Studienabschluß (geplant: 10 Semester) soll der Titel Diplom-Geowissenschaftler erteilt werden; die alten Abschlüsse Dipl.-Geol., Dipl.-Min., Dipl.-Geophys. sollen bei entsprechenden Vertiefungsrichtungen weiterhin verleihbar sein. Die Institute sollen die Möglichkeit bekommen, fakultativ einen Bachelor-Abschluß in den neuen Studiengang zu integrieren; eine Äquivalenz Diplom-Masters wird aber nicht möglich sein und der Masters-Abschluß wird einen eigenen Studiengang erfordern. Damit bleibt der Entwurf hinter den ursprünglichen Erwartungen und Zielvorstellungen der Fachkommission zurück. Herr Schneider ergänzt, daß in Freiberg bereits ein integrierter Studiengang mit Vordiplom-Bachelor-Master-Diplom möglich ist.
Leitlinien paläontologischer-Forschung im 21. Jahrhundert: Unter maßgeblicher Beteiligung der Paläontologischen Gesellschaft und unter der Federführung von F. Steininger und Ch. Dullo wurden in einem Positionspapier mögliche zukünftige Leitlinien paläontologischer Forschung abgesteckt darüber wurde bereits in Zürich berichtet. Unter dem Titel "Evolution des Systems Erde. Geobiologische und paläobiologische Prozesse als Antrieb " ist das Positionspapier in der Kleinen Senckenbergreihe Nr. 35 erschienen.
AWS und Geojahr 2002: Das Büro der AWS ist von Köln nach Berlin-Dahlem gezogen. Der Vorschlag, dort mit den Geschäftsstellen der einzelnen Gesellschaften ein Geo-Haus entstehen zu lassen, wurde jedoch auch von einigen anderen Gesellschaften aus Kostengründen zurückhaltend beurteilt. Die Paläontologische Gesellschaft wird sich wegen ihrer kostenneutralen Geschäftsstelle im Forschungsinstitut und Museum Senckenberg nicht beteiligen. Neben dem Präsidenten, Herrn Emmermann, hat die AWS mehrere Vizepräsidenten ernannt, denen spezielle Ressorts zugewiesen wurden. Herr Neumann-Mahlkau vertritt das Ressort "Feste Erde" und damit u. a. DGG, GV, GGW, Paläontologische Gesellschaft, Mineralogische Gesellschaft, Gesellschaft für Bodenkunde. Die AWS-Zeitschrift Geospektrum wurde eingestellt, derzeit hat die AWS keine eigene Zeitschrift.
Im Jahr 2002 soll auf Anregung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ein Jahr der Geowissenschaften stattfinden im Wechsel sollen so einzelne Wissenschaftsdisziplinen vorgestellt werden. Das BMBF wird für entsprechende Projekte finanzielle Mittel bereitstellen. Die AWS soll in ihrer Funktion als Dachgesellschaft die Organisation übernehmen und das Geojahr vorbereiten; im Herbst diesen Jahres soll dazu ein erster Workshop stattfinden.
Paläontologie aktuell und Gmit: Herr Strauch wird Ende dieses Jahres die Redaktionsarbeit für Paläontologie aktuell niederlegen. Ab 2001 wird Herr Leinfelder die Redaktionsarbeit übernehmen. Herr Herbig dankt Herrn Strauch unter Überreichung eines Blumenstraußes herzlich für die 10-jährige Tätigkeit. Paläontologie aktuell wird ab 2001 nicht mehr als eigenes Heft erscheinen, sondern in einem gemeinsamen Nachrichtenheft der geowissenschaftlichen Gesellschaften mit dem Titel Gmit aufgehen. Das erste Heft von Gmit ist im vergangenen Frühjahr als Sonderheft der Nachrichten der deutschen geologischen Gesellschaft erschienen. Das nun im Herbst erscheinende, zweite Sonderhefte wird auf der Titelseite zusätzlich Paläontologie aktuell, Heft 42 aufführen. Derzeit sind an Gmit folgende Gesellschaften beteiligt: BDG, DGG, GV, GGW., Paläontologische Gesellschaft., Deuqua. Durch die hohe Auflage (7000 Hefte) wird Gmit einen viel breiteren Leserkreis erreichen als Paläontologie aktuell und einerseits die Informationen aus der Gesellschaft breiter streuen, andererseits bessere Informationen aus dem Gesamtgebiet der Geowissenschaften ermöglichen. Gmit erscheint 4x im Jahr und wird dadurch teuerer als Paläontologie aktuell. Ein größerer Teil der Kosten soll durch Anzeigen getragen werden. Die Kosten der einzelnen Gesellschaften werden anteilig nach ihrer Mitgliederzahl umgelegt.
EPA (European Palaeontological Association): Herr Fürsich (Würzburg) ist seit letztem Jahr Präsident der EPA, Herr Oschmann (Frankfurt) Schatzmeister. Das Nachrichtenheft der EPA, Europal, enthält aktuelle Informationen über Forschungsprojekte in anderen europäischen Ländern, neue Publikationen, Tagungskalender, etc., aber auch thematische Schwerpunkte, wie z. B. über Paläontologische Sammlungen, Öffentlichkeitsarbeit, Lehre in der Paläontologie. Für Paläontologie aktuell bzw. GMit vorgesehene Beiträge sollen zukünftig auch auf ihre Publikationsinteresse in Europal untersucht werden. Herr Leinfelder (München) wird in dieser Richtung zumindest vorläufig als Kontaktmann zu Europal tätig sein.
Die EPA ist als NGO im Europarat vertreten und führt sowohl wissenschaftliche als auch wissenschaftspolitische Symposien durch. So soll im Jahr 2001 in Leiden ein Symposium "Plaeontology, communication and the public" stattfinden. Die Mitgliedschaft bei EPA incl. Bezug von Europal kostet 40,- DM im Jahr. Eine verstärktes deutsches Engagement in der EPA wird als dringend nötig empfunden.
Öffentlichkeitsarbeit: Durch die Wahl von Herrn Breyer zum Beauftragten für die Öffentlichkeitsarbeit der Paläontologischen Gesellschaft ist die Öffentlichkeitsarbeit wesentlich effizienter geworden. Es wurden weitere neue Poster erstellt (insgesamt nun 16 Stück), so daß anläßlich der Jahrestagung in Coburg die Poster der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit erstmals als eigene öffentliche Ausstellung präsentiert werden konnten. Eine kleine Broschüre mit den Posterabdrucken soll hergestellt werden. Weiterhin wurde erstmals anläßlich einer Jahrestagung eine Pressemappe herausgegeben, was zu erfreulicher Resonanz in den regionalen Tageszeitungen und dem Regionalfernsehen führte. Mit Abschluß der Tagung wird am Sonntag anläßlich eines Tages der offenen Tür im Naturkunde-Museum Coburg u. a. eine Aktion "Mammutmalen" stattfinden (durch Frau A. Hesse), um so die Gesellschaft noch mehr nach außen zu tragen. Im Hinblick auf das Geojahr 2002 wurde die Kommission erstmals mit einem eigenen Etat ausgestattet (vgl. TOP 10).
Ein Mißerfolg war der Rücklauf der Mitgliederbefragung (siehe Paläontologie aktuell, Heft 41). Nur 32 von rund 1000 Mitgliedern haben geantwortet! Herr Herbig bittet darum, den Fragebogen im Verlauf der Tagung noch auszufüllen. Herr Breyer ergänzt, daß am Donnerstag ein Workshop stattfinden wird (um 16.00 Uhr im Festsaal), um über die bisherigen kaum repräsentativen - Ergebnisse der Mitgliederbefragung zu informieren. Außerdem sollten möglichst schon Anregungen für das Geojahr 2002 gesammelt werden, Fernziel sei, ein Konzept der federführenden AWS bzw. dem BMBF vorzulegen.
Mitglieder-Werbeaktion: Um studentische Mitglieder zu gewinnen, hat Herr Herbig die Fachschaften per e-mail informiert, daß studentische Nichtmitglieder, die dieses Jahr an der Tagung teilnehmen, automatisch für 1 Jahr Mitglied sind. Herr Jellinek weist darauf hin, daß die Mitgliedschaft für dieses Jahr frei ist, und ab 2001 der Mitgliedsbeitrag fällig ist. Über den Erfolg dieser Werbeaktion gibt es bisher noch keinen genauen Überblick.
Geokonferenz: Herr Willems (Bremen)war sechs Jahre Vertreter in der Geokonferenz und möchte dieses Amt niederlegen. Neuer Vertreter wird Herr Jörg Schneider (Freiberg)
Alberti-Preis: Der mit 20.000 DM dotierte Preis wird im Wechsel an Amateure und Berufspaläontologen vergeben. Auf Vorschlag der Gesellschaft erhalten A. Braun (Bonn) und G. Schweigert (Stuttgart) den diesjährigen Preis. Herr Herbig gratuliert den Preisträgern.
Nach diesem ergaben sich folgende Fragen:
Herr Fürsich fragt nach, ob die Poster der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit als Datenfiles verfügbar seien. Dies ist der Fall; der Ansprechpartner hierfür ist Herr Clausing.
Herr Ilg fragt an, ob Paläontologie aktuell nicht ausschließlich in das Internet gestellt werden könne, ein Druck sei dann nicht mehr nötig und Kosten könnten gespart werden. Herr Herbig erwidert, daß diese Thematik bereits in Vorstand und Beirat ausführlich und kontrovers diskutiert worden sei. Man habe sich darauf geeinigt, daß zunächst weiterhin ein gedrucktes Heft erscheinen soll, da einige Mitglieder kein Internet haben und/oder es als Medium auch nicht schätzen. Die Beiträge der Gesellschaft in Gmit sollen aber als kompakte Internet-Ausgabe Paläntologie aktuell auf der Homepage der Gesellschaft abrufbar gemacht werden. Herr Ilg bietet daraufhin seine Mitarbeit bei der Internet-Arbeit der Gesellschaft an.
Herr Herm erkundigt sich nach dem Initiator des Geojahres (nationale Veranstaltung durch das BMBF!) und weist darauf hin, daß von der UNO das Jahr 2002 zum "Jahr der Berge" erklärt worden sein; ein Abstimmen beider Programme aufeinander sei sicher sinnvoll.
TOP 4 (Bericht der Schriftleitung der Paläontologischen Zeitschrift)
Herr Schroeder berichtet: Dieses Jahr werden 3 Hefte erscheinen. Heft 1/2 ist mit Datum Mai erschienen, Heft 3 ist redaktionell abgeschlossen und Heft 4 wird Anfang November redaktionell fertig gestellt sein. Herr Schroeder wird anläßlich seiner Pensionierung und der Verlagerung seines ständigen Wohnsitzes nach Südeuropa zum Ende des Jahres seine Tätigkeit als Schriftleiter niederlegen. Sein Nachfolger als Hauptschriftleiter wird Herr Amler (Marburg), als zusätzlicher Schriftleiter wird außerdem Herr Aberhan (Berlin) tätig werden. Herr Schroeder blickt auf 10 Jahre Tätigkeit zurück, wobei ihm in den letzten 6 Jahren die Hauptschriftleitung oblag. In diese Zeit fielen wichtige Veränderungen der Zeitschrift, vor allem die Format-Umstellung auf DIN A4 und der Entwurf eines neuen, modernen Layouts, auch für die Titelseite. Diese Umstellungen, insbesondere auch die Herstellung der fertigen Druckvorlage in Eigenregie durch die Schriftleitung haben zu einer erheblichen Kostenersparnis geführt; nicht zuletzt dadurch konnte der Mitgliedsbeitrag der Gesellschaft auf einem relativ niedrigen Niveau gehalten werden. Gleichzeitig sei die internationale Akzeptanz der Zeitschrift gestiegen, was in den vergangenen zwei Jahren einen sehr starken Manuskripteingang zur Folge hatte. Herr Schroeder dankte seinen Redaktionskollegen und Herrn Jellinek herzlich für die jahrelange gute Zusammenarbeit und wünschte seinen Nachfolgern eine glückliche Hand. Herr Herbig überreichte Herrn Schroeder einen Blumenstrauß und dankt ihm unter dem Beifall der Mitglieder für seinen überdurchschnittlichen Einsatz für die Geschicke der Zeitschrift.
TOP 5 (Bericht des Schatzmeisters und der Kassenprüfer):
Herr Jellinek verliest den Kassenbericht für 1999 und für das laufende Jahr. Das Jahr 1999 wurde mit einem Guthaben von 103.168,88 DM abgeschlossen. Das Guthaben für das laufende Jahr (Stand 4.9.2000) beträgt 125.900,05 DM. Die Kasse wurde von E. Martini und E. Schindler geprüft und für ordnungsgemäß befunden.
Herr Jellinek gibt außerdem folgende Mitgliederbewegungen bekannt: In diesem Jahr sind 54 Mitglieder in die Gesellschaft eingetreten und mit Stand vom 23. September sind 1004 Mitglieder zu zählen. Zum Jahresende liegen 8 Kündigungen vor, 11 Mitglieder werden wegen dreijährigen Nichtzahlens aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Damit hat die Gesellschaft zu Ende 2000 nach heutigem Stand 985 Mitglieder.
Der Bericht von Herrn Jellinek wird von den Mitgliedern mit Beifall zur Kenntnis genommen, Herr Herbig dankt Herrn Jellinek für seinen Bericht und seine Tätigkeit.
TOP 6 (Entlastung des Vorstandes)
Auf Antrag von Herrn Strauch wird der Vorstand einstimmig entlastet.
TOP 7 (Wahlen zu Vorstand und Beirat)
Satzungsgemäß scheiden nach 3-jähriger Amtszeit aus Vorstand und Beirat folgende Mitglieder zum 31. 12. 2000 aus:
Vorsitzender: Prof. Dr. H.-G. Herbig, Köln.
Stellvertretender Vorsitzender: Prof. Dr. F. F. Steininger, Frankfurt/Main.
Schriftleiter: Prof. Dr. R. Schroeder, Frankfurt am Main.
Schriftführer: Dr. M. Wuttke, Mainz.
Beirat: Dr. G. Dietl, Stuttgart; Prof. Dr. A. Hillebrandt, Berlin; Frau cand. Geol. C. Reimann, Münster; Dr. V. Wilde, Frankfurt am Main. Je nach Ausgang der Wahl zum neuen Vorsitzenden, wird außerdem Prof. Dr. A. Altenbach (München) oder Prof. Dr. W. von Königswald (Bonn) aus dem Beirat ausscheiden.
Der Vorstand legt gemäß § 8 der Satzung folgende Wahlvorschläge vor:
Vorsitzender: Prof. Dr. A. Altenbach, München; Prof. Dr. W. von Königswald, Bonn.
Stellvertretender Vorsitzender: Frau Dr. A. Hesse, Dessau; Prof. Dr. W. Krumbein, Oldenburg.
Schriftleiter: PD Dr. M. Aberhan, Berlin.
Schriftführer: Dr. G. Schweigert, Stuttgart; PD Dr. T. Steuber, Bochum.
Beirat: PD Dr. Th. Becker, Berlin; cand. geol. J. Bohaty, Köln; Dr. A. Clausing, Halle; Prof. Dr. H.-G. Herbig, Köln; K.-P. Kelber, Würzburg; Frau Dr. G. Radtke, Wiesbaden; Frau Dr. G. Rössner, München.
Herr Herbig gibt für wegen des Amateur-Status für Herrn Kelber, wegen des Studenten-Status für J. Bohaty sowie wegen der Rückwahl des ausscheidenden Vorsitzenden in den Beirat für sich selbst eine Wahlempfehlung.
Nach der Vorstellung der Kandidaten wählen die 163 stimmberechtigten Mitglieder wie folgt:
Vorsitzender: Prof. Dr. W. von Königswald (106 Stimmen).
Stellvertretender Vorsitzender: Frau Dr. A. Hesse (113 Stimmen).
Schriftleiter: PD Dr. M. Aberhan (156 Stimmen).
Schriftführer: Dr. G. Schweigert (126 Stimmen).
Beirat: PD Dr. T. Becker (101 Stimmen), cand. geol. J. Bohat" (131 Stimmen), Prof. Dr. H.-G. Herbig (130 Stimmen), K.-P. Kelber (141 Stimmen), Frau Dr. G. Radtke (99 Stimmen).
TOP 8 (Bestätigungen)
Per Akklamation werden Herr Jellinek als Schatzmeister sowie Herr Sander und Herr Amler als Schriftleiter bestätigt.
TOP 9 (Wahl der Rechnungsprüfer)
Die Mitglieder bestätigen Herrn Martini und Herrn Schindler per Akklamation als Rechnungsprüfer.
TOP 10 (Beitragserhöhung und Finanzierungsfragen)
Herr Herbig berichtet: Die Beiträge der Mitglieder werden hauptsächlich für die Finanzierung des Druckes von Paläontologischer Zeitschrift und Paläontologie aktuell sowie für deren Versand verwendet. Kosten fielen in den letzten Jahren außerdem an z.B. für die Herstellung der Poster der Kommission für Öffentlichkeitsarbeit und für die Erstellung der Pressemappen. Auf der letzten Vorstandssitzung wurde ein Zuschuß für die autorisierte deutsche Übersetzung der IRZN beschlossen. Auf der selben Sitzung wurde außerdem beschlossen, die Kommission für Öffentlichkeitsarbeit für die kommenden 12 Monate mit einem Etat von 7.500 DM auszustatten sowie die Option auf die gleiche Summe in 2001, um selbständig Vorbereitungen für das Geojahr 2002 durchführen zu können Über die Gelder muß rechenschaftspflichtig abgerechnet werden; die Arbeit der Kommissions-Mitglieder bleibt wie bisher ehrenamtlich. Gleichzeitig wurde beschlossen, daß die Gesellschaft ein Kapitalpolster von mindestens 50.000 DM behalten muß, um den Druck der Zeitschrift für ein Jahr sicherzustellen. Obwohl derzeit die Finanzlage noch ausgeglichen ist, könnte in absehbarer Zeit eine Beitragserhöhung nötig sein, um weitere Aktionen der Gesellschaft außerhalb des eigentlichen Zeitschriften-/Druckbereichs zu unterstützen. So seien auch die genauen Kosten von Gmit noch nicht abschätzbar. Herr Herbig weist auch darauf hin, dass die bisherigen Internet-Aktivitäten der Gesellschaft nur durch die ehrenamtlichen Tätigkeiten der Herren Clausing und Leinfelder erfolgen und bei Ausweitung hier zukünftig ggf. Hilfe durch studentische Hilfskräfte o. ä. nötig sein könnten. Er bittet die Mitglieder um ein Meinungsbild.
Die nachfolgende Diskussion faßt Herr Herbig zusammen: Es gibt die Zustimmung der Mitglieder, finanzielle Beiträge für Aktionen der Gesellschaft im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit/Außendarstellung der Paläontologischen Gesellschaft zu leisten. Diese Aussage bekräftigen die Mitglieder per Akklamation.
TOP 11 (Jahrestagung 2001)
Da der Ausrichter der nächstjährigen Tagung, Herr Krumbein erkrankt ist, berichtet Herr Wehrmann (Senckenberg am Meer, Wilhelmshaven) als Mitveranstalter: Die Tagung findet vom 17.-21.9. an der Universität Oldenburg statt. Organisatoren sind die Universität Oldenburg sowie Senckenberg am Meer. Die Tagung findet gemeinsam mit der Tagung der Gesellschaft für Biologische Systematik statt und steht unter dem Motto "3,5 Mrd. Jahre Biodiversität". Rahmenthemen sollen sein "Taxonomie", "Phylogenie" und "Biodiversität". Herr Herbig weist darauf hin, daß ein 1.Zirkular im Tagungsbüro ausliegt.
Zur Geotagung im Jahr 2002 in Würzburg berichtet Herr Fürsich, dass erste Vorbereitungen anlaufen. Herr Schroeder und Frau Cherchi-Schroeder haben sich anlässlich dieser Tagung bereit erklärt, gemeinsam mit der Italienischen Paläontologischen Gesellschaft eine 7-tägige Exkursion nach Sardinien zu organisieren. Diese geplante Exkursion, deren Führung zweisprachig erfolgen würde (italienisch deutsch), wird von den Mitgliedern sehr begrüßt.
TOP 12 (Verschiedenes)
Es gibt seit vergangenem Sommer ein neues Internetverzeichnis von Paläontologen. Da besonders die deutschen Kollegen in diesem Verzeichnis bisher kaum vertreten sind, wird um Einträge gebeten unter: http://ipa.geo.ukans.edu/index.htm
Herr Fürsich berichtet: Das "Geotechnologien"-Konzept ist seinerzeit für das BMFT ausgearbeitet worden und umfaßt Pläne für geowissenschaftliche Stoßrichtungen in den nächsten 10-20 Jahren. Um diese Pläne zu konkretisieren, hat in Frankfurt/Main kürzlich ein Treffen unter Federführung von Herrn Steininger und Herrn Oschmann stattgefunden. Hierbei sollte ein Konzept erarbeitet werden, wie sich die deutsche paläontologische Forschung in den vorgegebenen Rahmen einbringen kann. Der derzeitige Titel des Konzepts lautet "Ursachen und Muster der natürlichen Biosystemdynamik", die Zeitscheiben sollen das Eozän, Miozän und Holozän sein, da so eine nahtlose Verbindung zur Gegenwart hergestellt werden könne. Für jede Zeitscheibe sollen Ökosysteme in niederen, mittleren und hohen Breitengraden untersucht werden. Ein Schwerpunkt soll die marinen Ökosysteme umfassen; so sollen z.B. landnahe (terrigen beeinflußte) Riffe untersucht werden. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den terrestrischen Ökosystemen, insbesondere dem System Wald Sumpf und den lakustrinen (auch marginal-fluviatilen) Ökosystemen. Ein erstes Konzept soll bis Ende Oktober ausgearbeitet werden. Es wird über die Homepage der Paläontologischen Gesellschaft verfügbar sein. Im Rahmen dieses ersten Konzeptes sind alle Kollegen/-innen eingeladen mitzuarbeiten! Eigene Projektentwürfe sollen bitte bis Ende Januar an Herrn Oschmann geschickt werden. Das Konzept/Projekt soll dann der Geokommission vorgestellt werden.
Herr Herm dankt dem scheidenden Vorsitzenden Herrn Herbig für seinen Einsatz für die Gesellschaft. Die Mitglieder bedanken sich ebenfalls per Akklamation.
Ende der ordentlichen Mitgliederversammlung: 18.50 Uhr.
B. Reichenbacher, München
(Coburg, 24.-30. September 2000)
Aus der Ansprache des Vorsitzenden
.... die Paläontologische Gesellschaft trifft sich zu ihrer 70. Jahrestagung im Jahr 2000 erstmals in Coburg und ist nach der Tagung 1938 in Bayreuth zum zweiten Mal in Oberfranken zu Gast.
Nach den Tagungen in den Metropolen Berlin und Zürich haben wir die Einladung nach Coburg nur zu gerne angenommen, um uns unter dem Motto aus den Universitäten hinaus in die Regionen! in der neuen Mitte Deutschlands zu treffen und die Möglichkeit zu nutzen, neben dem wissenschaftlichen Vortragsprogramm Exkursionen diesseits und jenseits der noch vor 11 Jahren unüberwindlichen Grenze zwischen Bayern und Thüringen durchzuführen.
Coburg ist keine Universitätsstadt, aber dennoch eine klassische Forschungsstätte der Geologie, ist es doch nach einem Besuch Leopold von Buchs die eigentliche Typuslokalität des Keupers. Mit Johannes Christoph Matthias Reinecke lebte und wirkte hier in den ersten beiden Jahrzehnten des vorletzten Jahrhunderts zudem ein bedeutenden Klassiker in der Erforschung jurassischer Ammoniten und Pionier der Evolutionslehre.
Mit dem in beeindruckender Weise neugestalteten, aus dem 1844 gegründeten Herzoglichen Naturaliencabinet hervorgegangenen Naturkunde-Museum verfügt Coburg heute über ein wahres Schatzkästchen zur regionalen Geologie, Paläontologie und Naturkunde, welches nicht zuletzt die sowohl wissenschaftshistorisch als auch konkret für die Taxonomie der Jura-Ammoniten wichtigen Originale Reineckes aufbewahrt. Dieses Museum fügt sich ein in die reiche oberfränkische Museumslandschaft mit den Naturkunde-Museen auf Schloß Banz mit dem größten Ichthyosaurier-Schädel Europas, dem Naturkunde-Museum Bamberg mit seinem original aus dem 17. Jahrhundert erhaltenen, frühklassizistischen zweistöckigen Vogelsaal und der gelungenen Detailausstellung über die beim Bau des Bamberger Doms verwendeten heimischen Natursteine, und dem ebenfalls erst vor wenigen Jahren neu gestalteten Urweltmuseum Bayreuth. Auch Bayreuth ist klassisches paläontologisches Terrain, wurden doch dort von Georg Graf zu Münster die berühmten Nothosaurier aus dem Muschelkalk geborgen in dieser Stadt erschienen mit den von ihm herausgegebenen Beiträgen zur Petrefactenkunde wichtige paläontologische Monographien in der Frühzeit der Paläontologie.
So zeigt sich Oberfranken als Region, in der das Wissen um Erd- und Lebensgeschichte verwurzelt ist und gepflegt wird. Es muß uns eine besondere Verpflichtung sein, aus den Universitäten hinaus in die Regionen zu gehen, diesem Wissen unsere Wertschätzung zu erweisen und so die Bedeutung der kleineren, oft mit zahlreichen Widrigkeiten zu kämpfenden Naturkundemuseen darzustellen. In der Regel schon im 19. Jahrhundert gegründet, sind sie nicht nur bedeutende Archive der Biodiversität, welche Fossilien aus längst verschütteten Aufschlüssen oder gar unersetzliche Holotypen bewahren, sondern auch wichtiges Schaufenster für die Öffentlichkeit. Nur wer für sein Fach Öffentlichkeit schafft und öffentliches Interesse beanspruchen kann, wird in Zeiten zunehmend knapperer Ressourcen erfolgreich um Gelder und Stellen werben können. Der Bürger, die von ihm gewählten Politiker und die Kämmerer der Kommunen wollen wissen, für welche Zwecke Steuergelder ausgegeben werden, warum es sinnvoll ist, naturkundliche Museen mit geologisch-paläontologischen Inhalten zu fördern. Dazu dient vor allem die in den letzten Jahren erfolgreich intensivierte Öffentlichkeitsarbeit unserer Gesellschaft. Erstmals zeigt die Gesellschaft mit ihrer Posterausstellung Paläontologie für alle Zeiten des Lebens im Naturkunde-Museum Coburg öffentlich Flagge. Weitere Aktivitäten sind im Gange und sollten nicht nur auf unseren öffentlichen Veranstaltungen und Sonderausstellungen in Coburg - das Bild von einer modernen Paläontologie stärken, einer Wissenschaft die aus Ihrem Wissen um die Vergangenheit an heutigen Verhältnissen entwickelte Klimamodelle, Modelle über Stoffflüsse und Aussagen zu heutigen Eingriffen in die globale Biodiversität testen, evaluieren und relativieren kann - und so darauf basierenden Prognosen eine fundierte Basis verschafft. Einer Wissenschaft zudem, welche als einzige echte Belege der Evolution, nämlich Fossilien, in Händen hält und methodisch unabhängig nach genetischen Untersuchungen postulierte Phylogenien bestätigen oder widerlegen kann. Für diese Aufgaben brauchen wir Mitstreiter und Mitdenker auf den unterschiedlichsten Ebenen, seien es die studentischen Fachschaften, die Institute und Hochschulstandorte bis hin zum Dach unserer Gesellschaft. Nicht zuletzt deswegen ist es uns ein besonderes Anliegen, junge Mitglieder zu finden und zu fördern.
Der Rückbau der Paläontologie an einigen deutschen Universitäten hat gezeigt, wie wichtig Lobby-Arbeit ist. Versuche, bereits angedachte oder gar schon getroffene Entscheidungen umzukehren sind mehr als schwierig und häufig nicht von Erfolg gekrönt. Umsomehr muß es unsere Aufgabe sein, nach außen zu wirken und Geschlossenheit zu demonstrieren. Die Paläontologie braucht eine deutschlandweite Strukturplanung, die von uns Paläontologen, von unserer Gesellschaft aus angestoßen wird. Aktion statt Reaktion! Zentrenbildungen und interuniversitäre Zusammenarbeiten sind zu fordern.
In diesem Zusammenhang ist nochmals die katastrophale Situation unserer habilitierten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ohne Stelle anzusprechen. Hier werden über Jahre geförderte Karrieren in der Mitte des Lebens abgebrochen, mit all den persönlichen Konsequenzen und Katastrophen für die in ihrer Lebensmitte vor dem Nichts stehenden Betroffenen. Von der Verschwendung an Wissensressourcen und Geld sei gar nicht erst geredet! Die von der Politik geforderten Reformen an den Universitäten dürfen an diesem Problem nicht vorbeigehen. Wir brauchen ein Netz, um zumindest einen Teil dieser hochqualifizierten Personen aufzufangen und es ist unsere Aufgabe, dies zu artikulieren!
..... das neue Jahrhundert hält große Herausforderungen für uns bereit, sei es die Reform der Lehre in neuen, international kompatiblen Studiengängen, die Sicherung der Qualität deutscher paläontologischer Forschung im globalen Vergleich, seien es die Bereiche der Öffentlichkeitsarbeit, der Wissenschaftsadminstration und des Wissenschaftsmanagements. Unsere Tagung in Coburg zeigt, daß wir erfolgreich in dieses Jahrhundert starten. Erstmals hat die Paläontologische Gesellschaft die Schallgrenze von 1000 Mitgliedern überschritten - die diesjährige Tagung ist die bisher größte Jahrestagung mit den meisten Vorträgen und Postern. Lassen Sie uns diesen Schwung in den nächsten Jahren weiterführen und unsere Stärke auf der nächstjährigen Gemeinschaftstagung mit der Gesellschaft für Biosystematik in Oldenburg sowie auf der von den deutschen geowissenschaftlichen Gesellschaften gemeinsam organisierten Geotagung 2002 in Würzburg erneut unter Beweis stellen. Fördern Sie mit Ihren Beiträgen in der Paläontologischen Zeitschrift Ihre Gesellschaft und ziehen Sie ausländische Koautoren zu, um unseren internationalen Anspruch zu stärken und vermehrt auch in den Nachbarländern auf uns aufmerksam zu machen.
In diesem Sinne wünsche ich eine erfolgreiche Tagung mit zahlreichen Diskussion um Wissenschaft - und Wissenschaftspolitik!
H.-G. Herbig, Köln
3,5 Milliarden Jahre Biodiversität
Gemeinsame Jahrestagung der
Paläontologischen Gesellschaft in
und der Gesellschaft für Biologische Systematik in Oldenburg
17. bis 21. September 2001
1. Zirkular
Wissenschaftliches Komitee
für die Paläontologische Gesellschaft:
W. E. Krumbein (C.v.O. Universität Oldenburg)
A. Wehrmann (Forschungsinstitut Senckenberg)
für die Gesellschaft für Biologische Systematik:
H. K. Schminke (C.v.O. Universität Oldenburg)
F. F. Steininger (Forschungsinstitut Senckenberg)
Tagungsort
Carl von Ossietzky Universität
Naturwissenschaften Oldenburg-Wechloy
Carl von Ossietzky Straße 9-11
D-26111 Oldenburg
Anreise und Unterbringung
Siehe 2. Zirkular sowie Internet und Web-Seiten der Gesellschaften
Verkehrsverein der Stadt Oldenburg, Tourist-Information
Wallstraße 14, 26105 Oldenburg
Tel.: 0441-15744; Fax-Abbruf: 0441-2489202
Wichtige Termine
1. Zirkular mit dieser Ausgabe
2.Zirkular 15.04.2001
Verbindliche Anmeldung bis 01.06.2001
Abgabe der Vortrags- und Posterkurzfassungen bis 01.06.2001
Einzahlung der Tagungs- und Exursionsgebühren bis 01.06.2001
3.Zirkular 15.08.2001 (nur Internet)
Kurzvorträge
Für die Kurzvorträge (Dienstag bis Donnerstag, 18.-20.09.) stehen 15 Minuten Redezeit und 5 Minuten Diskussion zur Verfügung. Um Vortragsüberschneidungen mit den ggf. stattfindenden Parallelsitzungen zu vermeiden und der Diskussion genügend Zeit einzuräumen, wird auf eine strikte Einhaltung der Redezeit geachtet werden.
Poster
Das Posterformat sollte die Größe A0 (Hochformat B90xH120) nicht überschreiten. Bei ausreichend großer Anzahl an Postern sollen diese, in thematischen Gruppen zusammengefaßt, von einem Poster-Chairman kurz vorgestellt werden. Im Anschluß daran besteht in der ausgedehnten Kaffeepause (ca. 1 Stunde) ausreichend Zeit für Diskussionen an den Postern.
Abstracts
Für Haupt- und Kurzvorträge sowie Poster steht max. eine A4-Seite (inkl. Abbildungen) zur Verfügung. Einsendung bis 01.06.2001 als Diskette oder elektronisch an die Tagungsleitung.
Exkursionen
Die Tagesexkursionen haben einen paläontologisch - geologischen Schwerpunkt und stehen selbstverständlich auch allen Tagungsteilnehmern offen. Bei einigen Exkursionen besteht eine Beschränkung in der Anzahl der Teilnehmer.
Webseite und Postalische Verbindungen
Es wird bis zum 01.01.2001 eine Website eingerichtet (erreichbar über die Seiten der Gesellschaften und der C.v.O.Universität Oldenburg), über die sämtliche Formalitäten abgewickelt werden können. Das 1. und 2. Zirkular werden in den Nachrichten der beteiligten Gesellschaften gedruckt. Gesonderte Einladungen sollen nur an Institute verschickt werden. Schriftliche Anmeldungen werden schriftlich behandelt.
Kontakt- und Korrespondenzadresse
Wolfgang E. Krumbein, Geomikrobiologie, ICBM
Horst K. Schminke, Zoosystematik, FB 7
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
D-26111 Oldenburg
e-mail: palbiosys@uni.oldenburg.de
Internet-Adressen: www.uni-oldenburg.de/palbiosys
www.palaeo.de/palges
www.biosys-serv.biol.uni-ulm.de/gfbs/stgfbs/stgfbs.html
Tagungsgebühren
Mitglieder der Gesellschaften 120 DM
Student. Mitglieder der Gesellschaften 60 DM
Nichtmitglieder 160 DM
Student. Nichtmitglieder 80 DM
Tageskarte 80 DM
Tageskarte Studenten 40 DM
Tagungsbankett (ohne Getränke) 30 DM
Zuschlag nach dem 01.06.2001 30 DM
Exkursion A1: Münsterland
Exkursion A2: Quartär Norddeutschland
Exkursion A3: Spiekeroog
Exkursion A4: Helgoland
Die Gebühren für die Exkursionen werden im 2. Zirkular bekanntgegeben.
Wechsel in der Schriftleitung von Paläontologie aktuell
Mit Heft 42 werden die Mitglieder der Paläontologischen Gesellschaft zum letzten Mal Paläontologie aktuell von Münster aus redigiert erhalten. Über zehn Jahre ist unser Nachrichtenorgan mit Hilfe von Frau M. Portscher, später Frau Dipl. Geol. S. Radau gestaltet worden. Dabei ist der Umfang etwa um das Doppelte gewachsen. Umfaßten die ersten 22 Hefte knapp 600 Seiten, waren es bei den folgenden Heften 23 bis 42 etwa 1200. Um die Finanzen der Gesellschaft zu schonen, wurden stets preiswerteste Druckverfahren ausgewählt. In den letzten Jahren war dazu auch dieses Info-Organ stets im Internet einzusehen, jedoch sollte der handgreifliche, gedruckte Beleg uns ebenfalls nicht nur als Dokumentation erhalten bleiben.
Unsere Gesellschaft wird sich in Zukunft an einem gemeinsamen Mitteilungsorgan geowissenschaftlicher Gesellschaften der festen Erde unter dem Namen GMit beteiligen, welches Sie sicher bereits mit der ersten Sonderausgabe kennen gelernt haben. Das zweite Heft halten Sie jetzt in Händen, es hat alle Beiträge aus Paläontologie aktuell aufgenommen. Dabei finden Sie die meisten Beiträge unter unserem bekannten Logo, allgemein interessante sind in anderen gemeinsamen Rubriken untergebracht. Diese Ihnen jetzt vorliegende Form wird den Mitgliedern unserer Gesellschaft ab 2001 viermal im Jahr in weiterer Zählung der Hefte gesondert zugehen. Das Organ ist also nicht mehr an den Versand der Paläontologischen Zeitschrift gebunden und wird somit immer zu festen Terminen erscheinen.. Herr Herbig als Vorsitzender unserer Gesellschaft und ich als Verantwortlicher der AWS haben uns stets für ein solches gemeinsames Mitteilungsorgan eingesetzt und freuen uns, daß nach vielen Schwierigkeiten nun ein solcher Schritt getan werden konnte.
Auch hier möchten wir alle Mitglieder zur Mitarbeit auffordern. In Heft 38, Seite 1-2, 1998 habe ich über die Annahme unseres Mitteilungsblattes und die dazu notwendige Mitarbeit ein Fazit gezogen. Während die Akzeptanz gut ist, ist die Mitarbeit leider immer noch mehr als mangelhaft. Die seiner Zeit von mir publizierte Kritik gilt in allen Punkten nach wie vor. Ein Wir-Gefühl ist im Gegensatz zu allen anderen geowissenschaftlichen Gesellschaften, die ich während meiner Zeit als Präsident der AWS kennen lernen konnte, in der Paläontologischen Gesellschaft leider unterentwickelt. Hier muß ich wiederum an alle Mitglieder appellieren, Egoismen zum Wohle der Gesamtheit und zum Ansehen unserer Disziplin durch ein Engagement für die Gemeinschaft zu ersetzen. Mögen dann die zitierten Mängel der Vergangenheit angehören!
Die Paläontologische Gesellschaft ist eine internationale Gesellschaft aller deutschsprachigen und deutsch sprechenden Paläontologen. Sie führt nicht den Titel Deutsche....Gesellschaft. Ich wünsche mir, daß diese Internationalität unter Wahrung der deutschen Sprache auch in Zukunft erhalten bleibt und durch einen stärker international geprägten Vorstand so wie in früheren Jahren gefördert wird. Ich hoffe, daß unsere Mitarbeit in dem im wesentlichen von nationalen Gesellschaften getragenen Mitteilungsorgan GMit hier kein Hindernis sein wird.
Unser Mitteilungsorgan Paläontologie aktuell in GMit wird ab dem Jahr 2001 bzw. Heft 43 von Herrn R. Leinfelder , München, weiter betreut werden. Richten Sie bitte also alle Ihre neuen Beiträge vom kommenden Jahr ab an ihn (r.leinfelder@lrz.uni-muenchen.de).
Ich möchte mich an dieser Stelle abschließend bedanken bei denen, die durch Beiträge den Informationsfluß gefördert haben und damit die Mitglieder zu einer interessierten Leserschaft der Mitteilungen werden ließen. Dank sei auch meinen beiden oben genannten Mitarbeiterinnen für ihre nicht zu ihren Dienstobliegenheiten gehörenden Arbeiten gesagt. Unsere Mitteilungen, die jetzt auf einer besseren finanziellen Basis der Gesellschaft aufbauen können, mögen in Zukunft vermehrt Sprachrohr und Klammer der Mitgliederschaft unserer Paläontologischen Gesellschaft sein. Unsere Beteiligung an GMit schließlich möge den Geowissenschaftlern ins Bewußtsein rufen, daß die Wissenschaft über die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten hier zu den Kerndisziplinen gehört und damit die Paläontologie als Scharnier zwischen Bio- und Geowissenschaften herausstellt.
F. Strauch, Münster
Ehrungen
Ehrendoktorwürde für Prof. Dr. K.-H. Heitfeld
In einem feierlichen Akt verlieh die Fakultät für Geowissenschaften, Geotechnik und Bergbau der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Herrn Prof. Dr. H.-K. Heitfeld aus Aachen die Würde eines Doctor rerum naturalium honoris causa. Die breite naturwissenschaftliche, insbesondere geologische und paläontologische Ausbildung sowie die Fähigkeit zu sorgfältiger geologischer Beobachtung vor Ort einerseits, sowie andererseits ein Gespür für die Bedeutung der erdgeschichtlich gewachsenen komplexen Strukturen des Untergrundes für jedes menschliche Planen und Wirken in diesem Bereich ließen H.-K. Heitfeld nach der Promotion bei Franz Lotze neue Wege gehen. Er trug dazu bei, die angewandte Geologie in ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftsrelevanten Bedeutung vor allem im Bergbau und Bauingenieurwesen zu umreißen und zu belegen. Er war Wegweiser in der qualitativen Beschreibung und der quantitativen Erfassung aller Daten des Gesteinskörpers, seiner Spannungs- und Verformungseigenschaften sowie des Wirkens des eingeschlossenen Wassers. So wurde für ihn der erste Lehrstuhl für Ingenieurgeologie einschließlich Hydrogeologie an der RWTH Aachen geschaffen, von wo aus er weltweit mit einer großen Zahl von Schülern wirkte. Seine wissenschaftlichen Leistungen belegen seine vielfältigen Kooperationen, seine zahlreichen Publikationen, darunter ein bedeutendes Lehrbuch, sowie die zahlreichen Ehrungen, die ihn zugleich wieder in die Pflicht nahmen.
Eine Kerneigenschaft zeichnet K.-H. Heitfeld genauso wie seine jüngst verstorbene Frau Hildegard, ebenfalls Doktorandin von F. Lotze, als besonders warmherzigen Menschen aus. Es war ihm ein Bedürfnis, junge Menschen an seinen Erfolgen teilhaben zu lassen, aber auch an Kolleginnen und Kollegen im Beruf oder im Zenit ihres Lebens, an ihren Erfolg wie an ihre Not dachte er. So stiftete er für notleidende Hochschullehrer und deren Familien aus den neuen Bundesländern. Und schließlich errichtete er gemeinsam mit seiner Familie drei Stiftungen für die Geowissenschaften, insbesondere für die Geologie und Paläontologie, die er mit ungewöhnlich hohen Finanzmitteln ausstattete. Er wollte und das ist zugleich in Stiftungssatzungen festgelegt- bewirken, daß im Zeichen immer stärkerer Globalisierung. in der politischen Öffentlichkeit das Bewußtsein dafür geweckt und geschaffen werden, daß unsere Erde ein Planet mit begrenzten Ressourcen ist. Es sei gerade die Aufgabe insbesondere des Geologen, die erdgeschichtlich gewordenen biotischen und abiotischen Ressourcen auch den zukünftigen Generationen zu erhalten. Diese seine fachlichen wie humanen Leistungen waren Grundlage zur Ehrung des durch sein Mäzenatentum herausragenden Prof. Dr. K-H. Heitfeld, dem die Geowissenschaften gratulieren, aber auch herzlich danken.
F. Strauch, Münster
Pressemitteilung durch den Stifter anläßlich der Genehmigung der
Hildegard und Karl-Heinrich Heitfeld-Stiftung
durch den Regierungspräsidenten Dr.J.Twenhöven, Münster
am 13.Oktober, 2000
Die Hildegard und Karl-Heinrich Heitfeld Stiftung dient der Förderung der Geologie-Paläontologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster insbesondere durch die Vergabe von Stipendien an besonders förderungswürdige Studierende und Postgraduierte sowie zur Vergabe von Preisen an herausragende Diplomanden und Promovenden, wobei in der Regel hier jährlich 2 Preise zu jeweils 5.000,- DM ausgelobt werden sollen.
Die Stifter erwarten durch diese Förderung eine positive Wirkung auf alle Studierenden, nämlich den Anreiz zu höchst möglichen Leistungen im Rahmen einer breiten Ausbildung in den gekoppelten Disziplinen der Geologie und Paläontologie. Als angewandte naturwissenschaftliche Disziplinen wecken und schärfen diese Fächer im Zeichen einer immer stärkerer werdenden Globalisierung in der politischen Öffentlichkeit das Bewußtsein dafür, daß unsere Erde ein Planet mit in jeder Hinsicht begrenzten Ressourcen ist, die den heutigen wie den kommenden Generationen ein menschenwürdiges Dasein erlauben. Dazu bringen alleine die Geologie und die Paläontologie das Know-how ein, wie unsere erdgeschichtlich gewachsenen Lebensgrundlagen Boden, Wasser, Luft und Rohstoffe zu nutzen wie auch zu pflegen sind. Das Werden der Lithosphäre, der Hydrosphäre wie der Atmosphäre, aber auch und besonders der Biosphäre über Jahrmillionen müssen heute und in Zukunft Geologen erschließen, um daraus die Situation der Gegenwart, aber erst recht mögliche Szenarien der Zukunft beurteilen zu können. Sie sollen so unsere Gesellschaft für diese grundlegenden Fragen unserer Existenz auf diesem Planeten sensibilisieren. Sie haben mehr als manche andere Disziplin eine Brückenfunktion im technischen Bereich zu den Ingenieurwissenschaften, im politischen Bereich zu den Gesellschaftswissenschaften, in theoretischen und philosophischen Bereichen zu den humanwissenschaftlichen und theologischen Disziplinen wahrzunehmen. Diese gesellschaftspolitische Rolle wird auch zunehmend von der Öffentlichkeit wahrgenommen, so hat beispielsweise die Bundesregierung das Jahr 2002 zum Jahr der Geowissenschaften ausgerufen.
Die Absolventen des Geologie - Paläontologie - Studiums müssen reif für Schlüsselpositionen in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik werden. Die Stiftung möchte Anreize geben, ein breit angelegtes und vernetztes Studium aufzubauen, denn nur so können die Absolventen ihren zukünftigen Aufgaben voll gerecht werden. Die Stifter befürworten keine enge, frühe und einseitige Spezialisierung, sie verlangen vielmehr breites, weit verankertes Wissen und ein Gespür für die Probleme zwischen Mensch, Daseinsvorsorge und Umwelt. Würden sich in diesem Sinne in Zukunft weitere Stifter einbringen, könnte dieses Ziel noch erfolgreicher verwirklicht werden.
Prof. Dr. Dr. h.c. K.-H. Heitfeld, Aachen
"Hildegard und Karl-Heinrich Heitfeld - Stiftung" für die Geologie und Paläontologie in Münster
Im Rahmen eines Ehemaligentreffens des Geologisch-Paläontologischen Institutes der Universität Münster wurde der runden Geburtstage ehemaliger Schüler und Professoren gedacht. So wurden die Professoren K.-H. Heitfeld (75 Jahre) und H. Hölder sowie A. von Schouppé (beide 85 Jahre) geehrt. Leider konnte wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthaltes Prof. Heitfeld nicht anwesend sein, jedoch konnte Prof. Strauch in seiner Laudatio die Zusage einer außerordentlich großherzigen Stiftung von Prof. Heitfeld für das Geologisch-Paläontologische Institut bekannt geben. Diese inzwischen eingerichtete und von den Behörden genehmigte Hildegard und Karl-Heinrich Heitfeld Stiftung (siehe die Pressemitteilung von K.-H. Heitfeld) hat den Zweck der Förderung der Geologie und Paläontologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, insbesondere der Vergabe von Stipendien an besonders förderungswürdige Studierende und Postgraduierte sowie der Vergabe von Preisen an herausragende Diplomanden und Promovenden. In der Regel werden jährlich zwei Preise zu jeweils 5000,- DM ausgelobt. Gerade der Anreiz eines Preises wird dazu beitragen, das Niveau der genannten Prüfungsleistungen und die Attraktivität des Studienortes noch erheblich zu steigern.
Prof. Heitfeld hat nicht nur in Praxis, Forschung und Lehre neue Maßstäbe gesetzt, er ist uns mit seiner Familie inzwischen als großer Mäzen bekannt. Hier sei nur an die umfangreichen Zustiftungen für die Alfred-Wegener-Stiftung erinnert, aus denen unter anderem der Heitfeld - Preis für ein herausragendes Lebenswerk im Rahmen der angewandten Geowissenschaften, der renommiertesten deutschen Auszeichnung in diesem Bereich, alle zwei Jahre im Rahmen einer Geomesse verliehen werden soll. Lehrende und Studierende der Geologie und Paläontologie der Universität Münster sind Prof. Heitfeld und seiner Familie zu außerordentlichem Dank verpflichtet. Wir wissen sein und seiner Familie Engagement zu würdigen, möge es viele Nachahmer finden! Besonders freuen wir uns, daß die Stiftung auch den Namen der im letzten Jahr verstorbenen Gattin von Prof. Heitfeld trägt, die ebenfalls bei Prof. Lotze promoviert worden war.
F. Strauch, Münster
Friedrich von Alberti-Preis 2000
Im Jahr 2000 wird es zwei Alberti-Preisträger geben. Vorstand und Kuratorium der Friedrich von Alberti-Stiftung der Hohenloher Muschelkalkwerke folgten damit der Empfehlung der Paläontologischen Gesellschaft und bestimmten als Preisträger den Bonner Mikropaläontologen Dr. Andreas Braun und den Stuttgarter Wirbellosen-Paläontologen und Paläobotaniker Dr. Günter Schweigert als Alberti-Preisträger 2000.
Die beiden jungen Wissenschaftler repräsentieren nicht nur unterschiedliche Teildisziplinen der Paläontologie, sondern auch unterschiedliche Zielsetzungen. Dr. Schweigert erhält den Preis für seine Verdienste um die Bergung, Dokumentation und Erforschung von Floren und Faunen der Erdgeschichte Südwestdeutschlands, insbesondere der Ammoniten des Oberjura, der Lebewelt der Nusplinger Plattenkalke und des Randecker Maars und deren sedimentologische Analyse und paläoökologische Deutung, sowie um die Popularisierung erdgeschichtlicher Forschung in Süddeutschland durch Ausstellungen und Schriften. Als Konservator am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart liegen seine wissenschaftlichen Schwerpunkte in der Dokumentation und Deutung südwestdeutscher Fossilvorkommen.
Forschungsgebiet und methodik des Universitätspaläontologen Dr. Braun vom Institut für Paläontologie der Universität Bonn ist stärker international ausgerichtet; er erhält den Alberti-Preis für seine Verdienste um die Erforschung paläozoischer Radiolarien (Einzeller), terrestrischer Mikroarthropoden und phosphatisierter Pflanzenreste des Erdaltertums und ihrer paläoökologischen und paläoklimatologischen Bedeutung, um die Popularisierung der Paläontologie im Rahmen des Brohltal-Projekts (Rheinisches Schiefergebirge), sowie um die Entwicklung und Anwendung von optischen Verfahren und Labormethoden.
Beide Wissenschaftler haben auf ihren Gebieten Hervorragendes geleistet und gleichzeitig ihre Forschungsergebnisse auch für die interessierte Öffentlichkeit aufbereitet. Der mit DM 20.000,- dotierte Preis wird zu gleichen Teilen an die beiden Laureaten vergeben. Die Preisverleihung findet am 10. November in öffentlicher Veranstaltung in Ingelfingen (Hohenlohekreis, Baden-Würtemberg) statt. Das Muschelkalkmuseum Hagdorn Stadt Ingelfingen gibt dann mit einer kleinen Sonderausstellung Einblick in die Forschungsgebiete der Preisträger.
Alberti-Stiftung
(Wegen der Umstellung von zwei auf vier Hefte pro Jahr wird hier nur kurz über die eingegangenen Informationen berichtet. Aktuelle Forschungsvorhaben und Projekte siehe in Heft 43)
Bonn Universität, Institut für Paläontologie
Veränderungen im Lehrkörper im Jahr 2000: Pensioniert Prof. Dr. Wolfhart Langer, neu eingetreten Prof. Dr. Martin Langer.
Neue Forschungsschwerpunkte: Molekulare Biologie rezenter und fossiler Eukaryoten; Evolution paläobiogeographischer Muster und Biodiversität mikropaläontologisch relevanter Organismen; prognostisch orientioerte Bio-Geo-Modellierung.
Braunschweig Technische Universität, Institut für Geowissenschaften
Der Studiengang Geologie-Paläontologie ist eingestellt bzw. läuft aus. Alleine eine Geoökologie bleibt erhalten. Die C3-Stelle von P. Carls endet ersatzlos am 31.03.2002. Damit geht wieder ein Standort für den Lehr- und Forschungsbereich Geologie-Paläontologie verloren.
Bremerhaven, Alfred Wegener - Institut f. Polar- und Meeresforschung
Die Paläontologie ist am AWI in die Sektion Paläoumwelt aus Meeressedimenten eingebunden, die zusammen mit den Sektionen Dynamik der Periglazialräume (in Potsdam) und Struktur und Dynamik der Lithosphäre und polarer Eisschilde den Fachbereich Geosystem bildet. Dieser umfaßt einschließlich Doktoranden etwa 110 Wissenschaftler. Weiter ist die Paläontologie mit den Doktoranden über PDs und C-Stellen in die Universität Bremen, Fachbereich Geowissenschaften, eingebunden, wo es ab WS 2000 nur noch den Diplom-Geowissenschaftler geben wird. (im nächsten Heft weitere Details zu Arbeitsschwerpunkten)
Darmstadt, Hessisches Landesmuseum, Geologisch-Paläontologische und Mineralogische Abteilung
Neubesetzung: Dr. O. Sandrock ab 1.4.2000
(weitere Informationen siehe im nächsten Heft)
Greifswald Universität, Institut für Geologische WissenschaftenGreifswald Universität, Institut für Geologische Wissenschaften
Der Lehrstuhl für Paläontologie ist seit Februar 2000 umbenannt in Paläontologie und Historische Geologie, auf den Frau Prof. Dr. Ingelore Hinz-Schallreuter berufen wurde.
Die neuen Forschungsschwerpunkte sind: Biodiversität, Paläobiogeographie und Biostratigraphie; Paläobiologie unter bes. Berücksichtigung der Integumenterhaltung der Ostrakoden; Ostseeforschung; Geschiebeforschung.
Den Wissenschaftspreis der Stiftung Pommern erhielt M. Reich für seine Diplomarbeit über die Holothurienreste (Echinodermata) der Schreibkreide (Unter-Maastrichtium) Insel Rügen/Ostsee am 27.05.2000 (vgl. späteren Bericht).
Göttingen Universität, Institut und Museum für Geologie und Paläontologie
Prof. Dr. D. Meischner ist ab 1.4.2000 im Ruhestand.
PD Th. Brachert wurde neu als Vertretung eingestellt.
Hannover Universität, Institut für Geologie und Paläontologie
Änderungen im Lehrkörper: GD Prof. Dr. R. Fischer 01.04.2000 31.03.2003. Pensionierungen: ab 30.09.2000 Prof. Dr. K. Günther, ab 31.7.2000 AOR Dr. F. Mauthe. Neueinstellungen: ab 01.01.2000 wiss. Ang. Dipl. Geol. C. Helm (Paläont.), 01.01.2000 Dr. I. Schülke, C3 auf Zeit.
Neue Forschungsschwerpunkte: O. Jura in N. Deutschland: Riffe und Invertebraten. Gemeinsames Projekt Univ. Hannover, Landesmuseum Hannover und Univ. Göttingen: Fossilgrabung Langenberg.
Ein Gemeinschaftsstudiengang Geowissenschaften ist seit WS 98/99 installiert.
Heidelberg Universität, Geologisch-Paläontologisches Institut
Priv.-Doz. Dr. Noor M. Farsan wurde 60 Jahre am 15.09.2000. Die Gesellschaft gratuliert sehr herzlich.
Neue Forschungsschwerpunkte: Kreide-Ostrakoden der Antarktis
Münster Universität, Geologisch-Paläontologisches Institut
Mit Ende des WS 2000/2001 geht Prof. Dr. F. Strauch in den Ruhestand. Entgegen bisheriger Gepflogenheiten und bislang gegebener Schwerpunkte ist der Lehrstuhl eingeschränkt auf Schwerpunkt Paläozoikum ausgeschrieben worden. Eine Wiederbesetzung sollte zum SS 2001 erfolgen.
Derzeit laufende Schwerpunkte am Lehrstuhl u.a. vor allem Faunen (Evolution, Paläoökologie, Paläoklimatologie und Paläogeographie) des Känozoikums des Nordsee Beckens und des Nordatlantik - Raumes sowie des östlichen Mediterrans (bes. Griechenland und Albanien).
Dem Institut wurde für die studentische Förderung sowohl im Bereich der Geologie als auch der Paläontologie eine herausragende Stiftung (Hildegard und Karl-Heinrich Heitfeld Stiftung) eingerichtet (vgl. hierzu eigenen Bericht).
Eine neue DPO einschl. entsprechender Studienordnung liegt vor. Hierbei ist mit Billigung einiger Paläontologen die bisherige Lehrveranstaltung Invertebraten-Baupläne in Raum und Zeit, bislang zweisemestrig je 3 Std. Vorlesung und 2 Std. Übungen, auf insgesamt 1 Std. Vorlesung u. 1 Std. Übungen reduziert worden (alternativ Klausur- oder Anwesenheitsbescheinigung)!
Stuttgart, Staatl. Museum für Naturkunde
Prof. Dr. C. König, Museumsdirektor, geht am 30.11.2000 in den Ruhestand.
Würzburg Universität, Institut für Paläontologie
Pensionierungen: Prof. Dr. J. Gandl. Die Wiederzuweisung der Stelle ist fraglich.
Ein Gemeinschaftsstudiengang Geowissenschaften wird zur Zeit erarbeitet.
Zusammengestellt von F.Strauch, Münster
Die Gremien der Alfred Wegener Stiftung (AWS) tagten zuletzt am 3. Juli 2000 in Frankfurt am Main. Nach einer kurzen Vormittagssitzung des Präsidiums versammelten sich am Nachmittag gemeinsam das Präsidium und das Kuratorium der Stiftung. Da die Mitteilungen der AWS wie auch die Zeitschriften Die Geowissenschaften und Geospektrum nicht mehr existieren, besitzt die AWS kein eigenes Nachrichtenorgan mehr, so daß ein Bericht hier ausführlicher vonnöten ist.
Die Trägergesellschaften der AWS werden endgültig zu vier Gruppen zusammengefaßt: Gruppe feste Erde, Gruppe Geographie und Erdkunde, Gruppe Kartographie und Geoinformatik, Gruppe Meteorologie und Hydrogeologie (vgl. auch Paläontologie aktuell, 40: 38, 1999). Deren Sprecher werden zugleich Vizepräsidenten der AWS, deren Zahl damit von eins auf sechs gewachsen ist. Zur Zeit haben die Kollegen Franke, Meurer, Tetzlaff, Wefer, Wellmer und Wintges diese Ämter inne. Zum Schatzmeister wurde Herr Negendank, Potsdam, gewählt, zum Geschäftsführer Herr Greiner, Potsdam, ernannt.
Die AWS GmbH wurde inzwischen liquidiert, da die Stiftung keine geschäftlichen Aktivitäten mehr pflegt. Eine Messe in Verantwortung der AWS wird es nicht mehr geben. Die geotechnica als etablierte und professionell ausgerichtete internationale Messe und Kongreß für Geowissenschaften und Geotechnik und damit als Schaufenster der Geowissenschaften gehört damit ein für allemal der Vergangenheit an. Damit geht auch ein über Jahre erarbeitetes fundiertes eigens Know-how der AWS im Messegeschäft verloren. Ich bedauere dieses zutiefst.
Über die Aktivitäten des Fördervereins der AWS lagen keine Informationen vor.
Der Jahresabschluß des Haushaltes endete für 1999 mit einem Verlust von gut 100.000 DM, hervorgerufen durch die Teilnahme an der Geospectra Düsseldorf und dem notwendig gewordenen Umzug der Stiftung nach Berlin.
Die AWS ist inzwischen auf 22 Trägergesellschaften gewachsen, womit sich sicher auch das Stiftungskapital durch Zustiftungen der neuen Mitglieder erheblich erhöht haben wird.
Das Jahr 2002 ist vom Bundesminister für Bildung und Forschung offiziell zum Jahr der Geowissenschaften erklärt worden. Diese Aktion richtet sich an die Öffentlichkeit und soll die gesellschaftspolitische Bedeutung der Geowissenschaften und ihrer Forschungsfelder darstellen. Die PUSH Initiative Dialog Wissenschaft und Gesellschaft, die von mehreren Wissenschaftsorganisationen und dem BMBF getragen wird, befürwortet laut Sitzungsprotokoll die AWS als Hauptpartnerin für das Geojahr, da ihre 22 Trägergesellschaften nahezu alle Bereiche der Geowissenschaften und des Bergbaus vertreten. Im Herbst dieses Jahres soll seitens der AWS ein Workshop zur Vorbereitung einer Programmkonzeption für das Geojahr 2002 durchgeführt werden, zu dem die Trägergesellschaften Wissenschaftler benennen sollen. Die Verleihung des Heitfeld-Preises und des Georgi-Preises, eigentlich für 2001 fällig, soll auf 2002 verschoben im Rahmen großer und herausragender Veranstaltungen erfolgen, da die Verleihung nach der Preissatzung auf einer Geomesse der AWS nicht mehr möglich ist. Eine Ausschreibung der Preise ist bislang noch nicht erfolgt.
Die AWS hat im Jahr 1999 insgesamt 11 Hefte von Terra Nostra herausgegeben. Diese sind durch die Geschäftsstelle der AWS, Arno-Holz.-Straße 14, 12165 Berlin, zu beziehen (weitere Informationen siehe im Internet).
F. Strauch, Münster
Ausstellungen, Sammlungen und Museen
...so lautet der Titel einer Sonderausstellung über Fossilien aus dem Nusplinger Plattenkalk, die noch bis zum 1. April 2001 im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (Museum am Löwentor) zu sehen ist. Seit 1993 gräbt das Stuttgarter Museum mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft im einzigen fossilführenden Plattenkalk-Vorkommen im Weißen Jura der Schwäbischen Alb, zwischen Balingen und dem Tal der Oberen Donau gelegen. Im Zentrum der Ausstellung stehen spektakuläre Funde, wie die bekannten Meerengel, rochenartige Haie, von denen bei dieser neuen Grabung bereits 8 gut erhaltene Exemplare gefunden wurden. Sie sind so häufig, daß man von einem Wappentier des Nusplinger Plattenkalks sprechen kann.
In einem großen Meeres-Diorama wird der einstige Lebensraum dieser Tierart nachgestellt. Aber auch die übrige Tierwelt, die vor 150 Millionen Jahren eine tropische Lagune im Jurameer bevölkerte, ist in einem reichen Spektrum vertreten. Es reicht von mikroskopisch kleinen Radiolarien bis zum Meereskrokodil Geosaurus. Ammoniten mit Resten der Perlmuttschale, Kiefern oder gar Mageninhalten, Tintenfische mit ausgelaufener Tinte, von Seekatzen zerbissene Belemniten, Seeigel einer neuen Art mit lanzenartigen Stacheln, die Riesenlibelle Urogomphus nusplingensis und natürlich auch Wirbeltiere wie Schmelzschuppenfische, echte Haie und Flugsaurier werden vorgestellt.
Von Inseln im Jurameer stammen auch die in organischer Substanz erhaltenen Pflanzenreste von Nadelhölzern und Samenfarnen und der älteste bisher bekannte Erdläufer aus der Gruppe der Hundertfüßler. Garnelenartige Krebse sind teilweise so gut erhalten, als kämen sie gerade aus der Auslage eines Delikatessengeschäfts.
Eine Anzahl kleinerer Fossilien zeigen erst unter UV-Licht Besonderheiten ihrer Erhaltung. Sie werden deswegen in einer mit Plattenkalk gedeckten Hütte präsentiert, die gleichzeitig an die einstige Verwendung des Nusplinger Plattenkalks erinnern soll. In einem Grabungszelt ist eine Original-Grabungsfläche im Plattenkalk zu sehen und zu begehen. Da und dort kann man selbst Fossilien entdecken und gewinnt so eine Vorstellung, wie die Fossilien gefunden werden. Kurzfilme vermitteln einen Eindruck von der Grabung und der Präparation der Fossilien.
Der gegenwärtige Kenntnisstand über den Nusplinger Plattenkalk und seine Fossilien wird im neu erschienenen Heft 45 in der C-Reihe der Stuttgarter Beiträge zur Naturkunde erläutert. Das farbig illustrierte Heft (59 Abbildungen, DM 12.-) ist am Infostand des Naturkundemuseums oder postalisch über die Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums e. V., Rosenstein 1, 70191 Stuttgart, erhältlich. Die Ausstellung ist bis zum 7. Januar 2001 zu sehen. Begleitveranstaltungen wie Vorträge und Präparationsdemonstrationen sind dem Monatsprogramm des Stuttgarter Naturkundemuseums zu entnehmen.
Öffnungszeiten:
Di-Fr: 9-17 Uhr, Sa, So, Feiertag: 10-18 Uhr; Mo geschlossen.
Eintritt:
Erwachsene 4.- (ermäßigt 2.-), Kinder ab 6/Schüler 2.-, Schüler in Klassen 1.-, Familien 8.-
Internet-Adresse: http://www.naturkundemuseum-bw.de
Ansprechpartner:
Dr. Gerd Dietl
Staatliches Museum für Naturkunde
Rosenstein 1
70191 Stuttgart
Tel.: 0711-8936146
Fax: 0711-8936100
Sonderausstellung über Flugsaurier im Jura-Museum
Unter dem Titel Drachen der Lüfte zeigt das Jura-Museum in der Zeit vom 8. Juni 2000 bis zum 7. Januar 2001 eine Sonderausstellung über Entwicklung und Leben der Flugsaurier. Flugsaurier waren die ersten Wirbeltiere, die den Luftraum eroberten, und sie beherrschten ihn 155 Millionen Jahre lang. Sie brachten die größten Flugtiere aller Zeiten mit Flügelspannen bis 12 Meter hervor. Das Geheimnis ihres Erfolges war ihr perfektes Design für das Fliegen. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Flugsaurier von ihrem ersten Erscheinen in der Trias vor 220 Millionen Jahren bis zu Ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren. Diese Entwicklung wird durch einzigartiges Originalmaterial aus verschiedenen Museen und Privatsammlungen dokumentiert, das in dieser Form noch niemals zuvor in einer Ausstellung gezeigt wurde. Die Originale werden durch Abgüsse ergänzt. Den Schwerpunkt bilden die Flugsaurier aus den Solnhofener Plattenkalken, der weltweit bedeutendsten Fossillagerstätte für Flugsaurier. Nahezu alle Arten sind in der Ausstellung vertreten. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Flugsaurier aus der Unterkreide (Crato- und Santana-Formationen) Nordostbrasiliens mit neuem, noch unveröffentlichten Material. Der Star unter ihnen ist ein Hauben-Flugsaurier der Familie Tapejaridae mit einem riesigen, sonderbaren Kopfsegel, dessen Funktion noch nicht geklärt ist. Das Stück wird gerade wissenschaftlich bearbeitet. Die Ausstellung erörtert auch Aussterben und Fossilisation der Flugsaurier, zieht Vergleiche mit anderen fliegenden Wirbeltieren und geht auf biologische Fragestellungen wie Ernährung, Physiologie, Fortpflanzung, Brutpflege und Entwicklung ein. Von besonderem Interesse sind auch die vor einigen Jahren bei Crayssac in Südwestfrankreich entdeckten Flugsaurierfährten, von denen erstmals in Deutschland Abgüsse gezeigt werden. Sie belegen eindeutig eine vierfüßige Fortbewegungsweise der Flugsaurier am Boden.
Attraktiv für Besucher sind sicher auch die Lebensmodelle verschiedener Flugsaurier, sowie das Skelettmodell eines Riesenflugsauriers (Arambourgiania) mit 11 m Flügelspannweite . Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Führer zum Preis von DM 8,- erhältlich.
G. Viohl, Eichstätt
Tagungen
5th International Meeting of the Society of Avian Paleontology and Evolution (SAPE)
and the Symposium on Jehol Biota 1.6.-4.6.2000 Beijing, VR China
Zum Treffen der Society of Avian Paleontology and Evolution (SAPE), das nur alle vier Jahre stattfindet, lud dieses Jahr das Institute of Vertebrate Paleontology and Paleoanthropology (IVPP) nach Peking. Dem Ruf ins Land von Confuciusornis & Co. folgten etwa 60 Teilnehmer aus 17 Ländern.
Eine der Tagung vorausgehende 4-tägige Exkursion durch die nordwestlich von Peking gelegenen Provinzen Liaoning, N-Hebei und Innere Mongolei gab den ca.40 Teilnehmern die außergewöhnliche Möglichkeit, diejenigen Fundstellen zu besuchen, deren kreidezeitliche Wirbeltierfaunen in jüngster Vergangenheit immer wieder für Furore sorgten. Seit Jahren ist diese Fauna Basis für interdisziplinäre Untersuchungen besonders zu den Themen: befiederte Dinosaurier und Ursprung und Evolution der Vögel.
Neben einer fürstlichen Behandlung in Form einer Begleit-Eskorte bestehend aus verschiedenen Politikern der Provinzen, mehreren Kamerateams des chinesischen Fernsehens und Polizei während der gesamten Exkursion war den Exkursionsteilnehmern ein ganz besonderer paläontologischer Glücksfall vergönnt. Während einer Schaugrabung an der Hauptfundstelle Sihetun bei Beipiao durften sie den Fund eines kreidezeitlichen Vogels miterleben. Auf dem Exkursionsprogramm standen neben den z. T. außergewöhnlich reichen Wirbeltierfunstellen auch der Besuch mehrerer paläontologischer Museen in Jingzhou und Xiaofu.
Vom 1.- 4. Juni spannten ca. 55 wissenschaftliche Präsentationen einen weiten Bogen von jurassischen bis zu rezenten Vögeln, von Abstammungshypothesen der Vögel bis zur histologischen Entwicklung von Federn und der Mikrostruktur von Vogel- und Dinosaurierknochen und ihrer Bedeutung für den Ursprung des Fliegens, von osteologischen Besonderheiten von Zehen und Fingern bis hin zu Gehirnhöhlen und deren Rückschlüsse für die Phylogenie und von Systematik, Taxonomie, Osteologie und Avifaunenvergesellschaftungen bis zu Palaeogeo- und Biostratigraphie. Am Nachmittag des 2. Juni fand in einer Parallel-Sitzung das Symposium on Jehol Biota statt.
Abschließend stand eine Besichtigung der Peking-Mensch Fundstelle Zhoukoudian ca. 30 km SW Pekings und ein Besuch des geologischen Museums von Peking auf dem Tagungsplan.
Vorab und im Anschluß an die Tagung nutzten mehrere Kollegen die Gelegenheit Vertebratenmaterial des IVPP zu studieren.
Während SAPE bislang eine unstrukturierte Interessensgemeinschaft war einzig mit ihrer bisherigen Organisatorin Cécile Mourer-Chauviré (Lyon) als secretary wurde im Zuge dieses Treffens eine Umgestaltung in eine organisierte Gesellschaft beschlossen. Ken Campbell (Los Angeles) konnte als President, Per Ericson (Stockholm) als Vize und Gerald Mayr (Frankfurt) als secretary gewonnen werden.
Mitgliedschafts-Interessierte wenden sich bitte an: gmayr@sng.uni-frankfurt.de
U. Göhlich, München
Treffen der deutschsprachigen Ostracodologen in Tübingen
Vom 23.- 26.6.2000 fand auf freundliche Einladung der Kollegen Horst Janz und Alexander Liebau im Institut für Geologie und Paläontologie der Universität Tübingen das Treffen der deutschsprachigen Ostracodologen statt. Wegen terminlicher Überschneidungen fand sich leider nur eine kleine Gruppe ein, darunter aber erfreulicherweise auch wieder Neulinge.
Nach einem informellen Treffen in gemütlicher Runde am Abend des 23.6. wurde am 24.6. der schwäbische Jura besucht und unter Anleitung von A. Liebau Proben im Dogger und unt. Malm in der Umgebung des Plettenberges entnommen. Die Probennahme im Lias fiel leider ins Wasser, da es ab dem späten Nachmittag regnete.
Am 25.6. stellten sich die 18 Teilnehmer kurz vor bevor 10 Vorträge über laufende bzw. geplante Ostracoden-Untersuchungen gehalten wurden. Dabei wurden Themen wie die subfossile Weichteilerhaltung, die ökologische und stratigraphische Auswertung känozoischer Ostracodenfaunen, die Biostratigraphie im Jura und im Unterdevon, und zum Schluß noch kontrovers die früheste Entwicklung der Ostracoden im Kambrium diskutiert.
Am 26.6. stellte H. Janz bei strahlendem Sonnenschein noch auf einer kurzen Wanderung die Geologie des Steinheimer Becken vor und ermöglichte uns den Besuch des (montags geschlossenen) Meteorkratermuseums und die Probennahme in der ehemaligen Pharionschen Sandgrube (jetzt Naturdenkmal) in Steinheim.
Das nächste Treffen der deutschsprachigen Ostracodologen soll erst in 2 Jahren stattfinden, d.h. in Zukunft immer alternierend mit dem Internationalen (das nächste ist 2001 in Japan) und Europäischen Ostracodologen-Treffen (EOM V ist voraussichtlich 2003 in Spanien). Das freundliche Angebot von Herrn Peter Schäfer (Geol. Landesamt Mainz) im Jahr 2002 das Mainzer Becken vorzuführen, fand große Zustimmung.
Ein großer Dank gebührt den beiden Kollegen H. Janz und A. Liebau für die Organisation dieses anregenden Treffens mit der Möglichkeit sowohl zur Probennahme auf zwei Exkursionen als auch Diskussionen in gemütlicher Atmosphäre.
H. Groos-Uffenorde, Göttingen
Bericht über das erste internationale Treffen über Paläoarthropodologie
in Ribeirão Preto-SP, Brasilien,
vom 30. August bis zum 12. September 2000
Mit 50 bis 60 Teilnehmern aus 10 Ländern (Argentinien, Brasilien, Deutschland, Groß-Britannien, Italien, Polen, Rußland, Spanien, Uruguay und den USA) war dieses Paläoarthropodologen-Treffen keine unüberschaubare Groß-Tagung, aber die internationale Beteiligung in kollegial-freundlicher Atmosphäre sorgte für einen intensiven Informationsaustausch, wie er bei größeren (eher anonymen) Tagungen selten aufkommt.
Der Koordinations-Leitung des Treffens muß ein großes Lob ausgesprochen werden. Prof. Dr. Rafael Gioia Martins-Neto und sein Team sorgten für einen professionell organisierten, reibungslosen und entspannten Ablauf, den man sich auch für manches andere Symposium wünschen würde.
Der Vortrags-Teil wurde von verschiedenen ganztägigen Kursen und einer dreitägigen Exkursion eingerahmt. Die Kurse wurden sehr gut angenommen und waren mit jeweils 25 Teilnehmern vollständig ausgelastet.
Am 3.09.2000 fand die offizielle Eröffnung des Treffens bzw. die Begegnung der Teilnehmer im Rahmen eines Grillfestes auf dem Gelände der Chácara Boa Vista bei Ribeirão Preto statt.
Bei dieser Gelegenheit wurden zwei namhafte brasilianische Paläontologen geehrt:
Prof. Dr. Irajá Damiani Pinto und Prof. Dr. Olavo Soares.
Vom 4.09. bis 8.09.2000 gab es ein interessantes wissenschaftliches Vortrags-Programm mit folgenden Schwerpunkt-Themen:
Bernstein
Conchostraca
Systematik und Paläoökologie der Arthropoden
Interaktionen von Arthropoden mit sonstiger Fauna und Flora, Ernährungs-Verhalten, Taphonomie
Südamerika-Symposium, Teil 1
Südamerika-Symposium, Teil 2, Ostracoda und andere Crustacea und Arachnida
Paläoichnologie
Arthropoden-Sammlungen in Museen und Laboratorien; Fossil-Handel und Gesetzgebung; Lehr-Praxis
An den folgenden Tagen 10.09. bis 12.09.2000 fanden die Exkursionen im Bundesstaat São Paulo: Ribeirão Preto, Monte Alto, Piraçununga, Rio Claro, Itu, Taubaté statt.
In den Pausen zwischen den Vorträgen trafen sich Tagungs-Teilnehmer aus Europa und der Neuen Welt, um sich über die Gründung einer Internationalen Paläoentomologischen Gesellschaft zu beraten. Die konkrete Umsetzung soll dann 2001 bei der nächsten internationalen Tagung in Krakau erfolgen.
An dieser Stelle soll hervorgehoben werden, daß sich speziell über die prekäre Situation des Santana-Insektenmaterials eine intensive Diskussion ergab: Während nur gut 800 Stücke in südamerikanischen Museen hinterlegt sind, befinden sich über 16.000 Stücke nachweislich in Sammlungen außerhalb Südamerikas (hauptsächlich Deutschland, USA und Japan); eine sehr hohe Dunkelziffer nicht archivierter, in Privathand befindlicher Stücke ist mehr als wahrscheinlich. (Bei zahlreichen Gelegenheiten werden z.B. von Privat an Privat etliche ausgezeichnet erhaltene Santana-Insekten angeboten.) Dieser Zustand hat zur Folge, daß wissenschaftliche monographische Bearbeitungen kaum noch möglich sind bzw. nur mit sehr viel Aufwand (nicht nur an Reisen) durchgeführt werden können. Auf jeden Fall geht durch die Ausbeutung dieser Fundstelle ein enormes Potential an paläoentomologischen Kenntnissen verloren. Die hiervon betroffenen südamerikanischen Kollegen wiesen darauf hin, daß ihnen von vielen Stücken zwar Photos vorliegen, die deren Bedeutung erkennen lassen, von denen aber eine nähere wissenschaftliche Bearbeitung wegen unklaren Verbleibs unmöglich ist.
Wie dem abgeholfen werden kann ist fraglich. Möglicherweise ist die Lage wohl nur mit nachdrücklicher angewandter Bodendenkmals-Gesetzgebung und verschärften Ausfuhrgenehmigungen in Südamerika zu verbessern. Aber auch eine einfühlsamere Behandlung auf den Hauptmärkten des Fossil-Handels wäre dringend nötig. Wünschenswert wäre eine Archivierung des Großteils des Materials in großen, angesehenen, südamerikanischen Museen und Instituten.
E. Gröning & C. Brauckmann, Clausthal-Zellerfeld
Kaerlein-Bibliographie der Geschiebekunde PC-Version
(Microsoft WinWord bzw. Lotus WordPro)
Seit der ersten Ausgabe einer geschiebekundlichen Bibliographie durch Kaerlein 1969 hat sich der Umfang an Literatur zu diesem Thema vervielfacht. Diese Bibliographie wurde bereits mehrfach ergänzt, wird ständig weitergeführt und die Ergänzungen werden regelmäßig veröffentlicht.
Per EDV erfaßt sind bisher ca. 8000 Titel zu den Geschieben des pleistozänen Vereisungsgebietes von Nordeuropa (einschließlich themenbezogener Mehrfachnennungen und Ergänzungen aus den Jahren 1998 bis Mai 2000).
Die Teile I, II und III (Kaerlein 1969, 1985, 1990) sowie Teil IV (Schallreuter 1998) liegen nun in Form von 3 Disketten (3,5) vor und sind bei der Gesellschaft für Geschiebekunde c/o PD Dr. R. Schallreuter Geologisch-Paläontologisches Institut und Museum der Universität Hamburg, Bundesstraße 55, D-20146 Hamburg,
für 25 DM (12,78  ) erhältlich.
Titelanzahl: ca. 7000
Veröffentlichungszeitraum: 1711-1997
Themenbereiche:
Geschiebe-Paläontologie, Petrographie der sedimentären sowie der kristallinen (Leit-)-geschiebe, Methodenlehre (Geschiebezählungen/statistik), Allgem. Geschiebekunde, Regionale Geschiebekunde (Quartärgeologie, Fundorte, heimatkundliche Literatur), Naturschutz der Geschiebe (Findlinge, Blockstrände), Angewandte Geschiebekunde (Mineralien-Exploration, Flintartefakte, Bernstein, Baumaterialien) u. v. a. m.
Untersuchungsgebiete:
das gesamte nordeuropäische Vereisungsgebiet (England, Niederlande, Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Tschechien, Polen, (ost-)baltische Länder, Russland.
Jede Zitation liegt soweit möglich ungekürzt vor (DIN 1505 Teil II). Angestrebt wurde, die Originalschreibweise von Titel und Publikationsorgan wiederzugeben. Zusätzlich zur Bandnummer wird soweit bekannt auch die Heftnummer angegeben.
Viele Zitationen sind bereits kommentiert. Geplant ist, zu allen Arbeiten thematische Stichwörter anzugeben. Hierdurch wird es nach und nach möglich, neben der herkömmlichen Suche nach Stichworten in Titeln, auch weitere Suchabfragen zum Inhalt einer Arbeit und z. B. zu bestimmten Fossilgruppen durchzuführen.
Wer jetzt schon dabei ist, wird spätere Updates kostengünstig erhalten!
G. Schöne, Hamburg
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß Buchbesprechungen nur von paläontologisch bedeutsamen Werken von breitem Interesse nach vorheriger Absprache mit dem Vorstand bzw. mit der Redaktion im maximalen Umfang von einer Seite gedruckt werden. Wir bitten, auch in Zukunft hierauf zu achten.
Hauschke, N. & Wilde, V. [Hrsg.] (1999): Trias, eine ganz andere Welt: Mitteleuropa im frühen Erdmittelalter. 647 S.; München (Dr. Friedrich Pfeil), DM 156,47.
Im September 1998 fand in Halle (Saale) das International Symposium of the Epicontinental Triassic statt, das von einer Ausstellung mit dem Namen: Trias, eine ganz andere Welt: Europa vor 250 Millionen Jahren begleitet wurde. In Verbindung mit dieser Ausstellung entstand ein in vieler Hinsicht schwergewichtiger Sammelband, der den Anspruch erhebt: ... eine in Form und Umfang bislang einmalige Zusammenschau der Trias in Mitteleuropa ... vorzulegen, ... die den aktuellen Forschungsstand wiedergibt. In 50 Beiträgen, gegliedert in 6 Hauptkapiteln, setzten sich 56 Autoren mit der Trias Mitteleuropas auseinander.
Im 1. Abschnitt wird die Entstehung des Begriffs Trias und deren Abgrenzung zu Perm und Jura verdeutlicht. Ein kurzer Überblick über die Klimasituation Pangäas vervollständigt das Bild; es ist schade, daß Gondwana hier etwas übergangen wird. In dem außerordentlich informativen 2. Kapitel wird die stratigraphische und paläogeographische Gliederung des Germanischen Beckens vorgestellt. Besonders hervorzuheben sind die Abhandlungen zur Faziesgliederung von Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper (mit der neuen beckenübergreifenden Keupergliederung und besonders informativen farbigen Fazieskarten). Das vom Umfang größte Kapitel (Abschnitt 3) beschäftigt sich mit der Lebewelt (von den Palynomorphen bis hin zu den Vertebraten) und Paläoökologie im Germanischen Becken. Auch dieses Kapitel überzeugt mit einer Vielzahl von informativen Fotografien, Fototafeln im Text, Faziesdarstellungen und stratigraphischen Tabellen. In Kapitel 4 bilden wirtschaftliche, technische und kulturgeschichtliche Aspekte (u.a. der Einfluß der Trias auf den Weinbau) einen eigenen Themenschwerpunkt. Bedeutende Trias-Forscher werden in Kapitel 5 gewürdigt. Das letzte Kapitel wird dem eiligen Nutzer dieses Kompendiums sehr entgegenkommen: Ein mehrfach gegliederter Index (Lebewesen, stratigraphische Einheiten, Orte und Personen) ermöglicht einen raschen gezielten Zugriff auf die gesuchten Informationen.
Das außerordentlich gut gegliederte Buch lädt zum Lesen und zum Verweilen ein. Querverweise zwischen den Einzelbeiträgen belegen den geplanten Aufbau, ärgerliche Doppelbarbeitungen und Lücken an anderen Stellen werden vermieden. Das Format (21,5 x 24,0 cm) läßt Raum für eine zweispaltige Textdarstellung eine dritte (halbe) Spalte steht den Abbildungsbeschriftungen zur Verfügung sowie für großformatige, farbige Abbildungen und Tabellen, die dank der guten Papierqualität, keine Wünsche offenlassen. Bei aller Vielfalt von Schwarzweiß- und Farbabbildungen, Handzeichnungen und Computergraphiken ist der Qualitätsstandard sehr hoch. Hier sei erwähnt, daß, wenn sich die Möglichkeiten der Farbabbildung bietet, diese zumindest bei Computergraphiken genutzt werden sollte. Wenige markante Farben stehen im Informationsgehalt weit über einer Kombination von Schraffuren und Grautönen. Ein kontrastreiches Schwarzweißbild jedoch kann einem Farbfoto überlegen sein.
Ein derartig aufwendig gestaltetes Buch - Dank an den Mut des Verlages Dr. Friedrich Pfeil - muß sich an eine breite Zielgruppe wenden und richtet sich auch an Leser mit einem geologisch-pläontologischen Grundwissen. Die Texte sind bei aller Aktualität allgemeinverständlich gehalten; wo immer Spezialgebiete angerissen werden, sorgen z.T. ausführliche Erläuterungen für ein rasches Verständnis.
Die Trias ist ein spröde Geliebte, die sich im Germanischen Becken häufig hinter ihren bekannteren Untereinheiten Buntsandstein, Muschelkalk & Keuper versteckt. Dieses Buch ist eine Lieberserklärung an die gesamte Germanische Trias. Es wird seinem Anspruch gerecht, wissenschaftlich auf dem neuesten Stand zu sein, es ist spannend zu lesen und für 80 EURO eine preiswürdige Anschaffung, die in keiner Bibliothek fehlen sollte.
U. Jenchen, Münster
Ruthmann, A. (2000): Evolution und die Vielfalt des Lebens. 466 S., 166 Abb.; Shaker Verlag GmbH, Aachen 2000, ISBN 3-8265-7006-5, DM 68,-.
Liest man den Titel, glaubt man, dieses Buch in eine Vielzahl von Büchern ähnlicher Thematik zusammenfassender biologischer Literatur einreihen zu können. Doch dieses Buch stellt sich anders dar (nicht nur, daß es sich nicht des heute üblichen Verständigungsmittels bedient!). In fast erzählender Sprache wird der Leser zuerst in die Geschichte der Erkennung und Erforschung der Evolution des Lebens eingeführt, deren Grundfragen im ersten Hauptteil des Bandes Mechanismen der Evolution übersichtlich und selbst für den Außenstehenden leicht verständlich erörtert werden. Von Arten, ihrer Entstehung und Stammbäumen bis zur Phänomenologie der Evolution handeln die Unterkapitel, die die Wege zu Aussagen über verwandtschaftliche Beziehungen mit Hilfe klassischer wie neuerer molekularbiologischer Verfahren erschließen. Die Frage, ob die Entwicklung stetig oder schubweise vor sich ging, berührt bereits Probleme, bei denen sich besonders der Paläontologe angesprochen fühlt.
Der zweite und umfangreichere Hauptteil des Bandes schließlich (S.115 bis zum Ende!) trägt den Titel Geschichte des Lebens und stellt tatsächlich eine Lebens- und damit auch Erdgeschichte dar, die chronologisch von der Entstehung des Lebens vor fast 4 Ga bis zu Homo sapiens führt. Dieses aus der Sicht bzw. aus der Feder eines Neontologen ist mehr als ungewöhnlich, aber gerade darum besonders erfreulich und lesenswert. In der Regel stützen sich zoologische oder botanische Lehrbücher überwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich bei der Darstellung der Vielfalt des Lebens bzw. der Evolution der Organismen auf indirekte Belege am rezenten Material. Hier greift aber ein Biologe auf paläontologisches Material zurück, welches leider nur allzu häufig von Geologen interpretiert und damit dilettantisch dargestellt wurde und wird. Der Autor bemerkt, daß gerade an fossilem Material in den letzten Jahren aufregende Entdeckungen gemacht wurden. Und schließlich kann man nur aus der Paläontologie durch deren direkte Belege erfahren, was wirklich passiert ist, was so von vielen Biologen nicht gesehen wird. Die Schwerpunkte liegen in der paläontologischen oder besser (und im strengen Sinne des Begriffes) gesagt paläobiologischen Behandlung der Naturgeschichte, wobei der Autor zu Recht feststellt, daß die Paläontologie als Tochter der Geologie im Biologiestudium oft zu kurz kommt.
So wird der Leser vom Urknall bis in die heutige Welt durch die Erd- und Lebensgeschichte an Hand wichtiger fossiler Belege und Ereignisse geführt. Aus paläobiologischer Sicht erscheint das erdgeschichtliche Geschehen in logischer Konsequenz, der es rein geologischen Darstellungen auf mangelt. Es sei hier nur an die Alvarezsche Mär erinnert, die hier relativiert wird. Alle bedeutenden Ereignisse der Lebensgeschichte werden mit wichtigen Fakten belegt, spannend und in der Regel präzise dargestellt, wobei neueste Literatur, wenn auch in einer subjektiven Auswahl, aufgenommen worden ist. Dabei ist der leicht lesbare Text mit dem in erzählender Weise vermittelten Stoff lehrbuchhaft umfassend und ausreichend zur Vermittlung wesentlicher Teile der Lebensgeschichte. Und so wäre der Titel des Buches auch kennzeichnender gewesen, wenn die beiden Hauptkapitel darin eingegangen wären: Evolution und Lebensgeschichte
Jedenfalls handelt es sich um ein sehr ansprechendes Lehr- und Lesebuch., dem eine weite Verbreitung vergönnt sein möge. Vor allem den biologischen Lesern möge es vermitteln, wie spannend die von diesen oft vernachlässigte oder als antiquiert angesehene Paläontologie sein kann. Darüber hinaus aber kann es in seiner klaren Diktion und ausgezeichneten Lesbarkeit allen an erd- und lebensgeschichtlichen Fragen Interessierten zur Lektüre empfohlen werden.
F. Strauch, Münster
Storch, G. & Weddige, K. [Hrsg.] (2000): Advances in Vertebrate Palaeontology. Special issue of Senckenbergiana lethaea, 80 (1): 1-353; Frankfurt am Main, ISSN 0037 2110, DM 49,- .
Die Aktivität wirbeltierpaläontologischer Forschung spiegelt sich in einer zunehmenden Präsenz dieser Fachrichtung auf Tagungen wider, zeigt sich aber auch in einer großen Zahl eingereichter Manuskripte in Fachzeitschriften. Anlaß genug für Senckenbergiana lethaea einen Themenband zusammenzustellen, der mit insgesamt 16 Artikeln ein buntes Potpourri aktuellster Forschungsergebnisse der Vertebratenpaläontologie präsentiert.
Den größten Anteil nehmen wie immer die Beiträge über fossile Säugetiere ein. J. L. Franzen beschreibt zwei neue Primatentaxa aus dem Eozän von Messel, wobei er bereits länger bekannte, kopflose Postcrania einem neuen Schädelfund zuordnen kann. Th. Mörs & W. v. Koenigswald stellen den ältesten bekannten Vorfahren der Seehunde aus der oberoligozänen Lokalität Enspel vor. Vier Paper beschäftigen sich mit miozänem Fossilmaterial: Mit der Analyse der Beuteltiere, Insektenfresser und Fledermausreste führt R. Ziegler die wissenschaftliche Auswertung der Fundstelle Sandelzhausen fort. E. Kordikova berichtet über eine kleine Insektivorenfauna, die aus dem Untermiozän des südöstlichen Kazakhstan stammt. G.D. Koufos stellt neues Hipparionen-Material aus Griechenland vor, und M. Rummels Beitrag beinhaltet eine detaillierte Übersicht und vergleichende Untersuchungen zu den Hamstern der Gattung Cricetodon aus der süddeutschen Lokalität Petersbuch. Des weiteren legen Z. Qiu & G. Storch eine Bearbeitung der sehr diversen, unterpliozänen Kleinsäugerfauna aus dem mongolischen Bilike vor. Kontroverse Diskussionen wird sicherlich der Artikel von L. Maul, L. Rekovets, W.-D. Heinrich, Th. Keller & G. Storch auslösen. Die Autoren schlagen die Ablösung von Arvicola cantianus durch A. mosbachensis als neue stratigraphische Referenzart für das Mittelpleistozän vor. Sehr ausführlich wird von J.L. Franzen, E. Gliozzi, Th. Jellinek, R. Scholger & M. Weidenfeller die Geologie und Paläontologie der spätaltpleistozänen Fossillagerstätte Dorn-Dürkheim 3 besprochen (mit leider etwas zu dunklen Tafelabbildungen) .
Drei sehr interessante Artikel beschäftigen sich mit fossilen Vögeln. Als neue Art beschreiben D. Peters & A. Hamedani einen der ältesten bekannten Sturmvögel aus dem iranischen Rupelium. In einem separaten Beitrag stellen B. Hamrsmid & F. Rögl die biostratigraphische Abfolge der Fundstelle dar. Aus dem Eozän von Messel macht G. Mayr einen frühen Vertreter aus der Verwandtschaft der Hühnervögel bekannt. Von G. Mayr wird außerdem ein raubvogel-ähnliches Vogelfossil aus der untereozänen Green River Fm. Wyomings beschrieben. Im Vergleich mit englischem Material kann er die engen Beziehungen der Avifaunen Nordamerikas und Europas im frühen Alttertiär belegen.
Der Band enthält jeweils einen Beitrag zu fossiler Herpetofauna bzw. zu fossilen Fischen. Basierend auf reichem Material legt T. Rossmann eine detaillierte anatomische Untersuchung unterpermischer Mesosauriden aus Südamerika und Afrika vor. Aus der marinen Oberkreide des Libanons beschreiben A. Bannikov & F. Bacchia einen neuen Heringsverwandten, für den sie, aufgrund vielerlei morphologischer Besonderheiten, eine neue Familie begründen.
Der sehr schön und drucktechnisch hochwertig gestaltete Sonderband ist eine wichtige Quelle für den Spezialisten, sich über die neuesten Aktivitäten der Kollegen in In- und Ausland zu informieren. Er lädt durchaus auch zum Stöbern ein, insbesondere in den Bereichen, mit denen man selber fachlich nicht unbedingt in Berührung kommt.
D. C. Kalthoff, Bonn
Thenius, E. (2000): Lebende Fossilien: Oldtimer der Pflanzen- und Tierwelt - Zeugen der Vorzeit. 228 S., 101 teils farb. Abb.; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München, ISBN 3-931516-70-9, DM 28,-.
Der Begriff Lebende Fossilien eigentlich ein Widerspruch in sich - ist wahrscheinlich schon von jedem Paläontologen wie Neontologen benutzt worden, ohne sich in der Regel einer scharfen Definition bewußt zu sein. Darwin verstand unter living fossils Bindeglieder getrennter rezenter Gruppen, heute bezeichnet man systematisch isoliert stehende und im Vergleich zu ihren fossil reich belegten Vorfahren relikthaft vorkommende Arten als lebende Fossilien. Dieses Besondere macht diese Formen attraktiv und verbindet immer wieder thematisch die Vertreter beider Disziplinen. So war es auch der der biologischen Arbeitsrichtung verpflichtete Paläontologe Erich Thenius, der sich bereits vor 35 Jahren mit einem kleinen Buch über lebende Fossilien dieser Thematik widmete. Warf sein damaliges Buch nur schlaglichtartig eine Blick auf wenige markante Arten, so gibt das vorliegende eine umfassende und kritische Übersicht dieses Stoffes.
Die Einleitung vermittelt bzw. rekapituliert dem Leser die wichtigen Zusammenhänge des Evolutionsgeschehens, der Artbildung, der Taxonomie und der Systematik, um dann die Frage aufzunehmen, wie überhaupt lebende Fossilien zu definieren seien. Im Gegensatz zu Darwin stellten Simpson (1944), Thenius (1965) und spätere Autoren vor allem die morphologische Stagnation solcher Formen während langer geologischer Zeiträume als Kriterium vor. Thenius schält hier schärfer noch fünf Kriterien heraus (1. isolierte Stellung im System, 2. nur eine oder wenige rezente Arten, 3. einst weite Verbreitung; gegenwärtig meist auf Reliktstandorte beschränkt, 4. relativ langsame Evolutionsgeschwindigkeit im Vergleich zu verwandten Taxa und 5. Bewahrung altertümlicher Merkmale), die er anhand des Beispieles der rezenten Lungenfische oft allgemein als lebende Fossilien angesehen- überprüft, wobei nur die australische Form Neoceratodus diese Kriterien erfüllt. Bei dieser Betrachtung wirft er einen Blick auch auf das gerade für den Paläontologen schwierige Kapitel der Artdefinition.
Beispielhaft geht der Autor in den folgenden Teilen wichtige Belege durch alle fünf Organsimenreiche in systematischer Reihenfolge durch, wobei selbst die Archaebakterien in diesem Zusammenhang ebenso wie die folgenden Schritte zur eukaryoten Zelle diskutiert werden. Und in gleicher Weise werden alle wichtigen höheren systematischen Kategorien nach Beispielen durchsucht und gemäß der definierten Kriterien abgeklopft, ob es sich tatsächlich um lebende Fossilien oder alleine um altertümliche Formen zum Teil mit speziellen Anpassungen handelt. Hierbei wird der Leser nicht nur mit der entsprechenden Breite der Lebewelt, sondern auch mit einer sicher überraschenden Vielfalt allgemein bekannter, aber auch bislang wenig beachteter Gegebenheiten konfrontiert. Die Mannigfaltigkeit des Pflanzenreiches s. l. (von Archaebakterien ..... bis zum ostasiatischen Ginkgobaum) wird genauso fundiert und konzentriert dargelegt wie der folgende stärker gegliederte Teil der Animalia, der zuerst entsprechende Arten der Invertebraten-Gruppen der Porifera, Coelenterata, Mollusca, Arthropoda und Brachiopoda behandelt, bevor die eigentlich klassischen Zeugen der lebenden Fossilien aus dem Reich der Chordatiere (s. l.) dargestellt werden. Alle diskutierten Beispiele schließlich sind im Rahmen einer Übersicht über das System der Organismen aufgelistet, so daß sich der Leser rasch über die behandelten Beispiele informieren kann. Einzelne solche besonders herauszuheben, ist hier bei weitem nicht der Raum gegeben, hier wird sich jeder Interessierte selbst mit großer Begierde in den Text dieses Buches vertiefen. Erwähnt sei noch das abschließende Kapitel (Aussterben Überlebensstrategien Rückzugsgebiete?), in dem der Autor wieder wie im Eingangskapitel resümierend Fortpflanzung, Ernährung, Lebensweise und Verhaltensmuster als mögliche Strategien erörtert, die allgemeinen Fragen der Disjunktionen, Schrumpf- und Reliktareale anschneidet und schließlich auch auf Ursachen einstiger Massenaussterben eingeht und sich dabei ebenfalls von den in einigen Hirnen bar jeder Kenntnis paläobiologischer Tatsachen eingefressenen Irrlehren (Impakthypothese) distanziert.
E. Thenius hat diesen faszinierenden Stoff der in den lebenden Fossilien manifest gewordenen Stagnation des evolutiven Geschehens dieser Gruppen in der Erdgeschichte meisterhaft dargestellt. Die außergewöhnliche Breite des biologischen Hintergrundes ist in jeder Hinsicht bis zur jüngsten Literatur voll erfaßt, der Stoff ist dabei für die wissenschaftliche Klientel auf ein überschaubares Maß verdichtet, dazu für den Laien in allgemein verständlicher Form geschrieben. Man möchte das Buch erst ausgelesen aus der Hand legen. Das hervorragende Bildmaterial und das vorzügliche Layout runden den guten Eindruck ab. Der verblüffend niedrige Preis von 28,- DM schließlich sollte ebenfalls dazu beitragen, daß dieses Buch den naturkundlich interessierten Leserkreis deutlich erweitert.
F. Strauch, Münster
Veröffentlichungen des Naturhistorischen Museums Schloß Bertholdsburg in Schleusingen; ISSN 0863-6338.
Paläontologie aktuell ist nicht der Ort, Zeitschriften mit ihren Inhalten darzustellen. Doch soll hier auf eine Reihe aufmerksam gemacht werden, die, von o. g. Museum herausgegeben, wenig bekannt ist, jedoch in herausragender Drucktechnik mit farbigen Abbildungen Arbeiten zur Geologie (s. l.) Thüringens veröffentlicht (im Band 14, 1999, von 80 Seiten immerhin 64). Thematisch sind für Paläontologen interessant die Aufsätze über geschützte und schützenswerte geologische Objekte im Kreis Schmalkalden-Meiningen, Ceratiten aus dem Oberen Muschelkalk, Grabungen im Chirotheriensandstein, über einen Pelycosaurier sowie über die Wuchsform der Konifere Dicranophyllum aus dem Rotliegenden. Nachfragen und Bestellungen sind zu richten an das Museum, Burgstraße 6 in 98553 Schleusingen.
F. Strauch, Münster
Wägele, J.-W. (2000): Grundlagen der Phylogenetischen Systematik 315 S., 198 Abb.; Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München 2000, ISBN 3-931516-73-3, 78,- DM.
Aus der modernen Biologie ist der Begriff der Phylogenetischen Systematik nicht mehr wegzudenken. Im Gegensatz jedoch zu den Neontologen tun sich viele Paläontologen schwer mit einer Methodik bzw. Denkweise, die besonders von Hennig geprägt worden ist. Tatsächlich bereiten beispielsweise Bewertungen von Merkmalen von nur partiell überlieferten fossilen Organismen nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Anpassungen bzw. Merkmalsveränderungen in der Zeit ohne irreversible Abspaltung einer anderen Populationslinie nicht artspezifisch zu definieren, widerstrebt vielen Paläontologen, die sich mit einer Hennigschen phylogenetischen Kladistik zumindest auf spezifischem Niveau nicht anfreunden können oder wollen. Hier entwickelten sich wissenschaftliche Fehden bisweilen fast zu Glaubenskriegen.
Phylogenetische Systematik ist aber mehr als in der Regel mit dem Hennigschen Attribut verbunden wird. Sie hat die Fakten und ihre Begründungen der verwandtschaftlichen Beziehungen aufzudecken, die eine Einordnung aller Organismen in einen Stammbaum und damit deren historische Entstehung, also deren Phylogenese darzulegen hat. Damit werden die Grundlagen geschaffen, die auch und gerade der Paläontologe braucht, um die Evolution der Biota einerseits, aber genauso wichtig deren Lebensräume und damit die Ökosysteme der Vergangenheit andererseits zu entschlüsseln, um letztendlich damit die Möglichkeit der Entwicklung möglicher zukünftiger Szenarien zu erhalten.
Diesem Anspruch wird das Buch des Zoologen Wägele voll gerecht. Es legt in konzentrierter Form den theoretischen Hintergrund wie die moderne Methodik dar, die jeder biologisch Arbeitende benötigt. Die wissenschaftstheoretischen Grundlagen des ersten Kapitels stellen einen hervorragenden Einstieg dar, sie sollen in die Lage versetzen, kritisch und objektiv die Qualität von Daten zu bewerten und Hypothesen zu entwickeln. Dazu gehören der Informationsbegriff, die Unterscheidung von Erkenntnis- und Ereigniswahrscheinlichkeit, das Sparsamkeitsprinzip, der Begriff der Homologiewahrscheinlichkeit, die Unterscheidung von phänomenologischen und modellierenden Methoden. Den Kapiteln Der Gegenstand der Phylogenetischen Systematik, Stammbäume und Benennung von Abschnitten und Die Suche nach Indizien für Monophylie folgen die zentralen Kapitel Phänomenologische Merkmalsanalyse und Rekonstruktion der Phylogenese: Phänomenologische Verfahren. Besonders das letztere diskutiert ausführlich die phänetische und die phylogenetische Kladistik im Sinne Hennigs, welches klärend die genannten Verständigungsschwierigkeiten abbauen kann.
Die Auswertemethoden sind in den folgenden Kapiteln mit Hilfe modellabhängiger Verfahren dargestellt. Die Hennigsche Methode ist mit numerischen untermauert, wobei die benutzten mathematischen Wege in einem Anhang ausführlich erklärt werden und so vielfältige Anregungen geben.
Der Platz reicht nicht aus, die konzentrierte und präzise Darstellung des Stoffes im Detail ausführlich zu bewerten. Dazu ist er in seiner grundlegenden Bedeutung für alle biowissenschaftlichen Disziplinen zu umfassend, aber auch zu komplex. Um so dankenswerter ist es, diese Thematik in gut lesbarer Form mit sauberen und didaktisch informativen Abbildungen dargeboten zu bekommen. Der Text ist bar jeder überflüssigen Schnörkel und auch dem Einsteiger in diesen Stoff leicht zugänglich. Zahlreiche Kästen mit Begriffsbestimmungen unterstreichen dieses. Auch der Paläontologe wird dabei Themen und Problemstellungen unter dem Aspekt der vierten Dimension Zeit unter Berücksichtigung fossilen Materiales immer wieder angeschnitten finden und sich somit angesprochen fühlen. Die Beschäftigung mit dem dargestellten Stoff sollte somit für jeden paläontologisch Arbeitenden obligatorisch sein. Das Buch sollte, zumal es preislich günstig liegt, jedem Paläontologen anregende Lektüre sein.
F. Strauch, Münster
2001
2.- 6. April 2001 Oxford, Großbritannien
3th International Conference on Trilobites and their relatives
Auskunft: D. Siveter, University Museum, Parks Road Oxford, OX1 3PW, England
21.-26. Juli 2001 Jena
6th International Congress of Vertebrate Morphology, Universität Jena
Auskunft: E-mail: icvm-6@pan.zoo.uni-jena.de , http://www.zoo.uni-jena.de/icvm-6.html
1.-4. August 2001 Shizuoka, Japan
14th International Symposium on Ostracoda
Auskunft: N. Ikeya & A. Tsukagoshi, Geological Institute, Shizuoka University, Oya 836, Shizuoka 422-8529 Japan, Tel.: +54-238-4800, Fax: +54-238-0429, E-mail: satukag@ipc.shizuoka.ac.jp
September 2001 Banyuls-sur-mer, Frankreich
6th European Conference on Echinoderms
Auskunft: J.-P. Féral, Observatoire Océanologique, Banyuls-sur-mer; E-mail: feral@obs-banyuls.fr
17.-21. September 2001 Oldenburg
3,5 Milliarden Jahre Biodiversität
Gemeinsame Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Biologische Systematik
Auskunft: W. E. Krumbein, Geomikrobiologie, ICBM, H. K. Schminke, Zoosystematik, FB7, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, D-26111 Oldenburg, E-mail: palbiosys@uni-oldenburg.de ; http://www.uni-oldenburg.de/palbiosys
22.-29. September 2001 Lillie, Frankreich
Early Palaeozoic Palaeogeographies and Biogeographies of Western Europe and North Africa
Auskunft: José Javier Alvaro or Thomas Servais USTL - Sciences de la Terre UPRESA 8014 CNRS Cité Scientifique, SN5 F-59655 Villeneuve d'Ascq cedex (FRANCE), Tel: (+33) (0)3 20 33 63 92 or (+33) (0)3 20 33 72 20 Fax:(+33) (0)3 20 43 69 00, e-mail: Jose-Javier.Alvaro@univ-lille1.fr or Thomas.Servais@univ-lille1.fr
Schriftleitung Paläontologie aktuell:
Prof. Dr. F. Strauch
Geologisch-Paläontologisches Institut und Museum
Corrensstraße 24
D-48149 Münster
Tel.: 0251/83-33951, Fax: 0251/83-33968, E-mail:straucf@uni-muenster.de
Layout:
Dipl. Geol. Susanne Radau
Tel.: 0251/83-33973, E-mail: radaus@uni-muenster.de
Die Autoren sind für die Inhalte ihrer Beiträge selbst verantwortlich, sie stellen jedoch nicht immer die Meinung der Redaktion dar!
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© Paläontologische Gesellschaft (A.Clausing) 1/2001
update of contents: 22.01.2001