Tagungen, EventsFrühere Tagungen und Jahresversammlungen der Paläontologischen GesellschaftJahrestagung 2004Die Jahrestagung 2004 hat unter dem Rahmenthema "GEOBIOLOGIE" vom 02.10. bis 07.10.2004 in Göttingen stattgefunden. Organisationsteam: J. Reitner, M. Reich, G. Schmidt Website für die Tagung siehe: Protokoll Mitgliederversammlung Protokoll der ordentlichen Mitgliederversammlung
TOP 1 - (Feststellung der Tagesordnung): Die Tagesordnung wird angenommen. TOP 2 - (Genehmigung des Protokolls der ordentlichen Mitgliederversammlung in Mainz 2003, veröffentlicht in GMIT 14: 83-86): Das Protokoll wird per Akklamation angenommen. TOP 3 - (Abstimmung über die Satzungsänderung, vgl. GMIT 16: 87): Die Satzungsänderung wurde den Mitgliedern im Juni in GMIT bekannt gegeben. Sie wird von den 116 anwesenden Mitgliedern ohne Gegenstimme bei einer Stimmenthaltung angenommen. TOP 4 - (Ehrungen): TOP 5 - (Bericht der Präsidentin): TOP 6 - (Paläontologische Zeitschrift und GMIT): TOP 7 - (Bericht des Schatzmeisters und der Kassenprüfer): TOP 8 - (Wahlen zum Vorstand und Beirat): TOP 9 - (Bestätigung der Schriftleitung): TOP 10 - (Angliederung des Arbeitskreises für Paläobotanik und Palynologie an die Pal.Ges.): TOP 11 - (Gemeinsame Fachsektion Geobiologie bei der Pal.Ges und der GV): TOP 12 - (Öffentlichkeitsarbeit): TOP 13 - (Erhöhung des Mitgliedsbeitrags): TOP 14 - (Entlastung des Vorstands): TOP 15 - (Zukünftige Jahrestagungen): TOP 16 - (Verschiedenes): Dr. Günter Schweigert, Stuttgart "Geobiologie" - 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft vom 02.-08.10.2004 in Göttingen Mit über 250 Teilnehmer/-innen verzeichnete die 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft am Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen wieder einen sehr guten Zuspruch. Dabei war die Zahl der Nachwuchswissenschaftler und Studierenden unter den Tagungsteilnehmern wie schon in den letzten Jahren erfreulich groß. Ebenso erfreulich war, dass der Programmdirektor für Geologie und Paläontologie, Dr. S. Dürr, zumindest dem ersten Tag der Tagung beiwohnen konnte. Die hohe Anzahl von Vortragsanmeldungen (fast 150!) spiegelte die zunehmende Breite der von der Paläontologie in Anspruch genommenen Themen wieder. Die Posterpreise für die drei besten Poster (Geld- und Buchpreise) taten ihr übriges für den großen Erfolg der Tagung; in Göttingen wurden mit 85 Postern fast 30 Poster mehr als im Vorjahr vorgestellt (1. Preis: Christina Lindenau mit "Zahnschmelzmikrostrukturen der südamerikanischen Huftiere", 2. Preis: Alexander Mudroch (Koautoren A. Leidner, D. Thies, J. Kriwet und C. Helm) mit "Engelhaie aus dem Oberjura Nordwesteuropas", 3. Preis: Verena Schöning (Koautor M. Gudo) mit "Evolutionsgeschichtliche Entwicklung der Nervensysteme der Echinodermen"). Die sehr gelungene Organisation der Tagung verdanken wir Prof. Joachim Reitner, Dr. Mike Reich und Frau Gabriele Schmidt sowie den zahllosen Helfern "im Hintergrund". Sie sorgten für die Zusammenstellung des attraktiven wissenschaftlichen Programms nebst Exkursionen, Workshops und Abendveranstaltungen und den reibungslosen Ablauf der Vorträge, waren im Tagungsbüro immer hilfreiche Ansprechpartner, und hielten Kaffee und Erfrischungsgetränke bereit. Mike Reich fand außerdem noch die Zeit, "Führungen durch den Geopark" anzubieten, denen während der Mittagspause viele Tagungsbesucher mit großem Interesse beiwohnten. Eröffnet wurde die Tagung am Montagmorgen mit einer Begrüßung durch den Vizepräsidenten der Universität Göttingen Prof. Kree, den Dekan der Geowissenschaftlichen Fakultät und Ausrichter der Tagung Prof. Reitner und der Präsidentin der Paläontologischen Gesellschaft. Im ersten Vortrag referierte Dr. Dürr über die Entscheidungsfindung der DFG über im Fachbereich Geologie und Paläontologie vorgelegte Anträge. Hierdurch konnte einem breiten Publikum das Verfahren transparent gemacht werden, gerade für die vielen Nachwuchswissenschaftler ein gelungener Einstand des Tagungsprogramms. Erfrischendes zu hören gab es gleich zu Beginn des wissenschaftlichen Programms mit den Vorträgen des "Tilly-Edinger Symposiums", die im Rahmen einer Plenarveranstaltung stattfanden. Im Vorfeld hatte eine Jury aus Vorstand und Beirat der Paläontologischen Gesellschaft insgesamt fünf Kandidaten ausgewählt, die sich in der letzten Runde der Bewerbung um den mit 2500 EUR dotierten Tilly-Edinger-Preis mit einem Vortrag vorstellten. Die Qualität des Vortrags floss dann in die Gesamtentscheidung der Jury mit ein. Die Themen dieser Vorträge waren breit gefächert, ein Beitrag zur Mikropaläontologie und Paläoklimatologie (Andreas Bergner), zwei zur Wirbeltierpaläontologie (Michael Fastnacht, Oliver Wings), einer zur Invertebratenpaläontologie (Christian Klug) sowie ein Beitrag mit breitem biostratigraphisch-geochemischen Ansatz (Sandra I. Kaiser). Dass alle Vorträge ein hohes Niveau widerspiegelten war aus den Reaktionen der Zuhörer ebenso ablesbar wie aus den Äußerungen des Vertreters der DFG zu diesem Programmpunkt. In den weiteren zehn Symposien wurde ein großer Teil unseres Fachgebietes abgedeckt, vom Thema "Geomikrobiologie" bis hin zu klassischen Themen wie "Biostratigraphie im frühen Paläozoikum" und "Ozeanische Lebensräume". Auf besonders großes Interesse stießen auch das Symposium "Biodiversität und Zeitmessung im Devon" sowie "Evolution der Organismen: Genetik und Fossilien". Aber auch die Paläobotanik und insbesondere die Palynologie waren, wie im Vorjahr, wieder stark und in eigenen Symposien vertreten. Insgesamt hat sich die Praxis der letzten Tagungen, die Symposien mit "keynotes" einzuführen, bewährt. Hier wurde mit brennenden Fragestellungen in die Themen eingeführt, wenn auch die Zuordnung der "keynotes" zu den Symposien bzw. der Titel der Symposien nicht in allen Fällen glücklich war. Die für die Frage der Entstehung der Metazoen ungemein spannende "keynote-lecture" von Michael Steiner über frühkambrische Metazoenembryos und Larven aus China beispielsweise wurde dem Symposium "Biostratigraphie im frühen Paläozoikum" vorangestellt. Wie auch viele der folgenden Vorträge dieses Symposiums gingen die Fragestellungen jedoch weit über biostratigraphische hinaus. Insgesamt regten die wissenschaftlichen Themen, die während der Vorträge und auf den Postern geboten wurden, zu zahlreichen Diskussionen an. Die wissenschaftliche Qualität wurde allgemein als sehr gut bewertet. Wie schon auf den Tagungen der letzten Jahre, war auch in Göttingen die Öffentlichkeitsarbeit der Paläontologischen Gesellschaft ein wichtiges Thema. Den öffentlichen Abendvortrag hatte dankenswerterweise Prof. Dr. Jörn Peckmann (Bremen) übernommen. Im stilvollen Ambiente der Aula der Universität, in der schönen Altstadt von Göttingen gelegen, lockte er mit seinem Vortragstitel "Die Entwicklung des Lebens an submarinen Quellen" nicht nur eine große Zahl von Tagungsteilnehmern an, sondern fand auch aus der Bevölkerung großen Zulauf. In seinem Vortrag verstand er es in vorbildlicher Weise, sein wissenschaftlich anspruchsvolles und faszinierendes Thema allgemeinverständlich zu präsentieren. Der Beifall war entsprechend groß. In das Tagungsprogramm eingebettet fand auch die Pressekonferenz statt, mit gutem Zuspruch von der lokalen Presse, die am Folgetag ausführlich über unsere Tagung und unsere Preisverleihung berichtete (siehe unsere webpage!). Ein besonders wichtiger Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit war der Workshop zu diesem Thema, der von Dr. Eckhard Mönnig (Coburg) moderiert wurde, gut besucht war und trotz zu wenig Diskussionszeit viele positive Rückmeldungen erhielt. Ebenfalls im Blickwinkel der Öffentlichkeitsarbeit - aber nicht nur - stand der Abschlussvortrag von Prof. Reitner und Prof. Reichenbacher mit dem Titel "Quo vadis Paläontologie", in dessen Gefolge sich eine lebhafte Diskussion unter den Tagungsteilnehmern entwickelte. Im Anschluss an das Vortragsprogramm fanden der Workshop "Geo-Histologie", der Workshop der deutschsprachigen Ostrakodologen sowie das Meeting des neu bewilligten IGCP 499 "Devonian land-sea interaction: evolution of ecosystems and climate" (Leitung: Dr. Schindler, Dr. Königshof und Dr. Wilde, alle Forschungsinstitut Senckenberg) statt. Von der stolzen Anzahl von acht Exkursionen konnten sieben Exkursionen durchgeführt werden. Die Exkursionen wurden als Vor- und Nachprogramm der Tagung angeboten. In die devonischen Riffe im Harz lotsten Eberhard Gischler und Joachim Reitner, den Buntsandstein am Harzrand übernahm Josef Paul. In die Kreide führten die Exkursionen in die Obernkirchener Sandsteinbrüche (Annette Broschinski), das Cenoman und Turon des Niedersächsischen Tektogens (Markus Wilmsen und Frank Wiese) und den Hannoveraner Raum ("Sarah" Niebuhr). Eine weitere Exkursion in das Paläozoikum boten Jörg Schneider, Birgit Gaitzsch und Ute Gebhardt an (Permokarbon der Saale-Senke). In die direkte Umgebung des Tagungsortes Göttingen führte Gernot Arp (Aufschlüsse in Trias und Jura). Ein besonderes gesellschaftliches Event war das gemeinsame Abendessen. Hier wurde mit einem reichhaltigen Buffet allen Geschmäckern Rechnung getragen und die großzügigen Räumlichkeiten der "Alten Mensa" ermöglichten ein freundschaftliches Zusammentreffen und viele Gespräche. Im Namen aller Mitglieder der Paläontologischen Gesellschaft, die an der Tagung in Göttingen teilnehmen konnten, bedanken wir uns bei Prof. Reitner, Dr. Reich, Frau Schmidt und den vielen Helfern für die vorzügliche Ausrichtung. Wir alle haben uns in Göttingen sehr wohl gefühlt und sind mit vielen Inspirationen für unsere Wissenschaft an unsere Arbeitsplätze zurückgekehrt. Jens Lehmann (Bremen) & Bettina Reichenbacher (München)
Teilnehmer an der Göttinger Tagung 2004 Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen neu eröffnet Im Rahmen der 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft in Göttingen wurde das Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums nach Umgestaltung neu eröffnet. Zwar ist den eröffnenden Worten von Prof. Joachim Reitner und Dr. Mike Reich folgend diese noch nicht abgeschlossen, doch große Teile der alten Ausstellung präsentieren sich bereits überarbeitet und in neuem Gewand. Traditionell ist die Ausstellung wissenschaftlich orientiert und beugt sich nicht neuesten didaktischen Trends im Museumsbereich. Dieses Konzept wurde auch in der neuen Ausstellung beibehalten - für ein Universitätsmuseum legitim - und der Geowissenschaftler freut sich über eine Fülle von Material und über die genauen Angaben zur Bestimmung und der Stratigraphie der Stücke. Dank Kustos Mike Reich wurden viele interessante Originale aus den Archiven ans Tageslicht geholt, worüber sich wiederum besonders auch der Fachbesucher freut. Zu diesem Konzept passt es, bewusst einige alte Ausstellungsvitrinen zu integrieren, die den Flair einer solchen historisch gewachsenen Sammlung spüren lassen. Berühmt ist die Sammlung aus dem Jura-/Kreide-Grenzbereich niedersächsischer Fundorte des Bückeburger Raumes. Viele dieser Funde wurden von dem am Gymnasium Adolfinum in Bückeburg tätigen Max Ballerstedt (1857-1945) zusammengetragen. Die Klassiker dieser Sammlung sind einige Fußabdrücke des Dinosauriers Iguanodon. Für den Fachmann sind besonders die fossilen Reste von Schildkröten und Krokodilen beeindruckender, die aus Sandsteinen des Berrias stammen, und das Originalskelett des Zwergdinosauriers Stenopelix valdensis. Korrekt ausgedrückt liegen die Knochen letzteren Fundes "nur" als Hohlform im Sandstein vor, was den Fund aber in mancherlei Hinsicht noch interessanter macht. Im zentralen Sammlungsraum sind dekorative Großammoniten aus dem Campan des Stemweder Berges zu sehen, aber auch ein großer Teil der Begleitfauna dieser Fundregion ist in den benachbarten Vitrinen ausgestellt. Insgesamt betrachtet deckt die Sammlung paläontologische Funde aus der weiteren Umgebung von Göttingen und ganz Niedersachsens ab, weshalb das Material aus diversen erdgeschichtlichen Systemen stammt, aber ein Schwerpunkt auf der Kreide der Region liegt. Im Sammlungsbestand der nicht vergessen werden darf, sind besonders auch die Funde von Willershausen am Harz zu nennen, einer Tongrube die Seeablagerungen des Pliozän erschloss und seit etlichen Jahrzehnten unzugänglich ist. Von dieser klassischen Fundstelle liegen im Göttinger Museum zahlreiche Unikate vor, z.B. Insekten, Frösche in Hauterhaltung und fossile Blätter in hervorragender Erhaltung. Adresse: Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen, Goldschmidtstr. 1-5, 37077 Göttingen. Öffnungszeiten: Werktags zwischen 8:30 und 17:30 Uhr, Führungen nach vorheriger Anmeldung (Prof. J. Reitner, Tel.: 0551/397950 oder Dr. Mike Reich, Tel.: 0551/397998; e-mail: uggp@gwdg.de). Jens Lehmann, Bremen
Blick in einen Teil der neu gestalteten Ausstellung im Museum des Geowissenschaftlichen Zentrums der Universität Göttingen. Foto: J. Lehmann. Erster Tilly-Edinger Nachwuchspreis geht an Oliver Wings Auf der 74. Jahrestagung der Paläontologischen Gesellschaft wurde Anfang Oktober 2004 in Göttingen erstmalig der Tilly-Edinger-Preis vergeben. Tilly Edinger verkörperte die Tugenden, die den nach ihr benannten Preis charakterisieren: Wissenschaftliches Interesse, den Mut, Neuland zu betreten und die Beharrlichkeit, sich (wissenschaftliche) Ziele zu setzen und sie auch zu erreichen. Dieses Jahr hat die Jury aus fünf exzellenten Vorträgen der Bewerber die Arbeit von Oliver Wings ausgewählt, der sich im Rahmen seiner Dissertation mit der Identifikation, Verteilung und Funktion von Magensteinen (Gastrolithen) bei Dinosauriern und Vögeln beschäftigt hat. Herr Wings begann sein Studium der Geologie/Paläontologie an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo er auch im Jahr 1999 bei Prof. Dr. Erik Flügel seine Diplomarbeit über einen Hartgrund im Solnhofener Plattenkalk vollendete. Danach wechselte er an das Institut für Paläontologie der Universität Bonn, wo er in Privatdozent Dr. Martin Sander einen engagierten Betreuer für sein selbst gewähltes Promotionsthema über Magensteine fand. Im Jahre 2001 arbeitete er im Rahmen eines Marie-Curie-Stipendiums für sechs Monate an einem Forschungsprojekt zur Knochendiagenese an der University of Bristol in Großbritannien und konnte dabei nebenbei auch die englischen Gastrolithenfunde studieren. Seit November 2003 ist Oliver Wings als wissenschaftlicher Volontär am Niedersächsischen Landesmuseum Hannover beschäftigt, wo er intensiv in ein neues Grabungs- und Forschungsprojekt zur Untersuchung von Dinosaurierfährten in unterkretazischen Sandsteinen eingebunden ist. Annette Broschinski, Hannover << frühere Jahrestagungen, Übersicht
|
© Paläontologische Gesellschaft, letzte Änderung
| ||