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Tagungen, Events

Frühere Tagungen und Jahresversammlungen der Paläontologischen Gesellschaft 


Jahrestagung 2004

Die Jahrestagung 2004 hat unter dem Rahmenthema "GEOBIOLOGIE" vom 02.10. bis 07.10.2004 in Göttingen stattgefunden.

Organisationsteam: J. Reitner, M. Reich, G. Schmidt

Website für die Tagung siehe:
http://www.geobiologie.uni-goettingen.de/tagungen.html


Protokoll Mitgliederversammlung  

Tagungsbericht

Museum GZG neu eröffnet

1. Tilly-Edinger-Nachwuchspreis an Oliver Wings

Fotoimpressionen von der Tagung in Göttingen



Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung

am 4. Oktober 2004 in Göttingen

Beginn der Sitzung: 17.40 Uhr

TOP 1 - (Feststellung der Tagesordnung): Die Tagesordnung wird angenommen.

TOP 2 - (Genehmigung des Protokolls der ordentlichen Mitgliederversammlung in Mainz 2003, veröffentlicht in GMIT 14: 83-86): Das Protokoll wird per Akklamation angenommen.

TOP 3 - (Abstimmung über die Satzungsänderung, vgl. GMIT 16: 87): Die Satzungsänderung wurde den Mitgliedern im Juni in GMIT bekannt gegeben. Sie wird von den 116 anwesenden Mitgliedern ohne Gegenstimme bei einer Stimmenthaltung angenommen.

TOP 4 - (Ehrungen):

Die diesjährige Zittel-Medaille wird an den bekannten Fossiliensammler Helmut Leich (Bochum) für seine herausragenden Verdienste um die Paläontologie verliehen. Herr G. Schweigert hält die Laudatio.

Die Ehrenmitgliedschaft wird an Prof Dr. F. Steininger verliehen. Frau K. Grimm skizziert kurz dessen Lebensweg und seine weit reichenden Verdienste.

Das international renommierte neue korrespondierende Mitglied, Prof. W. ("Bill") A. Clemens (Berkeley) wird von Herrn v. Koenigswald gewürdigt. Alle Geehrten bedanken sich bei der Paläontologischen Gesellschaft und deren Vorstand.

Der Tilly-Edinger-Preis wird nach oben erfolgter Satzungsänderung in diesem Jahr erstmals verliehen. Die hierfür eingesetzte Jury entschied sich für Oliver Wings (Hannover) aufgrund dessen innovativem und höchst originellem Beitrag über Magensteine bei Dinosauriern und Vögeln. Die exzellenten Beiträge der übrigen Kandidaten (Andreas Bergner, Potsdam; Michael Fastnacht, Mainz; Sandra Kaiser, Bochum; Christian Klug, Zürich) werden ebenfalls gewürdigt. Alle Kandidaten erhalten als Buchpreis die Tilly-Edinger-Biografie.

Der diesjährige Friedrich-von-Alberti-Preis der Alberti-Stiftung soll am 5. November 2004 in Ingelfingen an Herrn Dieter Grüll (Gernsheim) verliehen werden. Die Nominierung dieses Kandidaten erfolgte auf Vorschlag der Paläontologischen Gesellschaft.

TOP 5 - (Bericht der Präsidentin):

Die Anwesenden erheben sich im Gedenken an die verstorbenen Mitglieder Prof. Hans-Peter Baer (Gießen), Dr. Gusti Burmann (Berlin), Prof. Erik Flügel (Erlangen), Prof. Dietrich Helmcke (Göttingen), Dr. Winfried Hinsch (Kiel), Günter Liebau (Hückelhoven-Doveren), Karl Mädler (im 100. Lebensjahr!), Prof. Arno H. Müller (Freiberg), H. Lothar Schneider (Düsseldorf ) und Prof. Martin Schwarzbach (Köln).

In GMIT 17 (S. 77-79) erfolgte bereits eine ausführliche Schilderung der aktuellen Aktivitäten, weswegen hierauf verwiesen werden konnte. Frau Reichenbacher macht darüber hinaus auf das von der IUGS beabsichtigte Internationale Jahr des Planeten Erde (vorgesehen für 2005-2007) aufmerksam, für das neun Großthemen benannt worden sind. Unter diesen fehlt die Thematik "Life/Evolution/Palaeontology/Geobiology" vollständig. Frau Reichenbacher hat in ihrer Funktion als Vorsitzende des Deutschen Nationalkomitees der IUGS auf dem Internationalen Geologenkongress in Florenz ihre Besorgnis hierüber geäußert und hierbei auch Unterstützung von einigen anderen Nationalkomitees erhalten. Mittlerweile wurde beim Präsidenten und Past-Präsidenten von IUGS die Integration eines 10. Großthemas "System Earth/Life" in das Programm für das Internationale Jahr des Planeten Erde schriftlich beantragt. Über den Erfolg dieses Vorstoßes wird in Kürze berichtet werden können.

Hingewiesen wird außerdem auf die European Geoscience Union (EGU), die vom 24.-29. April 2005 in Wien tagen wird. Hier wird es acht paläontologisch ausgerichtete Sessions geben, zu denen Beiträge angemeldet werden können (www.copernicus.org/EGU/).

Der Vorstand erhielt mehrere Hilferufe über drohende Schließungen von Instituten. Im Gegensatz zur Situation in Clausthal-Zellerfeld und Würzburg scheint die Schließung der Geowissenschaften in Basel aufgrund internationaler Proteste abgewendet worden zu sein. Der Standort an der Universität Leipzig ist ebenfalls gefährdet. Die Geowissenschaften in Köln sind von starken Einschnitten bedroht. Der im Zusammenhang mit den massiven Kürzungen von vielen Seiten immer wieder geforderte Strukturplan für die Geowissenschaften, insbesondere an den Hochschulen, scheiterte bisher v.a. an der Länderhoheit. Einen solchen Strukturplan zu erarbeiten wäre möglicherweise Sache des Dachverbands der "Festen Erde". Die Pal. Ges, beabsichtigt bislang eine assoziierte Mitgliedschaft im Dachverband, hält jedoch auch eine Vollmitgliedschaft in naher Zukunft für möglich.

Frau Dr. J. Eder (Stuttgart), Vizepräsidentin der Gesellschaft für Biologische Systematik (GfBS), wird ab sofort als Vertreterin der GfBS im Vorstand der Pal. Ges. und als Vertreterin der Pal. Ges. im Vorstand der GfBS mitarbeiten. Dadurch soll die enge Kooperation beider Gesellschaften gefördert werden, insbesondere im Hinblick auf die Sicherung und Vernetzung der Biodiversitätsforschung. Die nächste Jahrestagung der GfBS wird vom 12.-17. September 2005 in Basel stattfinden. Paläontologen sind herzlich dazu eingeladen, daran teilzunehmen.

Bewerbungen für den nächsten Tilly-Edinger-Preis müssen entsprechend der Auslobung des Preises (vgl. GMIT 14: 86-87) bis zum 31. Januar 2005 bei der Präsidentin eingehen.

TOP 6 - (Paläontologische Zeitschrift und GMIT):

Herr Amler berichtet, dass das 2. Heft der Paläontologischen Zeitschrift für 2004 im Druck sei. Ab 2005 sollen aber 4 Hefte pro Jahr erscheinen. Hierdurch soll eine raschere Publikation druckfertiger Manuskripte ermöglicht werden. Darüber hinaus sind moderate Änderungen am bisherigen Layout der Zeitschrift vorgesehen (s.u). So sollen internationale Wissenschaftler in ein neu zu schaffendes Editorial Board aufgenommen werden. Herrn Amler wird für seine Arbeit gedankt.

Frau Reichenbacher berichtet, dass der Internet-Auftritt der Paläontologischen Zeitschrift beim Schweizerbart-Verlag in Vorbereitung ist. Enthalten sein sollen die Inhaltsverzeichnisse und die zugehörigen Abstracts, auf die mit Volltextsuche zugegriffen werden kann, analog zur Zeitschrift "Newsletters in Stratigraphy". Voraussichtlich ist der Internet-Zugriff bis zum Jahresende installiert. Für die Zulieferung der Daten und die Verhandlungen mit dem Verlag wird Herrn Gudo herzlich gedankt.

Angestrebt wird außerdem eine Aufnahme der Paläontologischen Zeitschrift in die ISI-Datenbank, um die internationale Akzeptanz der Zeitschrift zu erhöhen. Die hierfür erforderlichen bzw. für nötig erachteten Änderungen sind u.a. das Erscheinen von 4 Bänden (Volumes), die Benennung der Herausgeber (Editors-in-chief) sowie des Editorial Boards. Weiter wird das neue Logo auf der nunmehr internationalisierten Titelseite erscheinen und das äußere Erscheinungsbild der Zeitschrift durch ein aktuelles Foto auf der Titelseite bereichert werden. Manuskripte sollten überwiegend auf Englisch verfasst sein. Außerdem wird eine Möglichkeit geschaffen, die Manuskripte und Abbildungen über eine Internetseite auf der Homepage der Gesellschaft online einzureichen. Herr von Koenigswald hat einen Entwurf für die neue Titelseite erstellt, der auf einhellige Zustimmung stößt.

In der Zeitschrift GMIT wird auf die neue Rubrik "Geofokus" aufmerksam gemacht. Beiträge paläontologischen Inhalts sind unter ganz verschiedenen Rubriken zu finden, nicht nur auf den speziellen Seiten der Gesellschaft. Die Mitglieder werden aufgefordert, GMIT als Mitteilungsorgan auch in Zukunft kräftig zu nutzen. Herrn Martin Nose wird für seine redaktionelle Arbeit an GMIT herzlicher Dank ausgesprochen!

TOP 7 - (Bericht des Schatzmeisters und der Kassenprüfer):

Herr Gudo berichtet über den Kassenstand sowie die Mitgliederbewegung. Die Einnahmen betrugen bis Ende 2003 46.669,10 EUR, diesen stehen Ausgaben in Höhe von 55.373,74 EUR gegenüber. Der Jahresabschluss 2003 endet mit einem Guthaben von 57.382,64 EUR (gegenüber 66.087,28 EUR im Vorjahreszeitraum). Für die Kassenführung bis zu diesem Zeitpunkt war noch Herr T. Jellinek zuständig, dem nochmals für seine vorbildliche Führung von Kasse und Mitgliederliste unser aller Dank gilt. Inzwischen wurde die Umstellung auf elektronisches Banking weiter optimiert, so können Kreditkartenzahlungen aus dem Ausland vorgenommen werden. Die Zahlungsmoral der Mitglieder ist zu bemängeln: 41 Mitglieder haben derzeit ihren Jahresbeitrag noch nicht entrichtet, was Rückstände in Höhe von ca. 2700 EUR zur Folge hat. Bis Ende September 2004 gab es - insbesondere aufgrund des neuen Flyers - 42 Neueintritte, denen 27 Austritte, 2 Ausschlüsse aufgrund mehrjährigen Nichtzahlens und 10 verstorbene Mitglieder gegenüberstehen. Der aktuelle Mitgliederstand liegt bei 995.

Herr Schindler bescheinigt als Sprecher der Kassenprüfer (Schindler, Martini) Herrn Jellinek eine ordnungsgemäße Kassenführung ohne jegliche Beanstandungen.

TOP 8 - (Wahlen zum Vorstand und Beirat):

Die geheimen Wahlen finden unter der Leitung von Frau Gudrun Radtke und Frau Kirsten Grimm statt.

Gewählt wurden als Schriftführer die Herren J. Lehmann und M. Reich; in den Beirat Frau S. Feist-Burkhardt sowie die Herren M. Nose, A. Freiwald und A. Gehler.

TOP 9 - (Bestätigung der Schriftleitung):

Die Schriftleitung wurde per Akklamation in ihrem Amt bestätigt.

TOP 10 - (Angliederung des Arbeitskreises für Paläobotanik und Palynologie an die Pal.Ges.):

Die Mitgliederversammlung befürwortet einhellig den Anschluss des Arbeitskreises für Paläobotanik und Palynologie (APP) an die Paläontologische Gesellschaft. Separate Treffen des Arbeitskreises können im Rahmen der Jahrestagung der Pal. Ges., aber bedarfsweise auch im kleineren Kreis, analog zu den übrigen Arbeitskreisen der Paläontologischen Gesellschaft (Wirbeltierpaläontologie, deutschsprachige Ostracodologen) abgehalten werden.

TOP 11 - (Gemeinsame Fachsektion Geobiologie bei der Pal.Ges und der GV):

Herr Freiwald berichtet über die Schaffung einer gemeinsamen Plattform für die Geobiologie, was von der GV bereits genehmigt wurde. Mitglieder der Paläontologischen Gesellschaft werden zur Teilnahme an Tagungen ausdrücklich aufgerufen, die nächste Tagung der GV findet in Erlangen statt. Auch in Graz soll auf der kommenden Jahrestagung der PalGes eine gemeinsame Geobiologie-Session veranstaltet werden. Die Einrichtung dieser von beiden Gesellschaften getragenen Fachsektion wird von den Mitgliedern per Akklamation begrüßt.

TOP 12 - (Öffentlichkeitsarbeit):

Frau Reichenbacher dankt ausdrücklich Herrn Breyer, der sich seit 1997 in Sachen Öffentlichkeitsarbeit beratend für die Paläontologische Gesellschaft engagiert hat und seit 2000 Beauftragter für ÖA war. Weiterer Dank gilt Herrn Leinfelder, der in den Jahren 2002-2004 unsere neue Webpage aufgebaut und eingerichtet hat, sowie dessen Nachfolger in dieser Aufgabe, Herrn Ilg, der seither die Homepage betreut und ausbaut. Herr Ilg betont, dass die Homepage ausschließlich durch die Mitarbeit der Mitglieder lebt und ruft noch einmal ausdrücklich zur aktiven Mitarbeit aller auf (siehe auch GMIT 17: 84). Herr Ilg bietet den Mitgliedern seine Hilfe beim Aufbau einer eigenen Homepage an und stellt Online einige Neuerungen auf der Homepage vor, darunter die Rubriken "Mitglieder-homepages", "Sonderausstellungen", "Stellenausschreibungen" und "Buchbesprechungen".

Zur weiteren Diskussion wird auf den Workshop "Öffentlichkeitsarbeit" während der Tagung verwiesen.

Herrn Gudo wird für die Idee und Ausführung des neuen Werbeflyers der Gesellschaft besonderer Dank ausgesprochen. Die Gesellschaft bietet des weiteren ab sofort zu Werbezwecken so genannte "Give aways" an (Kugelschreiber mit dem Logo und der Internetadresse der Pal. Ges.), sowie für 14 EUR T-Shirts mit dem Logo der Pal. Ges. Hinsichtlich dieser Aktivitäten gilt unser aller Dank den Mainzern Paläontologen, insbesondere Herrn Michael Fastnacht.

Für die künftige Öffentlichkeitsarbeit soll an Stelle eines einzigen Beauftragten ein Produktionsteam für Öffentlichkeitsarbeit eingerichtet werden, dessen Zusammensetzung flexibel sein wird. Bislang wurden Frau Hesse sowie die Herren Kerp, Hagdorn, Fastnacht und Mönnig gebeten, in diesem Team mitzuarbeiten. Ihre Aufgabe wird die Umsetzung der zahlreich vorhandenen Ideen zur Intensivierung der Öffentlichkeitsarbeit in enger Zusammenarbeit mit dem Vorstand sein. Als erste Zielgruppe für öffentlichkeitswirksame Aktivitäten werden Lehrer und Schüler ins Auge gefasst.

Die Mitglieder begrüßen per Akklamation diese Vorschläge.

TOP 13 - (Erhöhung des Mitgliedsbeitrags):

Frau Reichenbacher erläutert eine moderate Erhöhung der Mitgliederbeiträge auf 40 EUR für persönliche Mitglieder sowie 20 EUR für studentische Mitglieder und Pensionäre, die aufgrund erheblich gestiegener Ausgaben nötig wird (Tilly-Edinger-Preis, Verteuerung der Paläontologischen Zeitschrift, Beitrag an AWS-Geounion, Zuschuss an Fachsektion Geotop). Ab 2005 werden außerdem aufgrund des 4-maligen Erscheinens der Zeitschrift erhöhte Portokosten entstehen; weiterhin sollen für gezielte Maßnahmen etwa zur Umsetzung der Öffentlichkeitsarbeit Werkverträge abgeschlossen werden. Frau Reichenbacher weist ausdrücklich darauf hin, dass bei etwaigen weiteren Beitragserhöhungen der Beitrag für Studenten auf jeden Fall konstant gehalten werden soll. Die Mitgliederversammlung billigt die Erhöhung des Mitgliedsbeitrags bei 2 Enthaltungen.

TOP 14 - (Entlastung des Vorstands):

Herr v. Hillebrandt beantragt die Entlastung des Vorstands, die per Akklamation erfolgt.

TOP 15 - (Zukünftige Jahrestagungen):

Für das Jahr 2005 lädt Herr Piller nach Graz ein. Ein Programm mit Exkursionen wird bereits ausgearbeitet, der genaue Termin während des Septembers 2005 steht aber noch nicht fest. Für das Jahr 2006 lädt Frau Schäfer nach Kiel ein. Die Mitglieder bedanken sich per Akklamation.

TOP 16 - (Verschiedenes):

Keine weiteren Wortmeldungen. Ende der Sitzung gegen 19:45.



Dr. Günter Schweigert, Stuttgart




"Geobiologie" - 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft vom 02.-08.10.2004 in Göttingen

Mit über 250 Teilnehmer/-innen verzeichnete die 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft am Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen wieder einen sehr guten Zuspruch. Dabei war die Zahl der Nachwuchswissenschaftler und Studierenden unter den Tagungsteilnehmern wie schon in den letzten Jahren erfreulich groß. Ebenso erfreulich war, dass der Programmdirektor für Geologie und Paläontologie, Dr. S. Dürr, zumindest dem ersten Tag der Tagung beiwohnen konnte. Die hohe Anzahl von Vortragsanmeldungen (fast 150!) spiegelte die zunehmende Breite der von der Paläontologie in Anspruch genommenen Themen wieder. Die Posterpreise für die drei besten Poster (Geld- und Buchpreise) taten ihr übriges für den großen Erfolg der Tagung; in Göttingen wurden mit 85 Postern fast 30 Poster mehr als im Vorjahr vorgestellt (1. Preis: Christina Lindenau mit "Zahnschmelzmikrostrukturen der südamerikanischen Huftiere", 2. Preis: Alexander Mudroch (Koautoren A. Leidner, D. Thies, J. Kriwet und C. Helm) mit "Engelhaie aus dem Oberjura Nordwesteuropas", 3. Preis: Verena Schöning (Koautor M. Gudo) mit "Evolutionsgeschichtliche Entwicklung der Nervensysteme der Echinodermen"). Die sehr gelungene Organisation der Tagung verdanken wir Prof. Joachim Reitner, Dr. Mike Reich und Frau Gabriele Schmidt sowie den zahllosen Helfern "im Hintergrund". Sie sorgten für die Zusammenstellung des attraktiven wissenschaftlichen Programms nebst Exkursionen, Workshops und Abendveranstaltungen und den reibungslosen Ablauf der Vorträge, waren im Tagungsbüro immer hilfreiche Ansprechpartner, und hielten Kaffee und Erfrischungsgetränke bereit. Mike Reich fand außerdem noch die Zeit, "Führungen durch den Geopark" anzubieten, denen während der Mittagspause viele Tagungsbesucher mit großem Interesse beiwohnten.

Eröffnet wurde die Tagung am Montagmorgen mit einer Begrüßung durch den Vizepräsidenten der Universität Göttingen Prof. Kree, den Dekan der Geowissenschaftlichen Fakultät und Ausrichter der Tagung Prof. Reitner und der Präsidentin der Paläontologischen Gesellschaft. Im ersten Vortrag referierte Dr. Dürr über die Entscheidungsfindung der DFG über im Fachbereich Geologie und Paläontologie vorgelegte Anträge. Hierdurch konnte einem breiten Publikum das Verfahren transparent gemacht werden, gerade für die vielen Nachwuchswissenschaftler ein gelungener Einstand des Tagungsprogramms. Erfrischendes zu hören gab es gleich zu Beginn des wissenschaftlichen Programms mit den Vorträgen des "Tilly-Edinger Symposiums", die im Rahmen einer Plenarveranstaltung stattfanden. Im Vorfeld hatte eine Jury aus Vorstand und Beirat der Paläontologischen Gesellschaft insgesamt fünf Kandidaten ausgewählt, die sich in der letzten Runde der Bewerbung um den mit 2500 EUR dotierten Tilly-Edinger-Preis mit einem Vortrag vorstellten. Die Qualität des Vortrags floss dann in die Gesamtentscheidung der Jury mit ein. Die Themen dieser Vorträge waren breit gefächert, ein Beitrag zur Mikropaläontologie und Paläoklimatologie (Andreas Bergner), zwei zur Wirbeltierpaläontologie (Michael Fastnacht, Oliver Wings), einer zur Invertebratenpaläontologie (Christian Klug) sowie ein Beitrag mit breitem biostratigraphisch-geochemischen Ansatz (Sandra I. Kaiser). Dass alle Vorträge ein hohes Niveau widerspiegelten war aus den Reaktionen der Zuhörer ebenso ablesbar wie aus den Äußerungen des Vertreters der DFG zu diesem Programmpunkt.

In den weiteren zehn Symposien wurde ein großer Teil unseres Fachgebietes abgedeckt, vom Thema "Geomikrobiologie" bis hin zu klassischen Themen wie "Biostratigraphie im frühen Paläozoikum" und "Ozeanische Lebensräume". Auf besonders großes Interesse stießen auch das Symposium "Biodiversität und Zeitmessung im Devon" sowie "Evolution der Organismen: Genetik und Fossilien". Aber auch die Paläobotanik und insbesondere die Palynologie waren, wie im Vorjahr, wieder stark und in eigenen Symposien vertreten. Insgesamt hat sich die Praxis der letzten Tagungen, die Symposien mit "keynotes" einzuführen, bewährt. Hier wurde mit brennenden Fragestellungen in die Themen eingeführt, wenn auch die Zuordnung der "keynotes" zu den Symposien bzw. der Titel der Symposien nicht in allen Fällen glücklich war. Die für die Frage der Entstehung der Metazoen ungemein spannende "keynote-lecture" von Michael Steiner über frühkambrische Metazoenembryos und Larven aus China beispielsweise wurde dem Symposium "Biostratigraphie im frühen Paläozoikum" vorangestellt. Wie auch viele der folgenden Vorträge dieses Symposiums gingen die Fragestellungen jedoch weit über biostratigraphische hinaus. Insgesamt regten die wissenschaftlichen Themen, die während der Vorträge und auf den Postern geboten wurden, zu zahlreichen Diskussionen an. Die wissenschaftliche Qualität wurde allgemein als sehr gut bewertet.

Wie schon auf den Tagungen der letzten Jahre, war auch in Göttingen die Öffentlichkeitsarbeit der Paläontologischen Gesellschaft ein wichtiges Thema. Den öffentlichen Abendvortrag hatte dankenswerterweise Prof. Dr. Jörn Peckmann (Bremen) übernommen. Im stilvollen Ambiente der Aula der Universität, in der schönen Altstadt von Göttingen gelegen, lockte er mit seinem Vortragstitel "Die Entwicklung des Lebens an submarinen Quellen" nicht nur eine große Zahl von Tagungsteilnehmern an, sondern fand auch aus der Bevölkerung großen Zulauf. In seinem Vortrag verstand er es in vorbildlicher Weise, sein wissenschaftlich anspruchsvolles und faszinierendes Thema allgemeinverständlich zu präsentieren. Der Beifall war entsprechend groß. In das Tagungsprogramm eingebettet fand auch die Pressekonferenz statt, mit gutem Zuspruch von der lokalen Presse, die am Folgetag ausführlich über unsere Tagung und unsere Preisverleihung berichtete (siehe unsere webpage!). Ein besonders wichtiger Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit war der Workshop zu diesem Thema, der von Dr. Eckhard Mönnig (Coburg) moderiert wurde, gut besucht war und trotz zu wenig Diskussionszeit viele positive Rückmeldungen erhielt. Ebenfalls im Blickwinkel der Öffentlichkeitsarbeit - aber nicht nur - stand der Abschlussvortrag von Prof. Reitner und Prof. Reichenbacher mit dem Titel "Quo vadis Paläontologie", in dessen Gefolge sich eine lebhafte Diskussion unter den Tagungsteilnehmern entwickelte.

Im Anschluss an das Vortragsprogramm fanden der Workshop "Geo-Histologie", der Workshop der deutschsprachigen Ostrakodologen sowie das Meeting des neu bewilligten IGCP 499 "Devonian land-sea interaction: evolution of ecosystems and climate" (Leitung: Dr. Schindler, Dr. Königshof und Dr. Wilde, alle Forschungsinstitut Senckenberg) statt.

Von der stolzen Anzahl von acht Exkursionen konnten sieben Exkursionen durchgeführt werden. Die Exkursionen wurden als Vor- und Nachprogramm der Tagung angeboten. In die devonischen Riffe im Harz lotsten Eberhard Gischler und Joachim Reitner, den Buntsandstein am Harzrand übernahm Josef Paul. In die Kreide führten die Exkursionen in die Obernkirchener Sandsteinbrüche (Annette Broschinski), das Cenoman und Turon des Niedersächsischen Tektogens (Markus Wilmsen und Frank Wiese) und den Hannoveraner Raum ("Sarah" Niebuhr). Eine weitere Exkursion in das Paläozoikum boten Jörg Schneider, Birgit Gaitzsch und Ute Gebhardt an (Permokarbon der Saale-Senke). In die direkte Umgebung des Tagungsortes Göttingen führte Gernot Arp (Aufschlüsse in Trias und Jura).

Ein besonderes gesellschaftliches Event war das gemeinsame Abendessen. Hier wurde mit einem reichhaltigen Buffet allen Geschmäckern Rechnung getragen und die großzügigen Räumlichkeiten der "Alten Mensa" ermöglichten ein freundschaftliches Zusammentreffen und viele Gespräche.

Im Namen aller Mitglieder der Paläontologischen Gesellschaft, die an der Tagung in Göttingen teilnehmen konnten, bedanken wir uns bei Prof. Reitner, Dr. Reich, Frau Schmidt und den vielen Helfern für die vorzügliche Ausrichtung. Wir alle haben uns in Göttingen sehr wohl gefühlt und sind mit vielen Inspirationen für unsere Wissenschaft an unsere Arbeitsplätze zurückgekehrt.

Jens Lehmann (Bremen) & Bettina Reichenbacher (München)

Teilnehmer an der Göttinger Tagung 2004




Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen neu eröffnet

Im Rahmen der 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft in Göttingen wurde das Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums nach Umgestaltung neu eröffnet. Zwar ist den eröffnenden Worten von Prof. Joachim Reitner und Dr. Mike Reich folgend diese noch nicht abgeschlossen, doch große Teile der alten Ausstellung präsentieren sich bereits überarbeitet und in neuem Gewand.

Traditionell ist die Ausstellung wissenschaftlich orientiert und beugt sich nicht neuesten didaktischen Trends im Museumsbereich. Dieses Konzept wurde auch in der neuen Ausstellung beibehalten - für ein Universitätsmuseum legitim - und der Geowissenschaftler freut sich über eine Fülle von Material und über die genauen Angaben zur Bestimmung und der Stratigraphie der Stücke. Dank Kustos Mike Reich wurden viele interessante Originale aus den Archiven ans Tageslicht geholt, worüber sich wiederum besonders auch der Fachbesucher freut. Zu diesem Konzept passt es, bewusst einige alte Ausstellungsvitrinen zu integrieren, die den Flair einer solchen historisch gewachsenen Sammlung spüren lassen.

Berühmt ist die Sammlung aus dem Jura-/Kreide-Grenzbereich niedersächsischer Fundorte des Bückeburger Raumes. Viele dieser Funde wurden von dem am Gymnasium Adolfinum in Bückeburg tätigen Max Ballerstedt (1857-1945) zusammengetragen. Die Klassiker dieser Sammlung sind einige Fußabdrücke des Dinosauriers Iguanodon. Für den Fachmann sind besonders die fossilen Reste von Schildkröten und Krokodilen beeindruckender, die aus Sandsteinen des Berrias stammen, und das Originalskelett des Zwergdinosauriers Stenopelix valdensis. Korrekt ausgedrückt liegen die Knochen letzteren Fundes "nur" als Hohlform im Sandstein vor, was den Fund aber in mancherlei Hinsicht noch interessanter macht. Im zentralen Sammlungsraum sind dekorative Großammoniten aus dem Campan des Stemweder Berges zu sehen, aber auch ein großer Teil der Begleitfauna dieser Fundregion ist in den benachbarten Vitrinen ausgestellt.

Insgesamt betrachtet deckt die Sammlung paläontologische Funde aus der weiteren Umgebung von Göttingen und ganz Niedersachsens ab, weshalb das Material aus diversen erdgeschichtlichen Systemen stammt, aber ein Schwerpunkt auf der Kreide der Region liegt.

Im Sammlungsbestand der nicht vergessen werden darf, sind besonders auch die Funde von Willershausen am Harz zu nennen, einer Tongrube die Seeablagerungen des Pliozän erschloss und seit etlichen Jahrzehnten unzugänglich ist. Von dieser klassischen Fundstelle liegen im Göttinger Museum zahlreiche Unikate vor, z.B. Insekten, Frösche in Hauterhaltung und fossile Blätter in hervorragender Erhaltung.

Adresse: Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen, Goldschmidtstr. 1-5, 37077 Göttingen.

Öffnungszeiten: Werktags zwischen 8:30 und 17:30 Uhr, Führungen nach vorheriger Anmeldung (Prof. J. Reitner, Tel.: 0551/397950 oder Dr. Mike Reich, Tel.: 0551/397998; e-mail: uggp@gwdg.de).

Jens Lehmann, Bremen

Blick in einen Teil der neu gestalteten Ausstellung im Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen. Foto: J. Lehmann.




Erster Tilly-Edinger Nachwuchspreis geht an Oliver Wings

Auf der 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft wurde Anfang Oktober 2004 in Göttingen erstmalig der Tilly-Edinger-Preis vergeben. Tilly Edinger verkörperte die Tugenden, die den nach ihr benannten Preis charakterisieren: Wissenschaftliches Interesse, den Mut, Neuland zu betreten und die Beharrlichkeit, sich (wissenschaftliche) Ziele zu setzen und sie auch zu erreichen.

Dieses Jahr hat die Jury aus fünf exzellenten Vorträgen der Bewerber die Arbeit von Oliver Wings ausgewählt, der sich im Rahmen seiner Dissertation mit der Identifikation, Verteilung und Funktion von Magensteinen (Gastrolithen) bei Dinosauriern und Vögeln beschäftigt hat. Herr Wings begann sein Studium der Geologie/Paläontologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo er auch im Jahr 1999 bei Prof. Dr. Erik Flügel seine Diplomarbeit über einen Hartgrund im Solnhofener Plattenkalk vollendete. Danach wechselte er an das Institut für Paläontologie der Universität Bonn, wo er in Privatdozent Dr. Martin Sander einen engagierten Betreuer für sein selbst gewähltes Promotionsthema über Magensteine fand. Im Jahre 2001 arbeitete er im Rahmen eines Marie-Curie-Stipendiums für sechs Monate an einem Forschungsprojekt zur Knochendiagenese an der University of Bristol in Großbritannien und konnte dabei nebenbei auch die englischen Gastrolithenfunde studieren. Seit November 2003 ist Oliver Wings als wissenschaftlicher Volontär am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover beschäftigt, wo er intensiv in ein neues Grabungs- und Forschungsprojekt zur Untersuchung von Dinosaurierfährten in unterkretazischen Sandsteinen eingebunden ist.

Annette Broschinski, Hannover


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© Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung 04.09.2005 durch August Ilg