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Paläontologie studieren - Infos zum Studium

Literaturempfehlungen zur "Historischen Geologie"

zusammengestellt von Prof. Dr. Harald Immel, München

IEine Bemerkung vorneweg:

Im folgenden werden – in einer sehr persönlichen und knapp gehaltenen Auswahl - einige lesenswerte Bücher zum engeren Thema und zum erweiterten Verständnis genannt. Darüber hinaus wird auf das überaus wichtige Gebiet der Zeitschriften und ihres Studiums verwiesen.

Für die Studierenden ergibt sich daraus zwanglos die Folgerung, daß Sie sich neben (bzw. noch vor) dem Hören von Vorlesungen intensiv mit der vorhandenen Literatur auseinandersetzen sollten. Wenigstens das eine oder andere Lehrbuch sollten Sie durcharbeiten und wenigstens die eine oder andere Zeitschrift regelmäßig konsultieren.

Am wichtigsten dabei ist die persönliche Auseinandersetzung mit der Sache. In einem weiteren empfehlenswerten Buch, das allerdings nur ein sehr spezielles Thema behandelt (V.COURTILLOT: Das Sterben der Saurier. Erdgeschichtliche Katastrophen. - XIV+136 S., 21 Abb., Stuttgart 1999 – franz.Orig. 1995) finden Sie auf Seite 81 einen überaus beherzigenswerten Satz: "Bewahren Sie sich Ihren Verstand und lassen Sie sich nicht (zu sehr) von kategorischen Behauptungen Ihrer Professoren beeindrucken". Das gilt neben dem (hier an-)gesprochenen auch für das gedruckte Wort.

I.) Bücher

Bücher sind unentbehrlich, um einen größeren Themenbereich im Zusammenhang darzustellen bzw. sich einen entsprechenden Überblick zu verschaffen.Im folgenden werden 8 Titel genannt. Sollte Ihnen eine Auswahl schwerfallen, hier der unverbindliche Vorschlag für eine Wertung: am umfassensten und besten ist das unmittelbare Thema der Historischen Geologie wohl in den beiden Büchern von K.C.CONDIE & R.E.SLOAN (1998) sowie von B.F.WINDLEY (1995) dargestellt. Zum erweiterten Verständnis eignen sich – speziell aus einer europäischen Sichtweise – besonders die Bücher von R.SCHÖNENBERG & J.NEUGEBAUER (1997) sowie von W.FRISCH & J.LOESCHKE (1993).

A) Umfassende moderne Darstellungen:

CONDIE, K.C. & SLOAN, R.E. (1998): Origin and Evolution of Earth. Principles of Historical Geology. – VIII+498 S., 532 Abb., 17 Tab., 9 Taf., 19 Boxen, 3 Append., Upper Saddle River/New Jersey.

Das modenste der hier empfohlenen Lehrbücher, geschrieben von einem Geologen (K.C.Condie) und einem Paläontologen (R.E.Sloan), bei dem der regionale Schwerpunkt allerdings – durch die Herkunft der Autoren bedingt – auf dem nordamerikanischen Kontinent liegt.
Das Buch umfaßt 15 Kapitel. Diese beschäftigen sich zunächst in Kapitel 1 – 7 mit allgemeinen Themen. Kap.1: Geologic Time and Fossils, Kap.2: Plate Tectonics, Kap.3: Origin of the Solar System, Kap.4: Evolution of Earth’s Crust, Kap.5: Earth’s Atmosphere, Oceans, and Climates, Kap.6: The Origin and Evolution of Life, Kap.7: Stratigraphy and SedimentaryEnvironments. Anschließend wird in den Kapiteln 8 – 15 die Erdgeschichte chronologisch dargestellt. Kap.8: The Precambrian Eon, Kap.9: The Early Paleozoic Era: Cambrian and Ordovician Periods, Kap.10: The Middle Paleozoic Era: Silurian and Devonian Periods, Kap.11: The Late Paleozoic Era: Mississippian, Pennsylvanian, and Permian Periods, Kap.12: The Early Mesozoic Era: Triassic and Jurassic Periods, Kap.13: The Cretaceous Period, Kap.14: The Cenozoic Era I: Tertiary Period, Kap.15: The Cenozoic Era II: Quaternary Period.

Die sehr fruchtbare Verflechtung geologischer und paläontologischer Aspekte der Erdgeschichte entspricht ansatzweise einer Zusammenfassung der wesentlichen Themen der "Historischen Geologie" und der "Allgemeinen Paläontologie". Der enorme Umfang der dabei angesprochenen Themen bedingt allerdings auch, daß bei dem insgesamt knappen Umfang des Buches vieles nur angerissen aber nicht ausführlich dargestellt werden kann. Besonders bemerkenswert an diesem Buch ist der jeweilige Beginn und Schluß der einzelnen Kapitel. Unter "Objectives" werden zu Beginn die wichtigsten Punkte genannt, die für das Thema bzw. den folgenden Zeitabschnitt von Bedeutung sind, und unter "Summary Statements" werden am Ende die jeweils wichtigsten Ergebnisse prägnant zusammengefaßt. Besonders die dabei konzentriert dargestellten Kernpunkte der Erdgeschichte sollten Sie sich keinesfalls entgehen lassen!

WINDLEY, B.F. (1995): The Evolving Continents. – XVII+526 S., 267 Abb., 9 Tab., Chichester (3. Auflage).

Dieses in der 3. Auflage weitgehend neu geschriebene Buch (gegenüber den beiden ersten Auflagen von 1977 und 1984) bürstet gegen den Strich, d.h. es erzählt die Erdgeschichte sozusagen im Rückwärtsgang ("back in time"). Nach einer Einführung (Kapitel 1) wird zuerst ein Abriß der Plattentektonik gegeben (Kap.2: The Plate Tectonic Paradigm). Daran schließen sich einige detaillierter dargestellte allgemeinen Themen an (Kap.3: Palaeomagnetism and Continental Tectonics, Kap.4: Palaeoclimatology and the Fossil Record, Kap.5: Rifts to Oceans, Kap.6: Island Arcs). Dann wird die Erdgeschichte in den folgenden 15 Kapiteln vom Jüngeren zum Älteren hin erzählt (Kap.7: Continental Margin Orogens: the Western Americas, Kap.8: The Alps and the Cenozoic Deformation of Europe, Kap.9: The Himalaya and the Cenozoic Deformation of Asia, Kap.10: Pangaea: Permian – Triassic, Kap.11: The Variscan Orogen, Kap.12: Caledonian – Appalachian Orogen, Kap.13: Late Proterozoic Supercontinents, Basins, Dykes, Glaciations and Life Forms, Kap.14: Late Proterozoic Orogens, Kap.15: The Mid-Proterozoic Supercontinent and the Grenville Orogen, Kap.16: Early Proterozoic Orogens, Magmatism and Sediments, Kap.17: Crustal Evolution in the Proterozoic, Kap.18: Late Archaean Basins, Dykes and Layered Intrusions, Kap.19: Archaean Greenstone-Granite Belts, Kap.20: Archaean Granulite-Gneiss Belts, Kap.21: Crustal Evolution in the Archaean). Eine ausführliche Zusammenfassung (Kap. 22: The Evolving Continents) schließt mit einer (vorwärts erzählten!) Darstellung des "overall time framework" den Text ab. Das Buch bietet eine sehr detailfreudige und moderne Schilderung der Entwicklung der Erdkruste, wobei der Schwerpunkt eindeutig im Präkambrium liegt (Kapitel 13 – 21, bzw. Seite 225 – 416). Paläontologische Aspekte werden eher stiefmütterlich behandelt. Daß Organismen bei der Gestaltung unseres Planeten eine wichtige Rolle gespielt haben, wird – ganz im Gegensatz zu den Büchern von K.C.Condie & R.E.Sloan (1998) sowie von S.M.Stanley (2001) - nur ganz am Rande erwähnt.

STANLEY, S.M. (2001): Historische Geologie. - XIV+710 S., 656 Abb., 4 Tab., 9 Exkurse, 1 Anhang, Heidelberg (2.deutsche Auflage, Übersetzung des amerikanischen Originals von 1999).

Dieses Buch – geschrieben von einem Paläontologen, der speziell über Bivalven gearbeitet hat – entspricht im Aufbau etwa dem zuvor genannten Werk von K.C.CONDIE & R.E.SLOAN (1998), dem es in einer früheren Auflage vermutlich auch als Vorbild gedient hat. Es umfaßt 19 Kapitel, von denen die ersten 9 einige Themen der Allgemeinen Geologie und der Paläontologie behandeln. Kap.1: Die Erde als System, Kap.2: Die Diversität des Lebens, Kap.3: Umwelt und Leben, Kap.4: Sedimentationsräume, Kap.5: Altersbestimmung und die Parallelisierung von Gesteinsserien, Kap.6: Evolution und Fossilüberlieferung, Kap.7: Plattentektonik, Kap.8: Gebirgsbildung und Kap.9: Chemische Stoffkreisläufe.
Erst mit dem 10. Kapitel (d.h. ab S.274) beginnt die eigentliche Historische Geologie, bei der die Erdgeschichte in chronologischer Reihenfolge dargestellt wird: Die Erde im Archaikum (Kap.10), im Proterozoikum (Kap.11), im älteren Paläozoikum (Kap.12), im mittleren Paläozoikum (Kap.13), im jüngeren Paläozoikum (Kap.14), im älteren Mesozoikum (Kap.15), in der Kreidezeit (Kap.16), im Paläogen (Kap.17), im Neogen (Kap.18) und im Holozän (Kap.19). Im Vergleich zu dem Buch von K.C.CONDIE & R.E.SLOAN (1998) ist der Text elementarer bzw. einfacher gehalten. Auch hier werden geologische und paläontologische Aspekte in ausgewogener Form behandelt. Neu aufgenommen wurde im letzten Kapitel eine Übersicht über die Klimaschwankungen der letzten 10.000 Jahre und im Anschluß eine Abschätzung der Folgen des Eingriffs des Menschen im 20. und 21. Jahrhundert. Sehr positiv ebenfalls, daß am Ende jeden Kapitels die Kernpunkte nochmals in einer "Zusammenfassung" dargestellt werden. Der regionale Schwerpunkt liegt allerdings – wie könnte es bei dem Autor auch anders sein – auf dem Nordamerikanischen Kontinent.

B) Populäre Ergänzung auf elementarem Niveau:

LAMB, S. & SINGTON, D. (2000): Die Erdgeschichte. Eine Spurensuche durch Jahrmillionen. -240 S., 127 Abb., 34 Kästen, Köln (Übersetzung der Originalausgabe von 1998).

Dieses Buch – entstanden im Zusammenhang mit einer Fernsehserie der BBC – ist kein Lehrbuch im herkömmlichen Sinn, sondern das Ergebnis "aus der Zusammenarbeit zwischen einem Wissenschaftler mit einem lange gewachsenen Interesse am Filmemachen (Simon Lamb) und einem Filmemacher mit einem lange gewachsenen Interesse an den Geowissenschaften (David Sington)".

In acht Kapiteln (Kap.1: Reisende durch die Zeit, Kap.2: Tiefsee, Kap.3: "Ring of Fire", Kap.4: Vukanismus, Kap.5: Fließende Kontinente, Kap.6: Das Eiszeitalter, Kap.7: Planet des Lebens, Kap.8: Eine andere Welt) werden Themen, die die Historische Geologie unmittelbar betreffen, nicht nur locker und trotzdem modern und korrekt geschildert, sondern auch vorzüglich illustriert. Darüber hinaus wird auch die Entwicklung des Gedankenguts der modernen Geologie in großen Zügen dargestellt. Natürlich genügt ein solches Buch nicht den Ansprüchen einer Hauptvorlesung, Sie sollten es aber trotzdem (oder gerade deshalb?) unbedingt in die Hand nehmen.


C) Regionale Aspekte, speziell Europa betreffend:

SCHÖNENBERG, R. & NEUGEBAUER, J. (1997): Einführung in die Geologie Europas. – 385 S., 48 Abb., 2 Tab., Freiburg (7. Auflage).

Diesem Buch liegt seit seiner 1. Auflage im Jahre 1971 als "Leitmotiv" die "geotektonisch-historische Entwicklung des Kontinents" im Sinne des "magmatisch-tektonischen Zyklus" von Hans Stille zugrunde. Wenn der sog. Stille-Zyklus auch längst vom plattentektonisch inspirierten Wilson-Zyklus abgelöst wurde, so ist doch die von H.Stille gegebene "Gliederung Europas nach dem Alter der geotektonischen Konsolidierung" auch heute noch durchaus brauchbar. Danach lassen sich 4 Großbereiche unterscheiden: Ur-Europa (präkambrisch konsolidiert), Paläo-Europa (kaledonisch konsolidiert), Meso-Europa (varszisch konsolidiert) und Neo-Europa (alpidisch konsolidiert). Dieser geohistorischen Gliederung entspricht auch der Aufbau des Buches. Nach einer Einleitung (Kapitel 1) werden in den Kapiteln 2 bis 5 der Aufbau und die Entwicklung jeweils von Ur-, Paläo-, Meso- und Neo-Europa besprochen. Ein letztes (6.) Kapitel über die "post-variszischen Sedimentbecken Mittel- und Westeuropas" schließt den Text ab.

Die 7. Auflage betont im Klappentext, daß "in dieser Auflage zum ersten Male eine einheitliche Darstellung der Geologie Europas auf der Grundlage der plattentektonischen Hypothese" vorgelegt wird. Abgesehen davon, daß die Plattentektonik längst eine fundierte Theorie und keine Hypothese mehr ist, fehlen einige neuere plattentektonische Begriffe und die damit zusammenhängenden regionalgeologischen Vorgänge, wie z.B. die Alkapeca-Einheit. Trotzdem bietet dieses Buch die zusammenfassendste Darstellung der Geschichte unseres Kontinents. Sie sollten es unbedingt lesen!

BLUNDELL, D.; FREEMAN, R. & MUELLER, S. (Eds.) (1992): A Continent Revealed. The European Geotraverse. – XII+257 S., 118 Abb., 2 Tab. + Atlas: 73 S., 9 Abb., 1 Tab., 25 Karten, Cambridge.

Kein Lehrbuch zur Geologie Europas im herkömmlichen Sinn, sondern das Ergebnis eines internationalen Projekts (EGT = European Geotraverse), das – v.a. mit seismischen Methoden – die Untersuchung der europäischen Lithosphäre zum Ziel hatte. Dazu wurde ein breiter Gebietsstreifen vom äußersten Norden Skandinaviens bis nach Zentraltunesien bearbeitet. "The concept of this book has been to draw all this work together into a coherent account of the tectonic evolution of Europe and the geodynamic processes that have fashioned it". Die Verwirklichung dieses Konzepts ist ausgezeichnet gelungen. Das Buch besteht aus einem Textband und einem Atlas, der ebenfalls einen Textteil beinhaltet.
Der Stoff des Textbandes ist in 7 Kapitel gegliedert: Why a traverse through Europe ? (Kap.1), Mobile Europe (Kap.2), Europe’s lithosphere – seismic structure (Kap.3), Europe’s lithosphere – physical properties (Kap.4), Europe’s lithosphere – recent activity (Kap.5), Tectonic evolution of Europe (Kap.6) und Geodynamic of Europe (Kap.7).
Abgesehen von vielfältigen Detailinformationen, die nicht unmittelbar die Historische Geologie Europas betreffen, bietet das Buch einen kurzgefaßten und modernen Überblick über den geologischen Aufbau und die Geschichte dieses Kontinents Der geologisch/historische Teil des Textbandes wird ausgezeichnet ergänzt durch zwei geologische Karten (Atlas: Map 1, in zwei Teilen) incl. kurzer Erläuterungen. Allein für sich ist dieses Buch natürlich keine erschöpfende Geologie Europas, als Ergänzung aber z.B. zu dem oben genannten Buch von R.Schönenberg & J.Neugebauer (1997) ist es hochwillkommen und bereichernd.

WALTER, R. (1995): Geologie von Mitteleuropa. – IX+566 S., 151 Abb., 12 Tab., Stuttgart (6. Auflage).

Das Buch stellt in 6. Auflage die Neubearbeitung eines Klassikers von Paul Dorn dar, der erstmals 1951 erschienen ist (die 6. Auflage entspricht dabei weitestgehend der 5. Auflage von 1992). Unter Mitteleuropa wird ein Bereich verstanden, der im Norden am Baltischen Schild einsetzt und im Westen noch das Brabanter Massiv und die Ardennen umfaßt. Im Osten erstreckt er sich bis zum Polnischen Mittelgebirge und der Süden wird durch den Nordrand des Alpen- und Karpathenbogens gebildet. Innerhalb dieses regionalen Rahmens werden in sechs Kapiteln die geologischen Verhältnisse dargestellt.

Das einleitende Kapitel (Kap. 1: Mitteleuropa als Ganzes) geht von der Stille’schen Gliederung Europas aus (vgl. dazu oben die Angaben zu R.Schönenberg & J.Neugebauer 1997). Darauf folgen im Hauptteil die Beschreibung des Vorquartärs der Mitteleuropäischen Senke (Kap. 2), des Quartärs der Mitteleuropäischen Senke (Kap. 3), des Proterozoisch-paläozoischen Grundgebirges des Mitteleuropäischen Schollengebietes (Kap. 4) und des Jungpaläozoischen, mesozoischen und känozoischen Deckgebirges des Mitteleuropäischen Schollengebietes (Kap.5) Ein lagerstättenkundliches Kapitel über die Bodenschätze Mitteleuropas (Kap. 6) beschließt das Buch.
Das Buch ist eindeutig nicht historisch sondern regional konzipiert. Es schildert den Ist-Zustand und geht kaum irgendwo auf die Entwicklung und schon gar nicht auf die zugrundeliegenden Mechanismen ein. Kein grundlegendes Werk also zum Thema der Historischen Geologie, aber zweifellos eine sehr brauchbare Ergänzung, die parallel gelesen bzw. zum nachschlagen benutzt werden sollte.


D) Spezieller Titel, der das grundsätzliche Paradigma der heutigen Historischen Geologie, die Plattentektonik, zum Thema hat:

FRISCH, W. & LOESCHKE, J. (1993): Plattentektonik. – XIII+243 S., 83 Abb., Darmstadt (3. Auflage).

Das Buch – primär in deutscher Sprache geschrieben – gibt einen ausgezeichneten Überblick über die grundlegenden Begriffe der Plattentektonik. Es umfaßt 11 Kapitel. Die ersten beiden beschäftigen sich mit historischen und physikalischen Parametern (Kap.1: Von der Kontinentverschiebung zur Plattentektonik, Kap.2: Plattenbewegungen und ihre geometrischen Beziehungen). Danach werden in den Kapitel 3 – 9 einzelne plattentektonische Environments detailliert beschrieben und die in ihnen wirkenden grundlegenden Mechanismen erklärt (Kap.3: Kontinentale Grabenbrüche, Kap.4: Passive Kontinentränder, Kap.5: Mittelozeanische Rücken, Kap.6: Tiefseebecken und ozeanische Inseln, Kap.7: Tiefseerinnen, Inselbögen und Aktive Kontinentränder, Kap. 8: Transformstörungen, Kap.9: Terranes). Das Kapitel 10 (Plattentektonik und Gebirgsbildung) ist für das Thema der Historischen Geologie am wichtigsten. Es gibt einen knapp gefaßten aber exzellenten Überblick über die plattentektonischen Ereignisse im Präkambrium (Kap.10.1), Paläozoikum (Kap.10.2) und Mesozoikum (Kap.10.3). Ein Schlußkapitel (Kap.11) über "Ungelöste Probleme der Hypothese der Plattentektonik" rundet das Buch ab. Durch keinen anderen Schluß hätte man besser demonstrieren können, daß Wissenschaft ein lebendiger Prozeß ist, dessen Ende sich nicht absehen läßt. Das ist Ihre Chance!


II.) Zeitschriften

In Zeitschriften spiegelt sich der wissenschaftliche Fortschritt ungleich schneller und intensiver wider als in Lehrbüchern, die zwangsläufig im Detail oft nicht mehr aktuell sind. Der Markt ist hier allerdings – viel mehr noch als bei den Büchern – nur schwer überschaubar. Deshalb sollte jeder (auch künftige!) Wissenschaftler für sich eine persönliche Auswahl treffen. Aus den im folgenden genannten 18 Zeitschriften sollten es zumindest drei sein, die Sie regelmäßig und aufmerksam durchsehen. Nach oben gibt es natürlich keine Begrenzung! Sofern Sie in Ihrer Entscheidung wo Sie anfangen sollen zögern, seien hier drei Titel ganz unverbindlich hervorgehoben: Spektrum der Wissenschaft, Geology und International Journal of Earth Sciences (vormals: Geologische Rundschau).

A) Führende naturwissenschaftliche Zeitschriften:

- Nature (London)
- Science (Washington)

Die beiden wohl führenden naturwissenschaftlichen Zeitschriften überhaupt. Beide erscheinen wöchentlich und enthalten v.a. kurze Originalmitteilungen, die den Fortschritt in den Naturwissenschaften dokumentieren. Das gilt auch für die Geologie/Paläontologie.


B) Allgemeinverständliche naturwissenschaftliche Zeitschrift für interessierte (und möglichst etwas vorgebildete) Laien:

- Spektrum der Wissenschaft (Heidelberg)

Seit Oktober 1987 existierende deutsche Ausgabe von Scientific American. Erscheint monatlich und bietet sowohl Artikel zum gegenwärtigen Stand einzelner begrenzter Forschungsgebiete als auch kurze prägnante Übersichten zu umfassenderen Themenkreisen.

Eine Besonderheit der Zeitschrift ist, daß des öfteren unter der Bezeichnung "Verständliche Forschung" verschiedene Artikel bestimmter Themenbereiche in Buchform zusammengefaßt werden. Zum Thema der Historischen Geologie seien in diesem Zusammenhang zwei empfehlenswerte Aufsatzsammlungen genannt: (1.) P.Giese (Hsg.): Geodynamik und Plattentektonik. – 206 S., 1995 sowie 2.) P.Giese (Hsg): Ozeane und Kontinente. Ihre Herkunft, ihre Geschichte und Struktur. – 248 S., 1987.


C) Aktuelle Zeitschrift mit kurzgefaßten Berichten über den Fortschritt in den geologisch/paläontologischen Wissenschaften:

- Geology (Boulder/Colorado)

Monatlich erscheinende Zeitschrift der Geological Society of America, die zu aktuellen Themen der Geologie/Paläontologie wesentliche, wenn auch kurz gefaßte Originalmitteilungen und Übersichten bietet (im Durchnitt jeweils auf nur 4 Seiten).


D) Themenbezogene Zeitschriften, die unter speziellen Aspekten auch des öfteren Arbeiten von großem wissenschaftlichen Wert für den Bereich der Historischen Geologie publizieren:

- Tectonophysics (Amsterdam)
- Tectonics (Washington)
- Sedimentary Geology (Amsterdam)
- Sedimentology (Oxford)
- Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology (Amsterdam)
- Precambrian Research (Amsterdam)

n z.T.lockerer (aber dichter!) Reihenfolge erscheinende Zeitschriften, die Übersichten zum jeweiligen Themenkreis bieten. Neben Artikeln, die eindeutig der "Allgemeinen Geologie" zugeordnet werden können, erscheinen häufig auch Arbeiten unter historischen und regionalen Aspekten, die unmittelbar für die Historische Geologie von Bedeutung sind. Im Gegensatz zu den bisher genannten Zeitschriften (und in Übereinstimmung mit den folgenden!) handelt es sich bei den einzelnen Artikeln ganz überwiegend nicht um kurze Mitteilungen sondern um ausführliche, z.T erschöpfende Darstellungen.

E) Zeitschriften regionaler bzw. nationaler Einrichtungen:

- International Journal of Earth Sciences (Berlin, bis einschließlich dem 87. Band 1998/99:
Geologische Rundschau)
- Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt (Wien)
- Eclogae Geologicae Helvetiae (Basel)
- Journal of the Geological Society (London)
- Bulletin of the Geological Society of America (Boulder)
- Journal of Geology (Chicago)
- Canadian Journal of Earth Sciences (Ottawa)
In lockerer oder auch strenger (ein- bis mehrmonatiger) Reihenfolge erscheinende Zeitschriften. In ihrem Charakter – speziell was Qualität, Ausführlichkeit und Umfang betrifft – entsprechen die Artikel denen der zuvor unter (D) genannten Zeitschriften, nur daß sie eben nicht auf einen bestimmten Themenbereich beschränkt sind, sondern zusammengenommen das gesamte Spektrum der Geologie abdecken.


F) Einige Zeitschriften bieten auch Kurzreferate an, also Übersichten und Inhaltsangaben von Artikeln anderer Zeitschriften. Auf eine darauf spezialisierte Zeitschrift sei hingewiesen:

- Naturwissenschaftliche Rundschau (Stuttgart)
Die Lektüre ersetzt natürlich nicht das Studium der Originalarbeiten, kann aber wertvolle Hinweise, Zusammenfassungen und Ergänzungen biet


Lehrbuchempfehlungen zur Allgemeinen Paläontologie (von Prof. Immel, München)

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© Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung 19.04.2002 durch R. Leinfelder