Paläontologie studieren
Infos zum Studium
Wie und wo kann ich Paläontologie studieren?
Paläontologie können Sie im deutschsprachigen Raum an vielen, vor allem größeren Universitäten studieren (eine genauere Zusammenstellung finden Sie hier). In der Regel wählt man hierbei den Diplom-Studiengang Geologie/Paläontologie. Eine Vertiefung in Paläontologie ist durch geeignete Lehrveranstaltungen, die Wahl des Wahlpflichtprüfungsfachs Paläontologie und ggf. durch eine Diplomarbeit mit paläontologischem Thema möglich.
Auch viele Studierende der Biologie wählen als Wahlpflichtfach Paläontologie oder suchen sich eine paläontologische Diplomarbeit. Nicht an allen Standorten, an denen Biologie studiert werden kann, ist dies jedoch möglich. An manchen Studienorten können auch Studierende des Diplomstudienganges physische Geographie Paläontologie vertiefen.
An wenigen Universitäten in Deutschland gibt es bislang die Möglichkeit einen reformierten Studiengang Geowissenschaften (mit Bachelor, Master oder auch Diplomabschluss) zu studieren, auch hier sind Vertiefungen, teilweise sogar weitreichende Spezialisierungen zur Paläontologie und Geobiologie (im Rahmen eines Masterstudienganges) möglich. Derartige reformierte Studiengänge werden in Zukunft stark zunehmen; auch von biologischer Seite ist teilweise an noch stärkere Integration der Paläontologie gedacht.
An interdisziplinären Zentren, wie etwa dem neugegründeten Zentrum für Geobiologie und Biodiversität (GeoBio-Center) an der Universität München, können Sie sowohl als Studierender der Biowissenschaften als auch der Geowissenschaften besonders integrativ Paläontologie und Geobiologie studieren.
Wie ist das Studium aufgebaut, welche Besonderheiten gibt es?
In geowissenschaftliche Studiengängen erwartet Sie im Grundstudium eine solide Ausbildung in naturwissenschaftlichen Grundfächern (Chemie, Physik, Biologie, Mathematik, ggf. Informatik), wobei Sie Wahl- bzw. Schwerpunktmöglichkeiten haben. Daneben wird bereits während des Grundstudiums eine umfassende Einführung in die Geologie, Mineralogie/Kristallographie und Paläontologie vermittelt. Im Hauptstudium werden die geowissenschaftlichen Fächer vertieft und Spezialfächer gelehrt, wobei Spezialisierungen bis zu einem gewissen Umfang durch teilweise Wahlmöglichkeit der Prüfungsfächer sowie der Diplom-, Bachelor- oder Master-Arbeit gegeben sind. Insgesamt besteht das Studienangebot in der Regel aus Vorlesungen, Übungen, Praktika, Seminaren sowie Geländeveranstaltungen. Gerade die Geländeveranstaltungen sind eine Besonderheit geowissenschaftlicher Studiengänge. Sie bestehen in der Regel aus Exkursionen, Geländepraktika und geologischen Kartierkursen.
Neben umfassendem, praktisch erarbeiteten Fachwissen erarbeiten Sie sich gerade auf diesen Geländeveranstaltungen auch eine gute Portion zusätzlicher wertvoller Schlüsselqualifikationen, wie z.B. Organisationstalent, Teamfähigkeit, Fremdsprachenanwendung und Problembewältigung (Haben Sie schon mal nen im Schlamm steckengebliebenen Exkursionsbus wieder flott bekommen? Sind Sie schon mal einem Hai persönlich begegnet? Haben Sie schon mal nen aufgebrachten Forest Ranger beruhigt? Keine Angst, genau dies wird Ihnen wahrscheinlich während des Studiums nicht passieren, aber vielleicht was anderes ;-)
Impressionen zu studentischen Geländeveranstaltungen finden Sie auch auf der palaeo.de/tv-Site.
Bei den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen bestehen die Lehrveranstaltungen meist aus Modulen bzw. Blöcken oder Kursen, zu denen verschiedenartige Lehrveranstaltungen gehören können.
Paläontologie wird als Pflichtbestandteil geowissenschaftlicher Studiengänge in der Regel sowohl im Grund- als auch im Hauptstudium gelehrt. Darüber hinaus können Sie durch die Wahl von Paläontologie als Wahlpflichtprüfungsfach für das Diplom bzw. als Vertiefungsmodul in manchen Bachelor- oder Masterstudiengängen sowie durch eine, von Ihnen in bestimmtem Umfang auswählbare, paläontologische Studienabschlussarbeit, sowie durch den Besuch entsprechender zusätzlicher Wahl- bzw. Wahlpflichtlehrveranstaltungen zur Paläontologie einen paläontologischen Schwerpunkt innerhalb ihres Studiums erarbeiten.
Für das Studium der Paläontologie innerhalb eines biowissenschaftlichen Studienganges gelten ähnliche Regelungen.
Maßgeblich sind immer die jeweiligen Prüfungs- und Studienordnungen, die Sie in der Regel auf den entsprechenden Webseiten der Universität oder Hochschule einsehen können. Wenden Sie sich auch an die Fachstudienberater, auch deren Adressen finden Sie in der Regel auf den entsprechenden Webseiten.
Berufsfelder Paläontologie - Was mach ich denn nach dem Studium?
Wälder und Korallenriffe verschwinden von unserer Erde, Arten sterben aus, das Klima verändert sich. Meldungen in den Medien werfen Fragen auf: Was steuert das Überleben oder Aussterben, woher kommt die Vielfalt der Arten, und wohin geht sie? Gab es Klimaänderungen auch schon zu früheren Zeiten der Erdgeschichte und sind sie vorhersagbar?
Diese und viele andere spannende und aktuelle Fragen stehen im Brennpunkt des Interesses von Paläontologinnen und Paläontologen, die im In- und Ausland an Universitäten, in Forschungszentren, in Museen, in Naturwissenschaftlichen Sammlungen, an Landesämtern und in der Rohstoffindustrie in Forschung und Lehre tätig sind und Dienstleistungen erbringen. Ihre zentralen Aufgaben sind die Erforschung der Biodiversität und der Ökosysteme in der historischen und zukünftigen Entwicklung unseres Planeten und deren zeitliche Einordnung. Dazu gehören auch Aufsammlungen von Fossilien überall in der Welt, Präparation und wissenschaftliche Bearbeitung sowie Präsentation der bedeutendsten Stücke in der Öffentlichkeit. Unverzichtbar sind internationale und interdisziplinäre Kooperationen vor allem mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Biologie, Geologie, Geographie und Mineralogie/Kristallographie.
Minuziöse naturwissenschaftliche Daten liefern modernste Analysegeräte wie Isotopenanlagen und Rasterelektronen-Mikroskope, Computer mit geowissenschaftlicher Software und die digitale und analoge Kameratechnik. Diese Methoden, aber auch kriminalistischer Spürsinn, Geduld und Kreativität ermöglichen es, vergangene Ökosysteme auferstehen zu lassen und aus ihnen für die Zukunft zu lernen. Mit der umfassenden methodischen Ausbildung sind Paläontoginnen und Paläontologen in der Lage, die komplex verknüpften und interaktiven Systeme, wie sie das System Erde-Leben darstellen, mit einem Griff durch Raum und Zeit zu fassen. Dadurch öffnen sich viele neue Berufsfelder wie UmweltberaterIN in Behörden, produzierenden Firmen und Versicherungsunternehmen, Küstenmanagement, Wissenschaftsjournalismus, Ökotourismus und vieles mehr. Solche Tätigkeitsfelder ergänzen die oben aufgeführten klassischen Berufsfelder mit rasch steigender Tendenz.
Nehmen Sie sich die Zeit, und besuchen Sie einmal ein Paläontologisches Museum oder eine paläontologische Einrichtung an einer Universität. Vereinbaren Sie ein Gespräch mit der Studienberatung. Stöbern Sie in einer paläontologischen Bibliothek und surfen Sie auch durch die Webseiten der Paläontologischen Gesellschaft. Wenn wir Ihr Interesse geweckt haben, dann freuen wir uns, Sie als Studienanfängerin / -anfänger begrüßen zu dürfen!
Text: A. Altenbach, R. Leinfelder, B. Reichenbacher, München
Foto: B. Reichenbacher
© Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung 19.09.2002 durch R. Leinfelder
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